7 Fragen an...

Lya Luft

Geboren 1938 in Sta Cruz do Sul - RS

1962 Bachelor Germanistik Anglo-Germanische Sprachen - PUCRS.

1975 Master in Angewandte Linguistik - PUCRS.

1978 Master in brasilianischer und portugiesischer Literatur - UFRGS.

l.letras@terra.com.br


Stipendien und Auszeichnungen

2002 Preiserteilung von der União Latina/Câmara Brasileira do Livro de Tradução Científica e Técnica für die Übersetzung von Lethe.


Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Vielleicht war das ein natürlicher Weg, denn meine Familie stammt von deutschen Einwanderern ab, die Lesebücher meiner Kindheit waren teilweise auf Deutsch und es gab viel deutsche Literatur in unserem Haus. Mein Vater war Bewunderer von Schiller, Goethe und anderen großen klassischen Autoren. Auf der anderen Seite bin ich auch Schriftstellerin und das hat mir geholfen, denn ein Übersetzer muss sehr gut in der Ausgangssprache (in diesem Fall Deutsch) und noch besser in der Zielsprache (Portugiesisch) sein. Deswegen war ich unter den brasilianischen Verlagen immer sehr gefragt.

Nach welchen Kriterien suchen Sie das Werk aus, das Sie übersetzen?
In Brasilien kaufen die Verlage normalerweise das Buch im Ausland und suchen hier einen passenden Übersetzer. Von allen meinen Arbeiten, viel mehr als hunderten Werke auf Englisch und auf Deutsch, habe ich nur ein Buch selber ausgesucht: Die Biographie von Virginia Woolf (von der ich viele Romane aus dem Englischen übersetzt habe) geschrieben von ihrem Neffen Quentin Bell. Ich habe aber viele Übersetzungen von Werken abgelehnt, die ich schlecht oder uninteressant fand.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zum Autor? Begründen Sie!
Es gab keinen. Erstens wurden die meisten Übersetzungen gemacht, bevor die Benutzung von Computer und Internet hier üblich war. Die Verlage haben diese Kontakte nicht unterstützt. Heute wäre es wahrscheinlich anders (Internet, etc.). Ich unterstreiche aber, dass die Übersetzer von meinen im Ausland herausgegebenen Bücher, Romane und Essays in Ländern wie Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien und anderen mich nie gesucht haben. Eine Ausnahme ist jedoch der schon gestorbene und sicherlich große Übersetzer Giovanni Pontiero, der meinen Roman „Exilio“ in England übersetzt hat (dort lautet der Titel „The red House“).

In welchem der von Ihnen übersetzten Texte haben Sie am deutlichsten eine kulturelle Distanz verspürt?
In fast allen. Der Unterschied ist enorm und ich glaube, dass die Kunst der Arbeit eines guten Übersetzers die ist, zwei Kulturen anzunähern. Sein Möglichstes tun, damit die brasilianischen Leser eine Idee vom Land meines ausländischen Schriftstellerkollegen haben, was er sagen wollte, und wie er es gesagt hat. In der Praxis sind Bücher von Grass zum Beispiel schwer zu übersetzen wegen der häufigen Benutzung von lokalen Begriffen aus den Bereichen des Essens, der Pflanzen oder der Geologie, Tatsachen eingeschlossen, die selbst die Deutschen nicht kennen. Viele Dinge gibt es auch nicht in Brasilien etc.

Welche sprachlichen Schwierigkeiten haben Sie beim Übersetzen schon einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht?
Zur „Verzweiflung“ hat mich, was die Sprache angeht, eigentlich noch nichts gebracht, aber mühsam war die Übersetzung Heideggers Biographie von Rüdiger Safranski, für den gleichen Verlag wie Nietzsches Biographie, denn Heidegger ist für die Erfindung neuer Wörter und Ausdrücke bekannt. Ich war mit einigen Übersetzungen, die in Brasilien schon in Gebrauch waren, nicht einverstanden. Einige Male habe ich mich an den auf Heidegger spezialisierten Philosophie-Professor, Dr. Ernildo Stein von der UFRGS und an meinen Sohn, Dr. Eduardo Luft, der Philosophie-Professor an der PUCRS ist, gewandt. Bei Bedarf, haben sie mir einige Wörter erklärt und mich damit bei der Übersetzung unterstützt.

Deutsche/r Lieblingsautor/in oder Lieblingsbuch:
Die Gedichte von Rilke, mein Lieblingsautor von Jugendzeit an, natürlich auf Deutsch. Was ich von ihm übersetzt habe und was mir am meisten gefallen hat, waren „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“.

Welches Werk würden Sie gerne übersetzen und warum?
Rilke Gedichte.

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Vom Deutschen ins brasilianische Portugiesisch übersetzte Werke:
Lukács, Georg
Prolegômenos para uma ontologia
do ser social : questões de
princípios para uma ontologia
hoje tornada possível
. Übersetzung in Zusammenarbeit mit Rodnei Nascimento.
São Paulo: Boitempo, 2010. 414 S.
ISBN 978-85-7559-116-1
Originalsacht.: Prolegomena zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins.
Zweig, Stefan
24 horas na vida de uma mulher.
Porto Alegre: L&PM, 2007, 112 S.
(L&PM Pocket ; 589)
ISBN 978-85-254-1537-0
Originalsacht.: Vierundzwanzig Stunden
aus dem Leben einer Frau.
Musil, Robert
O homem sem qualidades.
Rio de Janeiro: Nova Fronteira, 2006, 1273 S. (40 Anos, 40 Livros).
ISBN 978-85-209-1862-X
Originalsacht.: Der Mann ohne Eigenschaften.
Müller, Herta
O compromisso / Herta Müller.
São Paulo: Globo, 2004. 204 S.
ISBN 978-85-250-3743-5
Originalsacht.: Heute wär ich mir lieber nicht begegnet.
Grass, Günter
A ratazana / Günter Grass.
Rio de Janeiro: Record, 2002. 417 S.
ISBN 978-85-01-05991-9
Originalsacht.: Die Rättin.
Sebald, Winfried G.
Os anéis de Saturno / W. G. Sebald.
Rio de Janeiro: Record, 2002. 300 S.
ISBN 978-85-01-05387-2
Originalsacht.: Die Ringe des Saturn : eine englische Wallfahrt.
Mann, Thomas
Duas novelas : A lei e A enganada / Thomas Mann. São Paulo: Mandarim,
2001. 174 S.
ISBN 978-85-354-0193-8
Originalsacht.: Das Gesetz. Die Betrogene.
Weinrich, Harald
Lete : arte e crítica do esquecimento / Harald Weinrich.
Rio de Janeiro: Civilização Brasileira, 2001. 350 S.
ISBN 978-85-200-0542-2
Originalsacht.: Lethe : Kunst und Kritik des Vergessens.

vollständige Bibliographie

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