Leben in Georgien

Ausbildung

Die deutschen Schulen in Transkaukasien entstanden meist durch die Initiative der Pastoren und entsprachen mit ihrer achtjährigen Pflichtschulzeit ganz der „Volksschule“ im schwäbischen Mutterland. Dementsprechend wurden die Kinder während den acht Jahren meist auch von einem einzigen Lehrer in Lesen, Schreiben, Rechnen, Geschichte und anderen Fächern unterrichtet. Da die Kolonisten die Lehrkräfte selbst bezahlen mussten, konnte man sich wirklich qualifiziertes Personal kaum leisten. Außerdem waren die Eltern vor allem zu Beginn der Kolonialzeit auf die Mithilfe ihrer Kinder im täglichen Arbeitsleben angewiesen und konnten erst mit zunehmendem Wohlstand auf deren schulische Ausbildung achten.

Isolde Dandurowa ging in Tbilissi ein Jahr lang in den deutschen Kindergarten und konnte dann 1925, da sie bereits sowohl Deutsch als auch Russisch lesen und schreiben konnte, gleich mit der (deutschen) Schule anfangen. 1937, zwei Jahre nachdem sie die Schule beendet hatte, wurde ein Teil ihrer Lehrer verhaftet, verbannt oder erschossen.

Ida Schall ist acht Jahre lang in eine russische Schule in Tbilisi gegangen und hat anschließend Krankenpflegerin gelernt. Sie wurde bald darauf nach Katharinenfeld geschickt, wo man nach deutschem Brauch gesungen und gebetet hat. Kirchen gab es zu dieser Zeit allerdings bereits nicht mehr.

Waldemar Gutbrodt besuchte zwei Jahre lang die deutsche Schule, bis 1938 der Befehl kam, dass alle deutschen Schulen in russische umgewandelt werden sollten. Diese Sowjetisierung der Schulen brachte nicht nur sprachliche Schwierigkeiten mit sich. So konnte sich Irma Weiss, obwohl sie in der russischen Schule, welche sie besuchte, eine Medaille bekommen hatte, nur mit dem Namen ihrer Grossmutter an der Fakultät für Physik immatrikulieren. Mit dem Namen Weiss wäre das nicht möglich gewesen.