Kaviar Gauche – ein Modelabel zwischen Luxus und Rebellion

Nicht nur der Name des Berliner Modelabels „Kaviar Gauche“ lässt einen sofort an Frankreich denken, auch seinen Gründungsmythos verdankt das Modelabel Deutschlands Nachbarn: 2004 startete „Kaviar Gauche“ parallel zur Pariser Fashion Week eine „Guerilla-Modenschau“ und wurde damit über Nacht berühmt. Neun Jahre nach dieser Aktion durften die beiden Designerinnen nun im März 2013 ganz offiziell ihre neue Kollektion auf der Pariser Fashion Week zeigen.
Gauche Kaviar, so nannte man den französischen Jet-Set, der mit den Ideen der 68er-Bewegung kokettierte. Ins Deutsche lässt sich der Begriff nur schwer übersetzen, „Champagnersozialisten“ könnte man vielleicht sagen. Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler, die hinter dem Berliner Modelabel Kaviar Gauche stehen, finden an dem Begriff vor allem den Widerspruch spannend, der bereits in dem Namen steckt. „Der Name Kaviar Gauche gibt unsere stilistische Gesinnung wieder: Luxus mit einem Hauch von Rebellion und Laissez-faire“, erklärt Johanna Kühl, eine der beiden Designerinnen des Modeduos.
Kaviar Gauche – eine deutsch-französische Erfolgsgeschichte
Aber nicht nur der Name, auch die Ausbildung der beiden Modedesignerinnen ist französisch geprägt. Johanna Kühl und ihre Designpartnerin Alexandra Fischer-Roehler lernten sich an der renommierten Berliner Kunsthochschule für Mode ESMOD kennen – internationaler Ableger der École supérieure des arts et techniques de la mode (ESMOD). Deren Ursprünge liegen in Paris. Schneidermeister und Hoflieferant Alexis Lavigne erfand dort Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur die Schneiderpuppe und das flexible Metermaß, sondern auch den Vorläufer der ESMOD-Modeschule. Heutzutage finden sich deren Ableger weltweit von Berlin über Oslo bis nach Istanbul und sogar Tokio.Schon bald nach ihrem Studium – Kühl hatte bereits erste Erfahrungen bei Martine Sitbon in Paris gesammelt – gründeten die beiden ihr eigenes Label. Kaviar Gauche wurde relativ schnell weltweit bekannt und wird inzwischen von internationalen Stars wie Topmodel Nadja Auermann oder Florence Welch, Frontfrau von Florence + the Machine getragen. Zu ihrem Erfolg trug auch die Guerillia-Modenshow bei, die die beiden 2004 parallel zur Pariser Fashion Week organisierten. „Heute würden wir uns das wahrscheinlich gar nicht mehr trauen“, sagt Kühl. Sie selbst arbeitete damals noch als Model und überredete einige der Mädchen auf der Fashion Week für ihre eigene Guerilla-Show zu laufen. Unangemeldet präsentierten sie ihre erste Kollektion im damals schon äußerst hippen Pariser Concept-Store Colette und kreierten damit gleichzeitig ihren Gründungsmythos.
Etablierung des Labels in Deutschland
Kooperationen mit deutschen Unternehmen wie Karstadt oder dem Online-Modeportal Zalando trugen zur Etablierung auf dem deutschen Markt bei. Nach ihrem Flagship Store in Berlin eröffnete das Modedesigner-Duo dieses Jahr einen Shop in München. Zusammen mit der Naturkosmetikmarke Dr. Hauschka engagierten sie sich bereits 2007 für den guten Zweck und designten eine Tasche, bei deren Herstellung vor allem ökologische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle spielten. „Am liebsten würden wir unsere gesamten Kollektionen unter diesem Aspekt produzieren“, schwärmt Designerin Kühl. Doch oft seien die Materialien noch nicht weit genug entwickelt, um sie in der gewünschten Qualität einsetzen zu können. Gerade bei Leder – eines der Lieblingsmaterialien des Designer-Duos sei noch mit zu viel Verschnitt zu rechnen. Würde ein geeigneter Partner für die Zusammenarbeit gefunden, könnten sich die beiden aber durchaus die Produktion von nachhaltiger Mode vorstellen. Im Moment steht allerdings noch die höchste Qualität im Vordergrund: „Unsere Bridal Couture wird beispielsweise komplett von einem Berliner Schneideratelier umgesetzt“. Auch die Leder-Lasercuts, die ihre Herbst-Winterkollektion bestimmen, wurden in Berlin gefertigt. „Leder ist ein sehr verführerisches Material“ gerät Kühl ins Schwärmen. Die beiden arbeiten gerne in Kontrasten und kombinieren dann z. B. Seide und Leder. Florale Muster dominieren die kühlen Ledercuts der neuen Kollektion und auch bei den Farbtönen stehen sich beispielsweise hartes Schwarz und cremiges „Cotton Candy“ gegenüber.
Trotz aller Erfolge in Deutschland wissen die beiden auch, wie wichtig der internationale Markt für sie ist. Auch wenn mit der Mercedes-Benz Fashion Week und der Modefachmesse Bread & Butter internationales Modeflair in der deutschen Hauptstadt Einzug erhalten hat, Paris bleibt neben London und Mailand europäische Modehauptstadt. „Paris lebt die Mode“, fasst Kühl zusammen. Fast zehn Jahre nach ihrer Guerilla-Aktion zeigten die Designerinnen nun im Frühjahr 2013 ganz offiziell ihre Kollektion in ihrer ersten eigenen Show auf der Pariser Modewoche. Das Gefühl: „Fantastisch“.
Karin Kutter
ist freie Autorin für deutsche und deutsch-französische Medien in Berlin.
Copyright: Goethe-Institut Paris
September 2013
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stephanie.hesse@paris.goethe.org
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September 2013
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