Im Kaukasus


Reise in den Kaukasus, Teilnahme an Expeditionen, akademische und militärische Ehrungen

Im Jahre 1858 traf Horschelt, versehen mit Empfehlungsschreiben des berühmten russischen Malers Kotzebue und des russischen Konsuls in München, von Severin, über Odessa und Sewastopol in Tiflis ein. Kaum angekommen bat er um die Möglichkeit der Teilnahme an einer militärischen Expedition nach Daghestan, welche unter der Führung des Baron Wrewskij stattfinden sollte.
Nach Horschelts eigenen Aussagen war dies „die wohl erfolgreichste Expedition gegen die Bergbewohner seit langem, wenn auch mit sehr hohen Verlusten1. Er selbst nahm ebenfalls an den Gefechten teil, wenn auch immer mit der Waffe in der einen und dem Zeichenblock in der anderen Hand. In einem Brief an seinen Freund Friedrich Pecht schriebt er:
Von vierzig oder fünfundvierzig Aulen, die genommen wurden, war ich bei etlichen zwanzigen selbst zugegen; besonders die letzte Affaire war höchst blutig und höchst malerisch. Denken sie sich ein großes, an einen ungeheuren Berg angelehntes Dorf, über die Hälfte schon brennend und die Feinde, die sich Haus für Haus zurückziehen. Es war ein wunderbares Bild, hat aber Menschen gekostet, darunter unsere besten Offiziere und den Baron Wrewskij".2
Für seine tapfere Teilnahme in den Kämpfen um das Aul Kituri wurde Horschelt vom russischen Zaren der „Orden des heiligen Stanislaus dritter Klasse mit den Schwertern“ verliehen, eine ruhmvolle, wohlverdiente Auszeichnung, welche Horschelt jedoch erst nach der Einnahme der Festung Weddin erreichte. Ein Großteil der russischen Streitverbände belagerte zu dieser Zeit Weddin, die Bergfestung des Imam Schamils.
Zu Beginn des Jahres 1859 hatte sich Horschelt auf den Weg nach Weddin gemacht um die Ereignisse in Zeichnungen und Skizzen festzuhalten. Am 1. April 1859 stürmten die russischen Truppen Weddin. Der Imam entkam jedoch und verschanzte sich auf dem Berg Gunib. Nach hartem Kampf kapitulierte Schamil am 25. August 1859. Horschelt eilte sofort nach Tiflis zurück um seine Werke General Barjatinskij vorzulegen, welcher deren Erhalt schon ungeduldig erwartet hatte. Für seine Teilnahme an den Kämpfen um Weddin und Gunib erhielt Horschelt den Annenorden dritten Grades.
Darüber hinaus ehrte ihn die St. Petersburger Akademie der Künste durch die Aufnahme Horschelts in die Reihe der wichtigen Mitglieder. 

Studien in Lesgien, im Gefolge des Zaren, im Gefolge des Zaren, Reise nach Erewan

Im Januar 1860 nahm Horschelt an der Winterexpedition des Generals Jevdokimov gegen die Tschetschenen teil und kehrte erst im November des gleichen Jahres nach Tiflis zurück. Für den Fürsten Barjatinskij malte er einige Pferdeportraits sowie weitere Bilder und arbeitete an den schriftlichen Aufzeichnungen zu seinen Reisen.
Im Sommer desselben Jahres besuchte Horschelt nochmals das gesamte Gebiet der lesgischen Linie um die Dörfer Gunib und Weddin, um detailliertere Studien anzustellen. Im August überraschte den Maler die Nachricht, dass er den Zar Alexander II. auf einer ausgiebigen Reise durch das gesamte Kuban-Gebiet begleiten solle. Für zwei Wochen schloss sich Horschelt dem Gefolge des Zaren an und erhielt von diesem den Auftrag für ein Gemälde. Nach einer Reise von Baku nach Erewan auf Einladung des Prinzen Albrecht von Preußen im September 1862, reiste Horschelt im Januar 1863 nach St. Petersburg, um sein Bild Alexander vorzustellen. Dieser fand Gefallen an dem Werk und ließ Horschelt höchste Ehren zuteil werden.


1„Im Kaukasus“ von Theodor Horschelt, aus der Serie „Der Schatzgräber“ Nr. 65, Verlag Georg D. W. Callwey, München, 1914. Seite 112.

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Brief aus Tiflis, vom 28. Oktober 1858. Das Original befindet sich heute in der Münchener Monacensia Literaturarchiv