Bibliothekswesen

Ein Instrument kontinuierlicher Qualitätsentwicklung: Der Bibliotheksindex BIX

Mit Hilfe des jährlich errechneten Bibliotheksindexes können öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland ihre Leistungen messen und vergleichen.

Rankings sind nicht gerade etwas typisch Deutsches. Während Ranglisten in den USA seit langem auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu besserer Leistung anspornen sollen, werden sie in Deutschland oft mit großen Vorbehalten gemustert. Dennoch gewinnt die Idee, dass Leistungsvergleiche – in der Wirtschaft spricht man von Benchmarking – zur Qualitätssicherung beitragen, auch hierzulande an Boden. Ein gutes Beispiel ist dafür der Bibliotheksindex, kurz: BIX. Er misst und beschreibt nun im siebten Jahr die Leistung von Bibliotheken in ganz Deutschland.

Die Anfänge des deutschen Bibliotheksrankings

Das Projekt „BIX“ startete im Oktober 1999 als Kooperationsprojekt des Deutschen Bibliotheksverbands und der Bertelsmann Stiftung – allerdings nicht im luftleeren Raum. Die Initiatoren nutzten ihre Erfahrungen aus einem Projekt mit dem Namen „Betriebsvergleich an öffentlichen Bibliotheken“, an dem sich Anfang der 1990er-Jahre 18 Bibliotheken beteiligt hatten.

War es im „Betriebsvergleich“ darum gegangen, das Instrument des Benchmarkings auf den Bereich der Bibliotheken zu übertragen und es für das interne Management der Bibliotheken fruchtbar zu machen, so lag der Schwerpunkt des BIX-Projektes von Anfang an auf der Kommunikation nach außen. Und so entstand in Zusammenarbeit mit infas (Institut für angewandte Sozialwissenschaft) ein Instrument, mit dem sich die Leistungen der deutschen Bibliotheken nachvollziehbar und öffentlichkeitswirksam vermitteln lassen.

Seit Juli 2005 ist der Deutsche Bibliotheksverband - in Zusammenarbeit mit dem Hochschulbibliothekszentrum Köln (hbz) - im Rahmen des Kompetenznetzwerks für Bibliotheken für den Bibliotheksindex verantwortlich.

Steigende Teilnehmerzahlen

Mittlerweile wird das Instrument von immer mehr Bibliotheken genutzt. Seitdem der BIX im Jahr 2000 zum ersten Mal ermittelt worden ist, hat sich die Zahl der teilnehmenden Bibliotheken verdoppelt. Insgesamt haben sich bislang über 280 öffentliche Bibliotheken dem Vergleich gestellt. Seit 2004 können sich auch wissenschaftliche Bibliotheken durch den BIX messen lassen; über 60 Universitäts- und Fachhochschulbibliotheken haben das seither getan.

Die Teilnahme kostet die Bibliotheken pro Jahr 170 Euro. Jeweils im Frühjahr melden sie die relevanten Daten des Vorjahres. Das geht für öffentliche Bibliotheken mittlerweile online und über den Fragenkatalog der Deutschen Bibliotheksstatistik. Die Verarbeitung der Daten und die Indexberechnung nimmt dann das Hochschulbibliothekszentrum NRW vor.

Diverse Leistungskategorien

Dabei werden die Leistungen der öffentlichen und der wissenschaftlichen Bibliotheken getrennt und unter unterschiedlichen Aspekten analysiert.

Bei den öffentlichen Bibliotheken werden die Stärken und Schwächen in den Bereichen Auftragserfüllung, Kundenorientierung, Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterorientierung gemessen. In die Wertung fließen pro Kategorie drei bis sechs Messgrößen ein. Für die Kategorie Kundenorientierung sind das etwa die Zahlen der Besuche und Entleihungen je Einwohner der Stadt oder die Wochenöffnungsstunden.

Bei den wissenschaftlichen Bibliotheken wird untersucht, welche Infrastruktur die Bibliothek zur Nutzung anbietet, wie die angebotenen Dienstleistungen genutzt werden, ob die Dienstleistungen kosteneffizient erbracht werden und ob ausreichende Potenziale für die notwendigen Entwicklungen vorhanden sind.

Veröffentlichung der Ergebnisse

Die BIX-Ergebnisse werden im Sommer eines jeden Jahres publik gemacht. Für die öffentlichen Bibliotheken gibt es dabei fünf Ranglisten, die nach der Größe der Städte, in denen die Bibliotheken liegen, gestaffelt sind. Bei den wissenschaftlichen Bibliotheken gibt es je eine Rangliste für die Fachhochschul-, für die einschichtigen und für die zweischichtigen Universitätsbibliotheken.

Die Ergebnisse werden im BIX-Magazin veröffentlicht. Hier finden sich auch als „Best-Practice-Beispiele“ Porträts der Siegerbibliotheken. Über die Website www.bix-bibliotheksindex.de sind die Ergebnisse aller BIX-Jahrgänge im Detail abrufbar.

Der BIX als Marketing- und Argumentationshilfe

Kritik am BIX gab und gibt es weiterhin. So wird moniert, dass die Rahmenbedingungen, unter denen die Bibliotheken arbeiten, zu unterschiedlich für einen wirklichen Vergleich seien. Beanstandet wird auch, dass die bloßen Zahlen – wie etwa die der Entleihungen pro Einwohner – wenig Aussagekraft hinsichtlich der Qualität der Bibliothek haben. So kann man argumentieren, dass ein gut beratener Nutzer zwar wahrscheinlich weniger, aber eben genau die Bücher ausleiht, die seinen Bedürfnissen entsprechen.

Eine Online-Befragung, an der sich 750 Bibliotheken beteiligt haben, hat jedoch ergeben, dass Bibliotheken den BIX sehr wohl für ihre Arbeit nutzen – sogar wenn sie sich selbst nicht beteiligen. Die Bibliotheken, die einen der oberen Plätze errungen haben, betreiben damit Marketing. Zahlreiche Bibliotheken, die nicht so gut abschneiden, nutzen den Vergleich bewusst, um in der Öffentlichkeit auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Schließlich hängt ein unterer Platz im Ranking oft mit einer unzureichenden Ressourcenausstattung zusammen.

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn

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Juni 2006

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