New Orleans, 18. März 2026   Alkohol in hoher Luftfeuchtigkeit

Portraitfoto von Louise Kenn auf einem lila eingefärbten Hintergrund mit einer Straße und Spanish Moss. © Goethe-Institut, Ricardo Roa
New Orleans ist schön, auf diese spezielle amerikanische Art, die extrem europäisch ist. Wo man spürt, dass dieses Land aus Massen an Europäern besteht, die diesen Kontinent vor Jahrhunderten überfallen haben. Sie haben ein French Quarter, das eigentlich von Spaniern ist. Sie haben Spanish Moss an den Bäumen hängen, welches die Franzosen so genannt haben, weil sie sich damit über Bärte der Spanier lustig gemacht haben. Nach Native American Legende ist Louisianamoos, Spanish Moss, das Haar einer am Tag ihrer Hochzeit getöteten Prinzessin, dessen trauernder Bräutigam ihr Haar in einen Baum hing. Der Wind verbreitete das Haar, und nun sehen alle Bäume im Süden der USA Gothic aus.  
 
Ich glaube, ich war in meinem Leben noch nie so schlimm verkatert wie an diesem fatalen Dienstag in New Orleans. Ich wandle mit Sonnenbrille bei bewölktem Himmel durch die Straßen, überall spielen sie Jazz und tragen Grün, weil St. Patricks Day ist. Sie tragen lange Perlenketten aus Plastik, ich weiß nicht für was oder warum, but I truly cannot be bothered, I just need to survive.  
That’s the New Orleans experience, sagen sie; drinking too much is what you’re supposed to do, versichern sie mir. 
Ich verziehe mich zurück in mein Hotelzimmer und leide den restlichen Tag im Bett.  
 
In einer wunderschönen, leeren Kirche lese ich meinen Text vor, es geht um Klimawandel, es geht Windräder, es geht um die Effekte in Deutschland.

I am jealous, sagt mir Maggie danach, you guys worry about the animals and nature. We worry about our lives.  
 
Später fährt sie mich durch die Stadt, zeigt mir, wo vor 20 Jahren Hurricane Katrina auf die Stadt getroffen ist.  
Back in the day, it looked like the neighbourhood your Hotel is in, sagt Maggie. 
The neighbourhood our hotel is in ist bunt, süß und voller Leben. Die Straßen hier dagegen sind leer, die Grundstücke sind leer, die meisten Häuser immer noch mit Brettern vernagelt. Auf einem sieht man immer noch das große X. In jedem Dreieck, dass das X formt, ein Kürzel: Oben Datum, Links das Team, Rechts ob gefährliche Bedingungen herrschen, unten die Anzahl der gefundenen Leichen. Ich habe Gänsehaut.  
 
Wir gehen Crawfish und Po-Boys essen. Ich frage Maggie, ob sie in New Orleans bleiben will.  
I really want to, sagt sie, but I don’t know if I can. People are already leaving the City to go elsewhere. It’s questionable if the city stays livable in the future.  
Ich weiß nicht, was ich antworten soll. Mir wird zum ersten ernsthaft spürbar bewusst, wie unglaublich geschützt wir in Europa sind.  
 
Danach spazieren wir im Park und bewundern die whistling ducks die es sich auf den Bäumen gemütlich gemacht haben. Auf einer Parkbank holen zwei Mädchen ihr Mittagessen aus Plastiktüten, nehmen ihre Plastikgabeln, spießen ihren Salat aus Plastikcontainern auf, und trinken einen Schluck durch den Plastikstrohhalm aus ihren riesigen Plastikbechern.  

Weiterführender Link:
Louise Kenn – Baby, be my technofix
https://www.wortmeldungen.org/texte/louise-kenn-baby-be-my-technofix
Die in diesem Text geäußerten Ansichten sind ausschließlich die der Autorin und spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung oder Position des Goethe-Instituts wider.