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RADIONISTS

Die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung hört Radio und doch ist die kulturthematische Medienberichterstattung in keinem unabhängigen, lokalen Kulturradio vertreten. Gemeinsam mit lokalen und regionalen Partner*innen baut das Goethe-Institut Palästinensische Gebiete daher ein Kulturradioprogramm auf, um für und mit der lokalen Kulturszene nachhaltige, freie „Hör-räume“ zu schaffen. Unter dem Motto “Wir können uns nicht sehen, aber hören” ist es Ziel dieses Projektes, mit Hilfe von zukunftsfähigen Hörfunktechniken der Schwierigkeit eines Zusammenkommens und sicheren Austausches in der fragmentierten Geografie entgegenzuwirken.

In der Vorprojektphase 2019 gelang es bei einer Reihe von Aktivitäten Netzwerk und Wissen aufzubauen. Diese dienen dem Vorhaben nun als Grundlage. Zum einen wurde in Form einer qualitativen Studie mit landesweiten Fokusgruppendiskussionen und anschließender Auswertung ein Forschungsbericht erstellt. Dieser Bericht belegt die Relevanz von Hörfunk in den Palästinensischen Gebieten und die Notwendigkeit eines Kulturradioprogramms.

Außerdem fand im Oktober und November 2019 die Veranstaltungsreihe ‘Overtones’ statt, die von Lara Khaldi kuratiert wurde. Diese Reihe beinhaltete eine Ausstellung in der hauseigenen Galerie, Sound Walks, sowie Diskussionen und Workshops mit Radio-Expert*innen aus Deutschland und Palästina. Kulturkritische Themen, die die Region und die regionale Kulturwelt betreffen, wurden thematisiert und fanden damit eine seltene Plattform für einen offenen Diskurs.

Das Jahr 2020 war und ist geprägt von der Covid-19-Pandemie: Alle mussten lernen, was ein Lockdown bedeutet und wie damit umzugehen ist. Zeitgleich wurde es immer wichtiger, andere Wege und Formen des Austauschs zu finden. Die rasant wachsende Zahl an Podcast- und Radiomacher*innen belegt zum einen die Popularität und zum anderen die gewachsenen Möglichkeiten, physisch verhinderte Dialoge in digitale Räume zu verlagern.

Das Goethe-Institut Palästinensische Gebiete begründete eine Partnerschaft mit dem Online-Musikmagazin "Ma3azef", das 2012 gegründet und von Ma'n Abu Taleb herausgegeben wird. Seitdem ist seine Popularität stetig gewachsen, mittlerweile ist "Ma3azef" zum führenden Online-Magazin im Bereich Musik und Kultur in der arabischen Welt entwickelt. 2020 wurde ein eigener Online-Radiosender, unter der Leitung von Jinane Chaaya, gegründet.

Gemeinsam mit dem Team von Ma3azef hat die Programmabteilung des Goethe-Institut Palästinensische Gebiete junge und innovative Radiomacher*innen in Palästina identifiziert, um gemeinsam kulturkritische Inhalte zu produzieren. Im Fokus stehen sowohl aktuelle Diskurse der hiesigen Kunst- und Kulturproduktion, als auch aus dem Fokus geratene, aber noch immer relevante Hintergrundgeschichten. So wird beispielsweise der Versuch unternommen, anhand von Augenzeugenberichten vergangener Geschehnisse die Gegenwart besser greifen zu können.

Die so produzierten Inhalten werden unter dem eigens gegründeten Label “Atheer” (arabisch: أثير) veröffentlicht. Atheer ließe sich sowohl mit “dem Bevorzugten” als auch mit “Äther” übersetzen.

Ende 2020 wird in den Räumlichkeiten des Deutsch-Französischen Kulturzentrums in Ramallah ein hochwertiges Tonstudio gebaut. Das Studio wird zum einen die weitere Produktion von Inhalten für Atheer/Ma3azef sicherstellen, aber auch der kulturschaffenden Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. So können viele Menschen in den Palästinensischen Gebieten, aber auch darüber hinaus, sich zwar nicht sehen, doch aber deutlich hören.

Für 2021 sind weitere Aktivitäten in Zusammenarbeit mit Ma3azef, aber auch anderen Radiomacher*innen und Radioplattformen, sowohl in der arabisch-, als auch englisch- und deutschsprachigen Welt geplant.
 

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