Weinbau

Temur Ortoidze und Fritz Schumann: Deutsche Siedler als Weinbauern!

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Europa weitgehend von der Not der Bevölkerung auf dem Land geprägt. Neue Grenzen mit Handelshemmnissen, die Erbteilung als Folge des französischen Rechts unter Napoleon und ab der Mitte des Jahrhunderts die Einschleppung neuer Krankheiten aus Amerika - der Reben und der Kartoffeln - führten zur Verarmung der Landbevölkerung und zu Hungersnöten. Die Auswanderung nach dem Südosten Europas bis Südasien oder Amerika wurden als Lösung angesehen. So wandten sich Repräsentanten Württembergs an den russischen Zar Alexander I., der sich auf Durchreise in Stuttgart aufhielt und baten, ihnen zu erlauben in Transkaukasien zu siedeln. Auf diese Weise entstanden in Georgien deutsche Kolonien. Die erste Gruppe - 31 Familien (181 Personen) erreichte am 21. Dezember 1817 die Landeshauptstadt Tiflis (Tbilisi) an. Insgesamt kamen in den ersten Jahren zwischen 1818 - 1819 2629 deutsche Siedler nach Georgien. Sie gründeten acht Kolonien vornehmlich um Tiflis.

 1. Marienfeld - hier siedelten 31 Familien, die oben erwähnten Erstsiedler. Sie befindet sich 35 Werst (1 Werst = 1,07 km) von Tiflis entfernt, in Aussenkachetien. Heute heißt dieser Ort Sartitschala.

2. Ansiedlung in Tiflis mit 51 Familien – früher ein Vorort heute im Zentrum der Stadt. In diesem Stadtteil befindet sich die Deutsche Lutheranisch-Evangelische Kirche.

3. Alexandersdorf mit 23 Familien. Der Ort lag 6 Werst von Tiflis entfernt, jetzt ist er ebenfalls ein Teil der Stadt. Es erhielt den Namen zu Ehren des russischen Zars Alexander I.

4. Petersdorf mit 17 Familien unweit von Marienfeld. Den Namen erhielt es zu Ehren des russischen Zars Peter I. 5. Elisbethtal mit 65 Familien. Es befindet sich 45 Werst von Tiflis entfernt. Der Namen wurde nach dem Tag der Ortwahl, den 19. November (nach neuer Zeitrechnung) 1818 gewählt. Heute heißt dieser Ort Assurethi.

6. Katharinenfeld mit 116 Familien, 60 Werst von Tiflis entfernt. Es erhielt den Namen zu Ehren der Königin von Württemberg. Heute ist es Teil der Stadt Bolnissi.

7. Helenendorf mit 130 Familien, 155 Werst entfernt von Tiflis. Es erhielt den Namen zu Ehren der Herzogin Helene von Mecklenburg-Schwerin. Es befindet sich unweit der Stadt Gadsha. Heute liegt es in Aserbaidshan.

8. Annenfeld mit 91 Familien, 25 Werst entfernt von Helenendorf. Es wurde zu Ehren der Niederländischen Königin Anna genannt. Es liegt heute ebenfalls in Aserbaidshan.

9. Später, 1842, wurde die neue Siedlung Freudenthal mit 10 Familien gegründet. Es lag im Bergtal des Flusses Iori, unweit von Marienfeld.

10. Im Jahre 1857 wanderten zusätzlich 38 Familien nach Elisabethtal und erhielten weiteres Gelände zugewiesen, das sich unweit von Zalka befand, wo die Siedlung Alexandershilfe entstand. Es erhielt den Namen zu Ehren dem Vizekönig Alexander Barjatinsky.

Die Ansiedlung von weiteren Einzelgruppen von Deutschen in Kaukasien hielt bis in die 80. Jahre des 19. Jahrhunderts an. Das Zentrum war Katharinenfeld. Eben dort befand sich die zentrale Verwaltung der Siedler. Den deutschen Ansiedlern wurden nach der Ankunft die Grundstücke kostenlos verteilt, die für ihre Existenz notwendig waren. So erhielten die Siedler 1822 gratis: in Marienfeld 35,00 Dessjatine (ehem. russisches Flächenmass = 1,09 ha); in Alexanderdorf - 36,52, in Katharinenfeld 27,90, in Annenfeld 29,00, in Helenendorf 35,00 Dessjatine. Die deutschen Siedler begannen selbstverständlich weitere Grundstücke anzukaufen. Schon 1880 erreichte die Fläche von Katharinenfeld 2794 Dessjatine. Einer der erfolgreichster Siedler war Ch. Forer in Helenendorf . Er besaß in den 80er Jahren des 19. Jhs. als Eigentum 600 Dessjatine.

Fragen oder Hinweise an die Autoren unter Fritz.Schumann@gmx.de und tortoidze@hotmail.com ! Kontaktadresse: Prof. Dr. T.Ortoidze Inst. f. Weinbau und Kellerwirtschaft, Gelovani aven. # 6, 0151 Tbilisi, Georgien, Tel. +995 32 233209 Fax. +995 32 221965

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