Filme

24 Wochen 24 Wochen Spielfilm // 102 Min. // Deutschland, 2016

Regie: Anne Zohra Berrached // Darsteller: Julia Jentsch, Bjarne Mädel, Emilia Pieske, Johanna Gastdorf, Maria Dragus, Mila Bruk, Sabine Wolf, Karina Plachetka

Astrid bringt als Kabarettistin die Menschen zum Lachen. Ihr Mann Markus managt sie. Die beiden sind ein eingespieltes Team, haben eine neunjährige Tochter und erwarten gerade ihr zweites Kind. Als sie erfahren, dass ihr Kind nicht gesund zur Welt kommen wird, stellen sie sich zunächst mit großem Optimismus einer Herausforderung, die sie nicht einschätzen können. Doch je näher der Geburtstermin rückt, desto größer werden Astrids Sorgen – die um die Zukunft des Neugeborenen ebenso wie die um Familie und Beruf. Nach vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen erkennt Astrid, dass die Entscheidung, die ihr aller Leben betrifft, nur von ihr allein getroffen werden kann. Das ist umso komplizierter, da sie als erfolgreiche Entertainerin in der medialen Öffentlichkeit steht.

Der zweite Spielfilm der Regisseurin Anne Zohra Berrached liefert das intensive Porträt einer Frau, die in einen großen moralischen Konflikt geworfen wird, in dem es keine einfachen Lösungen gibt. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken geht der Film absolut unter die Haut und ans Herz.

www.24wochen.de
Anna Zohra Berrached, geboren 1982, studierte Sozialpädagogik in Frankfurt. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in London als Theaterpädagogin und später als Regieassistentin am Hansa Theater und Ballhaus Ost in Berlin. 2009 nahm sie ein Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg auf. 24 Wochen ist ihr zweiter langer Spielfilm nach Zwei Mütter (2013) und war 2016 der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale.

Agonie Agonie Spielfilm // 93 Min. // Deutschland / Österreich, 2016

Regie: David Clay Diaz // Darsteller: Samuel Schneider, Alexander Srtschin, Alexandra Schmidt, Simon Hatzl, Mercedes Echerer, Alexander Jagsch, Martina Poel

Zwei junge Männer, Christian (24) und Alex (17), deren Existenzen unabhängig voneinander in ihrer jeweiligen Bahn verlaufen. Einer der beiden wird am Ende einen Mord begangen haben. Wem ein solcher Fall begegnet, vielleicht sogar im Umfeld des eigenen Lebens, der kann gar nicht anders, als nach den Gründen für so ein Verbrechen zu suchen und dem Drama einen wie auch immer gearteten, grausamen Sinn abzugewinnen. Was aber, wenn das, was man gemeinhin Leben nennt, zwar eine Geschichte hat, sich aber nicht zu einer Geschichte fügt?

Agonie arbeitet souverän einer üblichen Dramaturgie entgegen. David Clay Diaz erforscht einen Mordfall, aber dabei zeigt er das Geschehen lieber als es zu erklären. Zusammenhänge zu konstruieren überlässt er dem Zuschauer. Eine unheimlich kraftvolle Inszenierung!

www.davidclaydiaz.com
David Clay Diaz wurde 1989 in Paraguay geboren, verbrachte sein frühes Leben in Lima, Peru und folgte später seiner Mutter nach Wien, wo er Philosophie studierte. Seit 2010 studiert er Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Agonie ist als Drittjahresfilm im Rahmen des Studiums entstanden.

Ein Atem Ein Atem Spielfilm // 101 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Christian Zübert // Darsteller: Jördis Triebel, Chara Mata Giannatou, Benjamin Sadler, Apostolis Totsikas, Nike Maria Vassil, Pinilopi Sergounioti, Mary Nanou, Akilas Karazisis

Zwei Frauen, eine Reise zu sich selbst. Eine zerrissene und liebende Mutter auf der Suche nach ihrem Kind. Eine Schwangere auf der Flucht vor der Verantwortung. Tessa, 37, hat von außen betrachtet ein perfektes Leben. Mit ihrem Mann Jan und ihrer 18 Monate alten Tochter Lotte lebt sie in einem schicken Apartment in Frankfurt. Elena, 27, kommt aus Griechenland. Auf die Krise in ihrem Land reagiert sie mit Mut und Selbstbewusstsein: Sie versucht in Deutschland Fuß zu fassen und findet Arbeit als Lottes Babysitterin. Anfangs scheint alles einfach, doch das Leben verkompliziert sich, als Elena entdeckt, dass sie schwanger ist. Plötzlich trägt sie für mehr Verantwortung als nur sich selbst.

