Los Angeles, 11. März 2026  Das Meer ist das Meer, die Stadt ist die Stadt.

Portraitfoto von Louise Kenn auf einem grau eingefärbten Hintergrund mit einem Sonnenuntergang im Hintergrund. © Goethe-Institut, Ricardo Roa
Wir sind schweigsamer geworden. Die Kraft ist uns ein wenig ausgegangen und LA ist groß, so unglaublich groß, wann hört diese Stadt überhaupt auf. Wenn ich versuche die Spur zu wechseln erschrecke ich mich, wie viele weitere Spuren noch neben mir sind, es sind häufig sieben weitere, what the fuck sage ich andauernd, und dann fahren wir in den nächsten Stau hinein.

Wir warten darauf, dass unsere Führung durch die Villa Aurora beginnt. Wir hocken vor einem Bücherregal mit Büchern zu verschenken. Es sind sehr viele Lion Feuchtwanger Bücher.
Wer ist Lion Feuchtwanger, fragt Mücahit.
Irgendein Klassiker oder so, sage ich.
Zehn Minuten später sind wir beide sehr froh, dass niemand unsere Unterhaltung gehört hat.

Wir sind müder geworden. Die Müdigkeit macht faul, wie viel neue Eindrücke kann ein Gehirn eigentlich überhaupt in so kurzer Zeit sammeln und verarbeiten. Die Faulheit bringt mich zum Shoppen, und das macht schon außerordentlich Spaß in LA, mehr als anderswo.
Ich gehe zu Erewhon und gebe 32 Dollar für einen Smoothie und fünf Dumplings aus. It hits my no less than five minutes later, ich muss lachen, 32 Dollar für Fertigessen eingepackt in Plastik und ein bisschen püriertes Gemüse, die machen das schon gut, die bringen dich schon hervorragend zum Geld ausgeben, das muss man ihnen lassen.

Ich greife nach Wörtern und Beschreibungen für diesen Ort, aber ich habe ständig das Gefühl, das weiß eh jeder.
Stau in LA? Groundbreaking information.
Die Leute sehen oft fake aus? You don’t say.
Downtown ist die Armut extrem und das Drogenproblem wirklich erschreckend? Aha.

Ich nehme eine Sprachnachricht für einen Freund auf. „Ich fahre heute glaub ich nicht zum Meer, weil das Meer, das ist irgendwie auch einfach nur das Meer.“
„Das Meer ist das Meer. Manche Wahrheiten lassen sich in 5 Wörter packen.“ antwortet er. Ich nicke und starre auf einen weiteren Stau, in den ich in diesem Moment hineinfahre. 
Die in diesem Text geäußerten Ansichten sind ausschließlich die der Autorin und spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder Position des Goethe-Instituts wider.