7 Fragen an...

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Ingrid Dormien Koudela

Dozentin an der Escola de Comunicação e Artes (ECA), Universidade São Paulo (USP)

Forscherin der CNPq mit dem Stipendium Produtividade de Pesquisa

Dozentin des Postgraduierten Programms für Darstellende Kunst an der ECA, USP

idormien@usp.br


Stipendien und Auszeichnungen


Die Übersetzung von Büchner : na pena e na cena (Übers.: J. Guinsburg und Ingrid Dormien Koudela) erhielt den Preis Jabuti (3. Platz).


Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Ich bin zweisprachig aufgewachsen: deutsch/portugiesisch. Meine Großmutter erzählte, dass sie mich auf Deutsch darum bat, etwas aus der Küche zu holen. Dies verstand ich als zweijährige und „übersetzte“ es auf Portugiesisch.
Ich ging auf eine deutsche Schule (Colégio Visconde de Porto Seguro), wo es eine großartige Bibliothek mit Kinder- und Jugendliteratur gab. Ich las sehr gerne und lieh drei, vier Bücher pro Woche aus, die ich verschlug. Während der Alphabetisierung auf Portugiesisch fragte ich nach der Bedeutung bestimmter Wörter auf Deutsch und las sie dann vor. Während der gesamten Grundschulzeit hatte ich Deutschunterricht und auf der Oberschule belegte ich den Kurs für moderne Sprachen (Französisch, Englisch, Deutsch) und erhielt ein Zeugnis, welchem dem „Clássico“ entspricht. Darüber hinaus besuchte ich die Aliance Française und die Sprachschule Cultura Inglesa. Schon immer habe ich Sprachen gerne gelernt. Auf der Oberschule hatte ich ausgezeichnete Lehrer, unter anderem Elizabeth Walter, die uns meisterhaft in die deutsche Literatur einführte.

Nach welchen Kriterien suchen Sie das Werk aus, das Sie übersetzen?
Ich studierte als Teil des ersten Jahrgangs Theater an der ECA, USP. Ich belegte Kurse, unter anderem, bei Anatol Rosenfeld, Sábato Magaldi, Jacó Guinsburg, Clóvis Garcia, Miroel Silveira, Flavio Império. Mein Kontakt zum Text stellt sich immer über das Theater und seiner wichtigen Beziehung zur Literatur her. Was mich bis zum heutigen Zeitpunkt am Übersetzen reizt sind die Impulse, die von einem literarischen Text ausgehen und die Inszenierung prägen.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zum Autor? Begründen Sie!
Ich hatte Kontakt zu Autoren, die mich sehr gezeichnet haben. Einer davon ist Heiner Müller als er nach Brasilien kam. Ich dolmetschte seine Vorträge bei der Associação Bertolt Brecht und in der Favela Monte Azul. Ich schrieb über seine Reaktion auf die Inszenierung der Hamletmaschine, an der die Schauspielerin Marilena Ansaldi im MASP, São Paulo, teilnahm. Diesen Text beschreibt den Besuch Heiner Müllers in São Paulo und ich bewahre ihn liebevoll auf.

In welchem der von Ihnen übersetzten Texte haben Sie am deutlichsten eine kulturelle Distanz verspürt?

Welche sprachlichen Schwierigkeiten haben Sie beim Übersetzen schon einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht?
Der schwierigste Text, an dem ich gegenwärtig arbeite ist die Übersetzung des Werkes von Gotthold Ephraim Lessing. Die Stücke Nathan der Weise und Emilia Galotti konfrontieren mich mit dem Deutschen des 18. Jahrhundert. Zu der größten Schwierigkeit zählt der förmliche Umgang der Figuren des Stückes.

Deutsche/r Lieblingsautor/in oder Lieblingsbuch:
Mein Lieblingsautor ist Bertolt Brecht und mein bevorzugtes Werk sind die Lehrstücke, die das Thema meiner Doktorarbeit und meiner Lehrtätigkeit an der ECA/USP bilden.

Welches Werk würden Sie gerne übersetzen und warum?
Ich übersetzte Leben Gundlings Friedrich von Preußen von Heiner Müller. Das Interesse an Heiner Müller ist sehr groß in São Paulo. Ich würde gerne andere Werke des Autors und des deutschen Gegenwartstheaters übersetzen.

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Vom Deutschen ins brasilianische Portugiesisch übersetzte Werke:

Bücher, Georg
Büchner : na pena e na cena / Georg Bücher. J. Guinsburg e Ingrid Dormien Koudela (Hrsg., Übers. und Noten). São Paulo:
Perspectiva, 2004. 380 S.
ISBN 85-273-0699-9


Müller, Heiner
O espanto no teatro / (Hrsg.) Ingrid D. Koudela. (Übers.: Ingrid Dormien Koudela; Alexandre Krug). São Paulo: Perspectiva, 2003. 196 S.
ISBN 85-273-0666-2
Originalsacht.: Der Horatier. Macbeth


Brecht, Bertolt
Aníbal : fragmento. In: Teatro completo em 12 volumes ; vol. 12 / Bertolt Brecht. Rio de Janeiro: Paz e Terra, 1995. 305 S.: S. 183-193
ISBN 85-219-0130-5
Originalsacht.: Sand


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