Archiv: Cine Allemand 2 2005/2006

Die Spielwütigen  

"Die Spielwütigen" sind vier junge Schauspielschüler auf dem Weg zum Traumberuf. Über einen Zeitraum von sieben Jahren begleiten wir sie vom Vorsprechen an der Hochschule bis zu ihren ersten Engagements.

Stephanie, Karina, Constanze und Prodromos, unsere vier Bewerber, bereiten sich auf die Aufnahmeprüfung vor. Wir lernen sie in ihren Familien kennen, die unterschiedlichsten Hintergründe, Motive und Zweifel.

Erst nach monatelangem Auswahlprozedere und endlos zermürbendem Bangen fällt die Entscheidung, wer es geschafft hat. Auf den euphorischen Studienbeginn folgt bald harsche und provozierende Kritik: gnadenlos wird von den Dozenten jede Unzulänglichkeit und Unfähigkeit gespiegelt, die Unbedingtheit des Berufswunsches auf harte Proben gestellt. Wir begleiten die Protagonisten bei ihrem Kampf, sich nicht zwischen hohen Erwartungen und dem eigenen Können aufzureiben und zu verlieren.

Am Ende steht die eigentliche Bewährungsprobe: der Sprung ins Berufsleben. Plötzlich stellen sich alle Fragen neu: Was ist Erfolg? Und was ist der Preis dafür? Was ist nach sieben Jahren aus den frühen Träumen und Wünschen geworden?

Auf der Berlinale 2004 wurde "Die Spielwütigen" mit dem Panorama-Publikumspreis ausgezeichnet. Seit seinen Filmen "Die Überlebenden" und "Black Box BRD" gilt Andres Veiel als ein sensibler Beobachter. Auch "Die Spielwütigen" lebt wieder von der Intensität der Porträts, die über einen Zeitraum von sieben Jahren (1996 – 2004) entstanden, in denen der Regisseur Prodromos, Stephanie, Constanze und Karina immer wieder traf. Aber die Authentizität der Charakterisierungen ist dennoch auch kalkuliert gestaltet, die Szenen gewählt.

Quellen:
Mmeansmovie - Filmmagazin Berlin
kino.de - Filmtipp

Während der aufwändigen Recherche (August 1996 bis Februar 1997) forschte Veiel nicht nur nach schauspielerischem Talent, sondern auch nach "Spielwut", nach dem persönlichen Hintergrund, nach Erfahrungen, Motiven und selbstverständlich der Bereitschaft, sich vor der Kamera zu öffnen und zu "zeigen". In dieser Phase kristallisierte sich heraus, dass über die Wege der angehenden Schaupieler hinaus ihr "Erwachsenwerden" den Film in seinem thematischen Kern tragen würde. Über mehrere Monate besuchte Andres Veiel zunächst die "Eignungstests" der HfS (Anforderung: zwei Rollenausschnitte, ein Lied, ein Gedicht). Von 1.400 Bewerbern qualifizierten sich dabei 200 für die eigentliche Aufnahmeprüfung. Aus dieser Runde kamen dann etwa 40 in die engere Wahl für das Filmprojekt.


Um ihr jeweiliges Heimatumfeld kennenzulernen, führte das weitere Casting (hauptsächlich auf VHS) quer durch Deutschland, in die Schweiz, nach Österreich und Frankreich. Auf dieser Grundlage konzentrierte sich die zweite große Recherchereise – zu nun 20 ausgewählten Bewerbern – auf eine sehr persönliche Annäherung. Gedreht wurde ab hier auf DigiBeta. Neun der 20 Kandidaten bestanden die Aufnahmeprüfung im Februar 1997. Nach insgesamt 87 Drehtagen lagen etwa 250 Stunden Material vor. Das Produktionsbudget von 1,5 Mio DM (766.938 EUR) mußte über lange Strecken zwischenfinanziert werden. Die Bewilligung beziehungsweise Freigabe von Fördermitteln erwies sich dabei als "verwaltungstechnisch" nicht unkompliziert.

Links zum Thema

Goethe-Institut Frankreich

Erfahren Sie mehr über die Aktivitäten des Goethe-Instituts in Frankreich ...

Film in Deutschland

Artikel und Links zu ausgewählten Themen