Direkte Demokratie auf Tour

Von Anfang September bis Mitte November war der „OMNIBUS für Direkte Demokratie“ auf Initiative des Goethe-Instituts unterwegs durch Südosteuropa. Symbolträchtiger Höhepunkt der Reise war die Fahrt nach Griechenland, dem Ursprungsland der Demokratie.

Nach kurzen Stopps in Thessaloniki und Delphi erreichte der Berliner Doppeldeckerbus am 29. September Athen. Dort lud er auf dem Hügel Pnyx, Ort der Volksversammlung in der Antike, bis 10. Oktober mit vielfältigen Veranstaltungen zum Austausch über das Zusammenspiel von Demokratie, Kunst und Kultur ein. In diesen Tagen fand auch die zweitägige Konferenz „Das Athener Gespräch“ in der Kunstakademie statt: Prominente Gäste diskutierten am 8. und 9. Oktober über Ursprung und Gegenwart der Demokratie sowie über Kunst als Impulsgeber für die demokratische Gesellschaft.
Mitgewirkt haben unter anderem Andreas Auer (Professor für öffentliches Recht an der Universität Zürich und Direktor des Forschungs- und Dokumentationszentrums für Direkte Demokratie in Genf), Bazon Brock (Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal), Christian Meier (Prof. em. für Alte Geschichte mit dem Schwerpunkt klassisches Athen), Dimitris Th. Tsatsos (Professor für Verfassungsrecht und ehemaliges Mitglied des griechischen und Europäischen Parlaments) sowie der Beuys-Meisterschüler Johannes Stüttgen.
In Budapest kam der OMNIBUS am 4. November an. In den darauffolgenden drei Tagen war er an drei Orten zu finden: am 5. November im 9. Bezirk am Csarnok tér, am 6. November im 7. Bezirk am Klauzál tér und am 7. November im 6. Bezirk am Hunyadi tér. An den ersten zwei Abenden sprachen Gerhard Häfner bzw. Johannes Stüttgen über Geld, Demokratie und über den Beuysschen Kunstbegriff.
Die Idee
Der „OMNIBUS für Direkte Demokratie“ geht zurück auf die Idee des „Erweiterten Kunstbegriffs“ des Künstlers und Kunsttheoretikers Joseph Beuys. Der beschrieb soziales und politisches Handeln als künstlerischen Akt. In Folge dessen verstand er auch die Gesellschaft als Kunstwerk, als eine „Soziale Plastik“, die jeder Mensch mitgestalten kann. Schon für seine erste basisdemokratische Aktion benutzte Beuys einen alten Bus als anschauliches Sinnbild für Demokratie.
Der jetzige „OMNIBUS für Direkte Demokratie“, initiiert durch Brigitte Krenkers und Beuys` engen Weggefährten Johannes Stüttgen, ist eine Fortführung dieser Gedanken. Er repräsentiert die Idee einer Aktionskunst, die das Publikum am kreativen Prozess beteiligt. Seit über 20 Jahren ist der Bus Forum der Begegnung und Diskussion, Motor für viele Volksbegehren und Beteiligung von Bürgern an politischen Entscheidungsprozessen. Nun tourt er erstmals im Ausland.
„Demokratie in Bewegung“
Ausgangspunkt für die Planungen der rund zweimonatigen Reise des „OMNIBUS für Direkte Demokratie“ durch Südosteuropa waren die Jahrestage, die in Deutschland 2009 begangen werden: die Gründung der beiden deutschen Staaten 1949, 60 Jahre Grundgesetz und das 20jährige Jubiläum des Mauerfalls.
Der Berliner Doppeldeckerbus machte auf seiner am 4. September begonnenen Fahrt unter anderem an den Goethe-Instituten in Zagreb, Sarajevo, Belgrad, Bukarest, Sofia und Skopje Station. Die Institute werden in dieser Zeit zu Zentren des Austauschs über politische Verantwortung und Mitgestaltung. Bis zum 14. November wird der Bus in Istanbul, Bukarest, Klausenburg, Belgrad, Budapest, Bratislava, Wien und Linz Ort der Reflexion und Diskussion über direkte Demokratie sein.








