7 Fragen an...

Miriam Bettina Paulina Oelsner

Geboren 1945 in São Paulo-SP

1969 Studium National Ökonomie, USP

2002 Magister in deutsche Literatur verteidigt unter Betreung vom Prof. Dr. George Bernard Sperber, USP

2013 Doktorandin in Geschichte unter Betreung vom Prof. Dr. Anita Waingort Novinsky, USP.

https://www.facebook.com/miriambettinapaulina.oelsner

oelsner@usp.br ; oelsner@uol.com.br


Stipendien und Auszeichnungen

2010 Preis der União Latina de Linguagem Especializada an erster Stelle für die Übersetzung des Werkes LTI - A linguagem do Terceiro Reich.


Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Ich habe angefangen zu übersetzen, als ich bei der Untergrundbahngesellschaft in São Paulo (Cia. do Metrô de São Paulo) tätig war. Ich war dort nicht als Übersetzerin angestellt, aber da ich Deutsch konnte, hat man mich damit beauftragt und ich habe es gern getan. Es handelte sich um Texte über den ÖPNV in Deutschland und den Verband Deutscher Fahrmittelgesellschaften. Das war im Jahr 1976. Dann kamen viele Prospekte aus Hamburg. Später, im Jahr 1978, als ich bei der städtischen Autobusgesellschaft CMTC arbeitete, bekam ich Prospekte über die Schweizer und österreichischen elektrischen Busse zu übersetzen. Diese Arbeit erwies sich als sehr interessant und zufriedenstellend für mich.

Nach welchen Kriterien suchen Sie das Werk aus, das Sie übersetzen?
Ich kann bisher nicht behaupten, dass ich die zu übersetzenden Werke aussuche. Bisher wurde ich aufgefordert, gewisse Texte zu übersetzen, hauptsächlich solche, die den Holokaust zum Thema haben, da ich schon seit Jahren Studien darüber führe. Ausserdem werde ich auch von Zeit zu Zeit von Holokaust-Überlebenden oder deren Nachkommen aufgesucht, um Memoiren oder Aufzeichnungen (auch von schon Verstorbenen) ins Portugiesische zu übersetzen.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zum Autor? Begründen Sie!
Bisher war mir diese Erfahrung nicht gegeben. Da ich aber kürzlich Dieter Schlesaks Capesius, der Auschwitzapotheker übertsetzt habe, werde ich versuchen, mich mit ihm in Verbindung zu setzen. Meiner Meinung nach kann dieser Kontakt sehr hilfreich für die Übersetzung sein und auf jeden Fall eine sehr wertvolle persönliche Erfahrung.

In welchem der von Ihnen übersetzten Texte haben Sie am deutlichsten eine kulturelle Distanz verspürt?
In LTI habe ich eine deutliche kulturelle Distanz verspürt, da das in dem Buch behandelte Thema dem brasilianischen Publikum vollkommen unbekannt ist. Deswegen habe ich dazu eine Einführung geschrieben, um dem Leser eine bessere Vorstellung der historischen Umstände, unter denen das Buch entstand, zu geben.

Welche sprachlichen Schwierigkeiten haben Sie beim Übersetzen schon einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht?
Beim Übersetzen des Buches LTI Notizbuch eines Philologen war ich mehrmals am Rande der Verzweiflung, da es sich gerade um den Missbrauch von Redewendungen und der „Erfindung“ neuer Vokabel und Begriffe handelt, die fast unübersetzbar sind, so typisch deutsch sind sie. Bei Capesius gab es auch Schwierigkeiten. Da musste ich eben viel nachforschen, mich mit anderen des Deutschen kundigen Personen beraten, unter anderen auch mit Herrn Keller, der damals unser Übersetzungslehrer im Goethe-Institut war.

Deutsche/r Lieblingsautor/in oder Lieblingsbuch:
Da gibt es viele Namen: Sebastian Haffner, Victor Klemperer, Barbara Gehrts, Saul Friedländer, Thomas Mann, Sigmund Freud, Norbert Elias, Max Weber, Axel Honneth, Rainer Forster.

Welches Werk würden Sie gerne übersetzen und warum?
Ein paar Bücher, die ich gerne übersetzen würde, sind: Barbara Gehrts - Nie wieder ein Wort davon?, Alexander und Margarete Mitscherlich - Die Unfähigkeit zu Trauern, Sebastian Haffner - Erinnerungen eines Deutschen, und Victor Klemperer - Und so ist alles schwankend. Sogleich wie Texte von Rainer Forster. Es handelt sich um Bücher, die mir sehr gut gefallen haben. Deshalb tut es mir leid, dass sie dem brasilianischen Leserkreis vorbehalten bleiben sollen. Ich würde mich freuen, wenn ein Verlag mich mit der Übersetzung dieser Bücher beauftragen würde.

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Vom Deutschen ins brasilianische Portugiesisch übersetzte Werke:

Schlesak, Dieter
Capesius : o farmacêutico de
Auschwitz
/ Dieter Schlesak.
Rio de Janeiro: Bertrand Brasil
(im Druck).
Originalsacht.: Capesius : der Auschwitzapotheker


Klemperer, Victor
LTI : a linguagem do Terceiro Reich / Victor Klemperer. Rio de
Janeiro: Contraponto, 2009 - 428 S.
ISBN 978-85-7866-016-1
Originalsacht.: LTI : Notizbuch eines Philologen


Gradl, Felix
Israel e seu Deus : guia para o antigo testamento / Felix Gradl und Franz Josef Stendenbach.
Übersetzung in Zusammenarb. mit Milton Camargo Mota. São Paulo:
Loyola, 2001 - 213 S.
ISBN 978-85-15-02163-3
Originalsacht.: Israel und sein Gott : Einleitung in das Alte Testament

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