Kind oder Karriere, dieser Frage stellen sich unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zwei Frauen in Christian Züberts Ein Atem. Der Film gibt den Perspektiven beider Frauen Raum und besticht besonders durch das herausragende Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen.

www.wildbunch-germany.de
Christian Zübert, geboren 1973, begann seine Karriere im Jahr 2001 als Drehbuchautor für die Krimi-Serie Der Clown. Seine erste Kinoproduktion war die Komödie Lammbock (2001), für die er das Drehbuch schrieb und Regie führte. Er ist seitdem als Drehbuchautor und Regisseur erfolgreich mit Filmen wie Neue Vahr Süd (2010) und Dreivierteilmond (2011) und wurde vielfach ausgezeichnet.

Coconut Hero Coconut Hero Spielfilm // 101 Min. // Deutschland / Kanada, 2015

Regie: Florian Cossen // Darsteller: Alex Ozerov, Bea Santos, Krista Bridges, Sebastian Schipper, Jim Anann, R.D. Reid, David Thompa, Jeff Klarke, Udo Kier

Von seinem Vater in frühen Jahren verlassen und seinen Mitschülern gehänselt, wünscht sich Mike Tyson (der Name ist sein geringstes Problem) seit längerer Zeit tot zu sein. Er ist 16 Jahre alt und lebt alleine mit seiner Mutter in einer Kleinstadt im Norden Kanadas, mitten im Nirgendwo. Nach einem missglückten Selbstmord wird Mike zu einer lebensbejahenden Therapie gezwungen. Als bei einer Routineuntersuchung im Krankenhaus in seinem Kopf ein tödlicher Tumor festgestellt wird, wähnt er sich am Ziel seiner Träume. Doch als Mike Miranda kennenlernt, die erste Person die ihn wirklich versteht, entwickelt er einen ganz neuen Wunsch...

Sympathische Charaktere, überraschende Wendungen, stimmige Bilder aus der kanadischen Provinz und ein lässiger Soundtrack machen Florian von Cossens neuen Film über Leben und Tod absolut sehenswert. Ein deutscher Film, der wie ein american independent aussieht!

www.coconuthero.de
Florian Cossen wurde 1979 in Tel Aviv geboren und nahm 2002 das Studium der Filmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg auf. In den Jahren 2005 und 2006 studierte er dank eines Stipendiums an der University of California in Los Angeles und der Universidad del Cine in Buenos Aires. Dort ließ er sich zu seinem Diplomfilm und Spielfilmdebüt Das Lied in mir inspirieren, für den er eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis erhielt.

Freistatt Freistatt Spielfilm // 104 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Marc Brummund // Darsteller: Louis Hofmann, Alexander Held, Stephan Grossmann, Katharina Lorenz, Max Riemelt, Uwe Bohm

Sommer 1968. Der Wind der Veränderung ist in den norddeutschen Kleinstädten allerhöchstens als Brise zu spüren. Mit selbstverständlicher Aufmüpfigkeit begegnet der 14-jährige Wolfgang seinem Alltag, seiner Mutter und vor allem seinem Stiefvater. Als er von seiner Familie in die abgelegene kirchliche Fürsorgenanstalt Freistatt abgeschoben wird, findet er sich in einer Welt wieder, der er nur mit noch unbändigerem Freiheitsdrang begegnen kann: Verschlossene Türen, vergitterte Fenster, militärischer Drill während der als Erziehung verbrämten täglichen Arbeitseinsätze in den Mooren der Umgebung. Doch für Wolfgang ist eins klar: Seine Sehnsucht nach Freiheit wird er so schnell nicht im Moor begraben.

Ein fesselnder und ergreifender Film nach wahren Begebenheiten. Marc Brummund erzählt die dramatische Geschichte von Wolfgang und seinen Leidensgenossen in extrem ausdrucksstarken Bildern. Ein echtes Kinoereignis!

www.freistatt-film.de
Marc Brummund, geboren 1970, studierte Psychologie und Publizistik an der Universität Hamburg und anschließend Dokumentarfilm an der ZELIG Schule für Film und Fernsehen in Bozen, Italien. Im Jahr 2004 nahm er an einem Meisterkurs Filmregie an der Hamburg Media School teil. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter Nominierungen für den Deutschen Kurzfilmpreis und den Studenten-Oscar.

