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Robert Bosch Stiftung: Literaturförderung als Mittel der Völkerverständigung

Logo Robert Bosch StiftungDie Robert Bosch Stiftung betreibt die Vermittlung von Literatur, um Brücken zwischen den Völkern zu bauen.
„Zündkerzen und Literatur scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben. Doch bei uns gehen sie eine neue, produktive Verbindung ein“, sagt Dr. Maja Pflüger, die bei der Robert Bosch Stiftung für den Bereich Literatur und Übersetzungsförderung zuständig ist.

Deutsch-chinesische Werkstatt für Literaturübersetzer im Künstlerhaus Edenkoben, Juli 2008. Die chinesischen Übersetzer diskutieren lebhaft über Die Stiftung fördert Literatur als Beitrag zur Völkerverständigung. Ausgegangen ist dieses Engagement von dem Wunsch, die Beziehungen zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarländern zu verbessern. Heute geht es weit über die Grenzen Europas hinaus.

Zahlreiche zündende Projektideen werden von der Stiftung finanziell, aber auch organisatorisch unterstützt. „Alle unsere Aktivitäten zielen darauf ab, in den Köpfen der Menschen eine Öffnung zu bewirken. Wir möchten Interesse und Verständnis für Kulturen wecken, die zugleich fremd und überraschend nahe sind. Und dabei setzen wir ganz bewusst auf den gegenseitigen Austausch.“

Übersetzer als literarische Brückenbauer

Chamisso-Preisträger 2008: Michael Stavarič (Förderpreis), Léda Forgó (Förderpreis) und Saša Stanišic (v.l. n.r.). Foto: Markus KirchgessnerEin bedeutender Teil des Engagements gilt der Förderung von Literaturübersetzern. „Während die Übersetzungsförderung des Goethe-Instituts die ausländischen Verlage unterstützt, gehen unsere Fördermittel an die Übersetzer selbst“, erklärt Pflüger. „Im Zentrum steht somit nicht das Buch, das entsteht, sondern der Übersetzer, der sich weiterentwickelt.“

Dazu werden im Programm „Literarische Brückenbauer“ Arbeitsstipendien vergeben sowie Werkstätten, Fortbildungen und Seminare unterstützt. Die Stiftung arbeitet dabei eng mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen und dem Literarischen Colloquium Berlin zusammen.

Schriftsteller als Grenzgänger

Foto von der Grenzgänger-Recherchereise der Autorin Jenny Erpenbeck, Warschau September 2007. Foto: Jenny Erpenbeck Das Programm „Grenzgänger“, das jährlich zusammen mit dem Literarischen Colloquium Berlin ausgeschrieben wird, unterstützt deutschsprachige Autoren mit Recherchestipendien. Gefördert werden Vor-Ort-Recherchen, die eine Veröffentlichung vorbereiten. Das können literarische und essayistische Prosa sein, aber auch Kinder- und Jugendbücher, Fototextbände, Drehbücher für Dokumentarfilme und Hörfunkbeiträge.

Mit einem solchen Stipendium hat etwa Jenny Erpenbeck für ihren Roman Heimsuchung in Warschau recherchiert, Saša Stanišić für seinen Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert in Bosnien oder Marica Bodrožić für ihre Erzählungen Der Windsammler in Kroatien. Die „Grenzgänger“ werden zudem darin unterstützt, ihre Werke in öffentlichen Veranstaltungen zu präsentieren.

Literatur im Rampenlicht

Buchcover Jenny Erpenbeck: Heimsuchung. Eichborn, Frankfurt am Main ISBN 978-3-821-85773-2. Copyright: Eichborn AGEinem besonderen Teil der deutschsprachigen Literatur versucht die Robert Bosch Stiftung bereits seit 1985 Gehör zu verschaffen. Der mit 15.000 Euro dotierte Adelbert-von-Chamisso-Preis zeichnet jährlich Autoren aus, die auf Deutsch schreiben, aber deren Muttersprache und kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist. „Alle Adelbert-von-Chamisso-Preisträger sind nicht nur deutsche Schriftsteller, sondern auch, bewusst oder unbewusst, literarische und sprachliche Brückenbauer zwischen der deutschen Kultur und der Kultur ihres Herkunftslandes“, sagt Frank Albers, der in Stiftung als Projektleiter für den Chamisso-Preis zuständig ist.

Rafik Schami, Emine Sevgi Özdamar, Ilija Trojanow, Feridun Zaimoglu und Saša Stanišic gehörten zu den Preisträgern der letzten Jahrzehnte. „Zu unserer Freude stößt der Preis auch im Ausland auf starke Resonanz“, erklärt Albers. „Unser Katalog, in dem die Preisträger mit Bibliografie, Biografie und Textauszügen vorgestellt werden, wird international gut nachgefragt.“

Vermittlung zwischen Menschen und Büchern

Porträt Dr. Maja Pflüger. Foto: privatAuch im Rahmen des bereits abgeschlossenen Projekts „Deutsche Bibliotheksinitiative Mittel- und Osteuropa“, das vom Goethe-Institut koordiniert wurde, spielte die Robert Bosch Stiftung eine wichtige Rolle – mit einem Autorenbegleitprogramm.

„Wir haben 20 Bibliotheken ausgewählt und Schriftsteller als Paten vermittelt“, berichtet Maja Pflüger. „Die Paten sind zweimal jeweils eine Woche zu ihrer Bibliothek gefahren und haben dort viele unterschiedliche Veranstaltungen durchgeführt, Schulen und Unis besucht, Übersetzer getroffen, Projekte betreut, Kulturstadtpläne erstellt und so weiter.“ 100.000 Euro hat die Stiftung bereitgestellt, um Menschen und Bücher auf diese Weise zusammenzubringen.

„Es war sehr schön zu sehen, welches Engagement die Autoren vor Ort entfaltet haben, und dass sie geradezu enthusiastisch aufgenommen worden sind“, berichtet Pflüger. „Besonders glücklich war der Umstand, dass die Autoren zweimal Gast waren. Zwischen den beiden Besuchen gab es einen regen Austausch und viel Vorfreude auf das Wiedersehen.“

Für Projekte, die eine große Eigendynamik entwickeln, kann sich Maja Pflüger besonders begeistern. „Ein Beispiel dafür ist HALMA, das Netzwerk literarischer Zentren in Europa. Wir fördern die Treffen und die Öffentlichkeitsarbeit von HALMA. Das Reizvolle ist daran, dass Netzwerke ihre Selbstständigkeit behalten und von uns als Förderer wenig gesteuert sind. Darin steckt immer viel kreatives Potenzial und viel Potenzial für Überraschungen.“

Auch wenn die Erfahrungen, die Maja Pflüger in acht Jahren als Projektkoordinatorin im Literaturbereich gemacht hat, durchaus unterschiedlich sind, so wagt sie doch ein Resümee: „Vieles spricht gegen einmalige Events. Wer im Sinne der Völkerverständigung nachhaltig wirken will, braucht nicht nur zündende Ideen, sondern muss einfach länger dabei bleiben.“

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion

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Oktober 2008

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