
„Eine (erfundene) verwunschene Stadt an der Küste Argentiniens. Der endogamische, bei einem Übersetzerkongress zu erwartende Kontext. Tote Seehunde infolge einer mysteriösen Epidemie und andere nicht weniger geheimnisvolle Todesfälle: alle Leichen in der Nähe des Wassers, unter der Zunge eine nicht mehr gültige Nickelmünze.“
Der Übersetzer Miguel de Blast, Ermittler und Verdächtiger zugleich, verfolgt hier die einzigen möglichen Spuren: wenn jemand einer Frau verfallen ist, übersieht er den Rest der Welt. So lautet die Ankündigung für den Roman La traducción (1998, Die Übersetzung), mit dem Pablo de Santis 1997 in die Riege der besten Erzähler Argentiniens aufstieg.
Sein bislang größter Erfolg ist El enigma de París (2007, Das Rätsel von Paris), für den er 2007 den Literaturpreis Premio Planeta-Casamérica de Narrativa Iberoamericana und den Premio Academia Argentina de Letras erhielt. Die in Argentinien und Paris angesiedelte Kriminalgeschichte ist eine Hommage an den klassischen britischen „Whodunit“-Krimi. Das Rätsel wird zum Leitmotiv des Romans und zur quest der Detektivgeschichte.
„Wir sind es, die das Rätsel als Rätsel überhaupt erst entstehen lassen. Stück für Stück konstruieren wir uns die Tatsachen, bis sie die Gestalt des Rätsels annehmen. (…) Womöglich ist uns ja noch gar nicht bewusst, dass wir alle in ein und demselben Rätsel unterschiedliche Dinge erkennen? Vielleicht liegt dort auf dem Grund einfach nichts.“ (Aus: Das Rätsel von Paris)
Seine Leidenschaft für das Rätsel ist ein charakteristisches Merkmal seines Gesamtwerkes. Das Rätsel wird zum Kern der Handlung, die Spannung entsteht aus der stillen Beobachtung der Welt geschmückt durch amouröse Verstrickungen, psychopathologische Verwicklungen und fabelhafte Orte. De Santis steht mit seinen Romanen in der Tradition von Schriftstellern der „fantastischen Literatur“ wie Jorges Luis Borges und Adolfo Bioy Casares.
Neben seinen Romanen hat Pablo De Santis journalistische Beiträge, Essays, Comics und Drehbücher fürs Fernsehen bis hin zu humorvollen illustrierten Büchern verfasst.
Pablo de Santis’ Texte zeichnen sich nicht nur durch seinen unerschöpflichen Einfallsreichtum aus, sondern vor allem durch den flüssigen, eingängigen Schreibstil eines umsichtigen Schriftstellers, der sein Handwerk meisterlich beherrscht.
Übersetzung: Sabine Büdel