Grüße aus Fukushima Grüße aus Fukushima Spielfilm // 104 Min. // Deutschland, 2016

Regie: Doris Dörrie // Darsteller: Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Moshe Cohen. Nami Kamata Aya Irizuki

Marie, eine junge Deutsche, reist auf der Flucht vor ihren zerplatzten Lebensträumen nach Japan. Sie schließt sich der Organisation Clowns4Help an, die im Katastrophengebiet von Fukushima den Opfern der Dreifachkatastrophe von 2011 ein wenig Freude in die Notunterkünfte bringen will, in denen überwiegend ältere Menschen noch immer leben, weil sie nicht wegziehen wollten oder konnten. Doch Marie muss sich bald eingestehen, dass sie für diese Aufgabe überhaupt nicht geeignet ist. Kurz davor, erneut davonzulaufen, begegnet sie der eigenwilligen Satomi, der letzten Geisha Fukushimas, die es sich in den Kopf gesetzt hat, in ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückzukehren. Marie hilft Satomi bei den Aufräumarbeiten. Dabei kommen sich die sehr unterschiedlichen Frau nicht nur gegenseitig näher, sondern auch den Geistern ihrer Vergangenheit.

Nach ihrem Sensationserfolg Kirschblüten – Hanami kehrt Doris Dörrie, die auch das Drehbuch schrieb, erneut nach Japan zurück. Ihr schwarz-weiß gedrehtes Drama erzählt eine universelle, poetische Geschichte vom Loslassen und Weiterleben.

www.gruesseausfukushima.de
Doris Dörrie, geboren 1955, begann im Jahr 1975 ihr Filmstudium an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Heute ist sie eine der erfolgreichsten und prominentesten Regisseurinnen Deutschlands. Neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin ist sie auch als Autorin und Produzentin tätig und wurde vielfach für Ihre Filme und Texte ausgezeichnet. Zu ihren größten Film-Erfolgen zählen die Komödie Männer (1985) und die melancholische Geschichte Kirschblüten – Hanami (2008), mit der sie international Aufsehen erregte.

Hedi Schneider steckt fest Hedi Schneider steckt fest Spielfilm // 92 Min. // Deutschland / Norwegen, 2015

Regie: Sonja Heiss // Darsteller: Laura Tonke, Hans Löw, Leander Nitsche, Melanie Straub, Simon Schwarz, Margarita Broich

Hedi, Uli und ihr Sohn Finn haben sich ihr Leben gut eingerichtet – sie nehmen den Alltag, wie er kommt und träumen von dem, was sein könnte. Doch plötzlich steckt Hedi fest. Erst mal nur im Aufzug, aber dann auch im Kopf. Und mit einem Mal ist nichts mehr, wie es war. Obwohl sie versuchen, aneinander festzuhalten, gerät Hedis und Ulis Welt aus den Fugen. Um ihrer Liebe eine letzte Chance zu geben, beschließen sie, nach Norwegen zu reisen und noch einmal glücklich zu sein - zumindest für 24 Stunden.

Eine Komödie über Panikattacken und Angsterkrankungen zu machen, ist ein ehrgeiziges Vorhaben. Regisseurin Sonja Heiss meistert die Herausforderung mit viel Charme und einer überzeugenden Hauptdarstellerin.

www.hedi-schneider.com
Sonja Heiss, geboren 1976, studierte Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihr Abschlussfilm und gleichzeitig Langfilm-Debüt Hotel Very Welcome (2007) wurde von der Kritik sehr gelobt und gewann international Preise. Ihr literarisches Debüt gab Sonja Heiss im Jahr 2011 mit dem Erzählband Das Glück geht aus.

Herbert Herbert Spielfilm // 109 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Thomas Stuber // Darsteller: Peter Kurth, Lina Wendel, Lena Lauzemis, Edin Hasanovic, Peter Schneider, Manfred Möck

Herbert ist ein Berg von einem Mann. Obwohl in die Jahre gekommen, sind seine Muskeln und Fäuste immer noch sein ganzes Kapital. Früher war er „Der Stolz von Leipzig“. Heute verdient er seinen Lebensunterhalt als zuverlässiger Geldeintreiber oder Türsteher, abends bereitet er den jungen aufstrebenden Boxer Eddy auf dessen ersten Titelkampf vor. Aber bald wird Herbert erkennen müssen, dass er vor den Trümmern seines Lebens steht. Seine längst erwachsene Tochter hat ihn nicht mehr gesehen, seitdem sie sechs Jahre alt war. Seine Freundin Marlene hält er auf Abstand. Und dann stellt die Diagnose einer unheilbaren Krankheit sein bisheriges Leben völlig auf den Kopf. Herbert weiß, dass jetzt die Zeit für seinen letzten Kampf gekommen ist, dass er jetzt richten muss, was er falsch gemacht hat. Bevor es zu spät ist.

