Deutscher Beitrag zur Unabhängigkeit Georgiens

Historischer Kontext

Nach dem Sturz des Zaren und mit ihm seiner Statthalter im Kaukasus vermochten die georgischen Sozialdemokraten das entstandene Machvakuum relativ schnell zu füllen. Gemeinsam mit Armenien und Aserbaidschan bildeten sie das “Besondere Transkaukasische Komitee“ das in den Zeiten des Umbruchs für Ordnung sorgen sollte. Besonders im Hinblick auf die völlig unterschiedlichen Vorstellungen und Zielsetzungen der drei „Länder“ erwiesen sich die Mitglieder des Komitees als unfähig ihre Bevölkerungen gegen die heranrückende türkische Armee zu schützen. Die georgischen Sozialdemokraten waren von den Ereignissen in Petrograd überrascht wurden und die überstürzte Herstellung der Unabhängigkeit Georgiens lag nicht in ihrem Interesse. Vielmehr sollte in Kooperation mit den russischen Sozialdemokraten ein gemeinsamer Weg hin zu mehr Autonomie gefunden werden. Indes wurden sie bald mit einer Vielzahl innen- und außenpolitischer Probleme konfrontiert, wobei sich der „Pantürkische“ Expansionismus als größte Bedrohung für die territoriale Integrität herausstellte. (Die Türken hatten im Verlauf des 1. Weltkriegs ihre riesigen arabischen Provinzen an die Engländer verloren und versuchten nun diese Verluste durch Gebietsgewinne im Kaukasus zu kompensieren.)

 

Unabhängigkeitserklärung im georgischen Parlament

Erst nachdem die Türken im April 1918 Batumi erobert hatten und Tbilissi das gleiche Schicksal drohte, erkannten die georgischen Sozialdemokraten die Notwendigkeit der Souveränität. Heimliche Abstimmungen zwischen georgischen und deutschen Diplomaten sollten die Unabhängigkeit Georgiens einleiten, die am 26.05.1918 ausgerufen wurde. Ein paar Stunden zuvor wurde die Auflösung der Transkaukasischen Föderation bekannt gegeben, gerade rechtzeitig, um sich dem Ultimatum der Unterzeichnung des türkischen „Friedensabkommens“ zu entziehen. Parallel dazu hatte das “Komitee für die nationale Unabhängigkeit Georgiens” in Berlin Verhandlungen mit dem Vierer-Bund (Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und Osmanisches Reich) darüber geführt, das dieser im Fall eines Sieges die Unabhängigkeit Georgiens anerkennen würde. So war es dann das Kaiserliche Deutschland das nur zwei Tage nach der Unabhängigkeitserklärung als erstes Land die Demokratische Republik Georgien offiziell anerkannte. Um die Souveränität des kleinen Landes auch praktisch zu gewährleisten, erkannte man in Berlin die Notwendigkeit direkt militärisch im Kaukasus einzugreifen.