Tim, Uwe

Uwe Tim: Die Entdeckung der Currywurst © Verlag Kiepenheuer & Witsch
Die Entdeckung der Currywurst
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1993
- 221 Seiten
ISBN: 3-462-02290-3

Brasilianische Ausgabe:
A descoberta da currywurst

Wie schmeckt die Erinnerung? Und wie kommt es zu großen und kleinen Entdeckungen?

Der Erzähler besucht in einem Altersheim eine Frau, von der er glaubt, sie habe die Currywurst entdeckt. Lena Brücker, weit über achtzig, rückt aber auf seine Fragen nicht so schnell mit der Antwort heraus. Vielmehr erzählt sie eine ganz andere Geschichte, die zunächst recht alltäglich beginnt, sich dann aber als unerhörte Begebenheit erweist. Im April 1945, kurz vor Kriegsende, hat sie einen Marinesoldaten in ihrer Wohnung versteckt und mit ihm eine Liebesverhältnis angefangen. Dann aber kapituliert Hamburg. Die vierzigjährige Lena Brücker will den jungen Deserteur noch nicht heim zu seine Frau und Kind lassen. Sie verschweigt ihm, dass der Krieg zu Ende ist. So sitzt er in der Wohnung fest und wird mit Ersatzgenüssen umsorgt, mit Geschichten und Gerichten: Wildgemüse, Eichelkaffee und falscher Krebssuppe. Bis er eines Tages den Geschmacksinn verliert.

Leseprobe
Verlag Kiepenheuer & Witsch

    Uwe Tim: Am Beispiel meines Bruders © Verlag Kiepenheuer & Witsch
    Am Beispiel meines Bruders
    Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2003
    - 159 Seiten
    ISBN: 3-462-03320-5

    Brasilianische Ausgabe:
    À sombra do meu irmão

    Ein kurzes Leben, das lange nachwirkt – Uwe Timm erzählt die Geschichte seines älteren Bruders Karl Heinz Timm, geboren 1924 in Hamburg, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine – Erst nach dem Tod von Mutter und Schwester fühlt Uwe Timm sich frei genug, über seinen sechzehn Jahre älteren Bruder zu schreiben, der sich 1942 freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet hatte und nicht mehr zurückkehrte. Der Neunzehnjährige lebt weiter in der Trauer der Eltern, ihren Erzählungen, den sprachlichen Wendungen, die für sein Schicksal bemüht wurden, aber auch in den Träumen des jüngeren Bruders, der kaum eigene Erinnerungen an ihn hat. Warum wurden diese Träume nach einem halben Jahrhundert immer drängender? Der Impuls, über den Bruder zu schreiben, sich ein Bild von ihm zu machen, von seiner Generation im Nazikrieg, erwächst bei Uwe Timm auch aus der Notwendigkeit, über die Voraussetzungen der eigenen Biographie Klarheit zu gewinnen. Es ist die Frage nach familiären Prägungen, nach Werten und Erziehungszielen, nach Liebe, Nähe und Respekt unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Zivilisationsbruchs. Warum hat sich der Bruder freiwillig zur SS gemeldet? Wie ging er mit der Verpflichtung zum Töten um? Welche Optionen hatte er, welche Möglichkeiten blieben ihm verschlossen? Wo ist der Ort der Schuld, wo der des Gewissens bei den Eltern, die ihn überlebt haben?

    Uwe Timms neues Buch ist ein bewegender und nachdenklicher Versuch über den Bruder, über Schuld und Erinnerung, es ist auch ein Porträt der eigenen Familie und eine Studie darüber, welche Haltungen den Nationalsozialismus und den Krieg möglich machten, was das mit uns zu tun hat und wie man darüber sprechen kann. Ein schönes, kluges und trauriges Buch, das einen nicht loslässt.

    Leseprobe
    Verlag Kiepenheuer & Witsch

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