
Das Schicksal der Lutherischen Gemeinde während und kurz nach der Sowjetzeit
Diesem blühenden Gemeindeleben wurde aber mit der Machtübernahme der Kommunisten ein Ende gemacht. Die Kolonien verloren ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit sowie ihre kirchliche Souveränität, und bereits im Jahre 1931 wurden Gottesdienste und Versammlungen der Lutherische Kirche in Tbilissi verboten. Der Oberpastor der Gemeinde, Richard Mayer, wurde, wie viele andere der lutherischen Geistlichen, ermordet. Andere Deutschstämmige flohen ins Ausland, kehrten solange sie noch konnten nach Deutschland zurück, etliche aber wurden aufgrund der stalinistischen Verfolgung nach Kasachstan oder Sibirien in die Verbannung geschickt. Die Kirchen der schwäbischen Ur-Kolonien wurden schließlich zu Sport- und Freizeitzentren umfunktioniert oder gar zerstört, so wie auch die Peter- und Paul-Kirche in Tbilissi, welche 1946 auf Befehl der Sowjets von den deutschen Kriegsgefangenen selbst abgerissen werden musste.
Erst wieder im Jahre 1991, in der Ära der Perestroika unter Gorbatschow, fing die Erneuerung des lutherischen Gemeindelebens in Georgien durch wenige Überlebende der deutschstämmigen Bevölkerung an. Diese sammelten sich in der Assoziation „Einung“, welche auch 1991 gegründet wurde und sich die geistige Vereinigung der Deutschen, Erneuerung des Deutschtums, Erlernen der deutschen Sprache sowie die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen zur Aufgabe gemacht hatte. Anfangs engagierten sich in Tbilissi noch die Adventistenprediger Johann und Alexander Dreiling, später ab 1993 Harry Asikow, ein Deutschstämmiger aus Baku, der vorerst Elektriker war, dann aber eine theologische Ausbildung in Norosaratowka bei St. Petersburg machte und zum Pfarrer ordiniert wurde. Er kannte viele Lutheraner und wusste, wer überlebt hatte. Zeitweise stand ihm auch Pastor Martin Roser zur Seite, ein pensionierter Pfarrer aus Würtemberg, der die Gemeinde für ein Jahr betreute. Die Mitglieder trafen sich zum Beispiel im Saal einer Ölgesellschaft, in Schulen oder sonstigen Einrichtungen, welche gerade zur Verfügung gestellt wurden, und zelebrierten mit den einfachsten Mitteln den Gottesdienst, sodaß ein gewöhnlicher Tisch als Altar diente oder eine Suppenschüssel als Taufbecken.






