Alexanderpark

Ankunft in Tbilissi, der Alexanderpark

Am Abend des 24. Oktober 1859 traf Scharrer Stadtpalast schließlich über Gori und Mzcheta in Tbilissi ein. Seine Reise von Berlin bis hierher hatte 54 Tage gedauert.
Im Erdgeschoss des stattlichen Palastes des Vizekönigs Fürst Bariatinsky (Kaukasischer Statthalter des Zaren Alexander II.) an der Golovinsky-Allee (jetzt Rustaveli-Allee) bezog er seine erste Wohnung.
Gleich neben dem Palast, zwischen der Golovinsky-Allee und dem Mtkvari befand sich auf dem alten Gelände des Quabakhi der Alexanderplatz, auf dem das Militär exerzierte und paradierte. Weiter zum Fluss hin erstreckte sich ein Chaos von Ziegeleigruben, Kirchhöfen, Abstürzen und Schluchten.
Zu Heinrich Scharrers ersten Aufgaben gehörte die Planung eines öffentlichen Parks auf diesem Gelände. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Architekten Otto J. Simonson (1832-1914), der vermutlich die Pläne für die Bauten schuf, während Scharrer das landschaftsgärtnerische Gesamt-Konzept Fürst Bariatinsky aufstellte.
Die Planung und Ausführung des Parks bedeutete für Scharrer vier Jahre äußerst konzentrierte und anstrengende Arbeit.
Seine Bäume und Sträucher suchte er in der Baumschule des Deutschen Gustav Vieweg in Kodjori bei Tbilissi selbst aus.
Bei seinen Besuchen in Kodjori lernte Scharrer die bei ihrem Onkel weilende Auguste Miser kennen und verlobte sich wenig später mit ihr.

Die beiden planten ein baldige Hochzeit, welche in Augustes Heimatort Spremberg stattfinden sollte. Der inzwischen zum Statthalter ernannte Großfürst Michael Nikolajewitsch lehnte jedoch jedes Gesuch Scharrers nach einem Heimaturlaub ab, da die am Alexanderpark notwendigen Arbeiten eine mehrmonatige Abwesenheit nicht erlaubten.
Die Hochzeit wurde aus diesem Grund am 21. Mai 1861 in Tbilissi gefeiert, wo das Paar in der Evangelisch-Lutherischen St. Peter und Paul-Kirche1 getraut wurde.
Heinrich Scharrers Ehe war sehr glücklich. Seine Frau teilte mit ihm die Liebe zur Natur und zu den Pflanzen und unterstützte ihren Mann bei der Bewältigung seiner anspruchsvollen Der Alexanderpark 1880 Aufgaben in dem fremden Land. Ihre vier Kinder Jenny, Helene, Gustav und Werner wurden in Tbilissi geboren und wuchsen hier auf.
Scharrer arbeitete unermüdlich an der Verwirklichung des Parks und hatte sich bereits nach kurzer Zeit durch seine erfolgreiche Arbeit einen Namen in der Stadt gemacht. So erwähnte die Zeitung „Kawkas" in ihrer Ausgabe Nr. 101 vom Dezember 1861 „die Hingabe mit der der angesehene und geschickte Gelehrte und Gartenarchitekt H. Scharrer, die ihm vom Statthalter übertragenen Aufgaben wohlüberlegt, umsichtig und mit unermüdlichem Eifer bearbeitet".2
Im Hochsommer des Jahre 1863 war es endlich so weit. Der Alexanderpark, ein großer öffentlicher Park nach europäischem Vorbild war vollendet.
Zu der Eröffnung hatte sich ein bunt gemischtes Publikum eingefunden. Es waren Georgier, Armenier, Tataren und andere Volksgruppen in ihren malerischen Nationaltrachten, sowie Russen, Deutsche und andere Europäer gekommen. In dem neuen Musikpavillon spielte die Kapelle des aus Yerevan stammenden Grenadier-Regiments unter der Leitung des aus Berlin stammenden Stabkapellmeisters der Kaukasischen Armee, Albert Schoening.
Mit der Schaffung des Parks trug Scharrer dazu bei, dass Tbilissi immer mehr europäischen Charakter annahm.

1Sie wurde 1834 eingeweiht und durch einen Neubau 1897 an der Michael- Ecke Kirchstraße (jetzt Mardzanishvili-Platz) ersetzt. Nachdem der letzte Pfarrer Richard Mayer 1931 verhaftet wurde und in der Haft „verstarb", mussten deutsche Kriegsgefangene die Kirche 1946 abreißen.
2In der Ausgabe der Zeitung für Politik und Literatur, „Kawkas“,  Nr.101 vom 24. Dezember 1861 wird Scharrer folgendermaßen erwähnt: „Man muss billigerweise die völlige Hingabe des angesehenen und
geschickten Gelehrten, des Garten-Architekten, H. Scharrer erwähnen, welcher wohlüberlegt und
umsichtig mit unermüdlichem Eifer die Arbeiten begann, welche ihm persönlich von seinem Chef, dem
Statthalter des Kaukasus, übertragen wurden”.