Thomas Stuber gelingt mit seinem Regiedebüt Herbert eine schonungslose Studie eines alternden Boxers. Ein rohes Drama, harsch, erbarmungslos und stark gespielt.

www.wildbunch-germany.de
Thomas Stuber, geboren 1981, studierte von 2004 bis 2011 Filmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Zuvor hatte er bereits als Praktikant Erfahrungen in der Filmindustrie gesammelt. Sein Studentenfilm Teenage Angst (2008) feierte auf der Berlinale Premiere, wurde für viele Preise nominiert und konnte einige davon gewinnen.

Junges Licht Junges Licht Spielfilm // 122 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Adolf Winkelmann // Darsteller: Oscar Brose, Charly Hübner, Lina Beckmann, Peter Lohmeyer, Ludger Pistor

Julian Collien, zwölf Jahre alt, lebt in einer Bergbausiedlung, die gekennzeichnet ist durch Enge, Armut und Brutalität. Die Schule hält Julian für überbewertet; er will Bergmann werden – wie sein Vater. Als die Mutter, geplagt von Gallenkoliken, einen Nervenzusammenbruch erleidet und mit der kleinen Schwester ans Meer fährt, bleiben Vater und Sohn in den Sommerferien allein zurück. Nun fühlt sich Julian zu Hause verantwortlich, schmiert Brote für seinen Vater und holt ihn von der Zeche ab. Seine Freizeit verbringt Julian nur ungern mit den Jugendlichen der Siedlung, deren Späße zuweilen in nackte Gewalt umkippen. Indes leiht ihm der Hausbesitzer Gorny eine Kamera, womit der Junge seine Freunde beim Baden fotografieren soll. Aber Julian beobachtet lieber Marusha, Gornys frühreife 15-jährige Stieftochter, die nicht nur ihm den Kopf verdreht, sondern auch seinem Vater.

Adolf Winkelmanns Hommage an das ursprüngliche Ruhrgebiet lässt den Pott in poetischen Bilder wieder auferstehen. Eine stimmige Adaption des gleichnamigen Romans von Ralf Rothmann.

www.jungeslicht.weltkino.de
Adolf Winkelmann ist Regisseur, Produzent und Professor für Film an der Fachhochschule für Kunst und Design in Dortmund. Er arbeitet seit 1967 in der Filmindustrie, 1978 gelang ihm mit seinem Kinodebüt Die Abfahrer der große Durchbruch. Bereits hier porträtiert er das Ruhrgebiet, ein Thema, das er immer wieder aufgreift. Winkelmann wurde für seine Filme vielfach ausgezeichnet.

Lenalove Lenalove Spielfilm // 93 Min. // Deutschland, 2016

Regie: Florian Gaag // Darsteller: Emilia Schüle, Jannik Schümann, Sina Tkotsch, Kyra Sophia Kahre, Anna Bederke, Sandra Borgmann

Lena, 16, kreativ und hochsensibel, fühlt sich in der Vorortsiedlung, in der sie lebt, zunehmend ausgegrenzt und unverstanden. Im Graffiti-Sprayer Tim findet sie einen Seelenverwandten. Ein erster Flirt bahnt sich an, der aber jäh endet, als sich Lenas ehemals beste Freundin Nicole an Tim heranmacht. Tief enttäuscht schüttet Lena ihrem neuen Chat-Freund Noah ihr Herz aus. Noch ahnt die Schülerin nicht, wer sich tatsächlich hinter diesem Account verbirgt. Ein hinterhältiges Spiel nimmt seinen Lauf, das die makellose Fassade des Vorstadt-Idylls allmählich zum Einsturz bringt. Bei einem nächtlichen Date mit Noah gerät das „Spiel“ außer Kontrolle. Danach wird für Lena und alle Beteiligten nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Grimme-Preisträger Florian Gaag gelingt ein spannendes und hochaktuelles Jugenddrama, das mit starken Bildern, eindringlichen Figuren und schnellem Tempo überzeugt.

www.alpenrepublik.eu/lenalove
Florian Gaag, geboren 1971, arbeitete nach einem vierjährigen Filmstudium an der Tisch School of the Arts der New York University als Aufnahmeleiter und Tonassistent bei diversen Filmproduktionen. Von 1995 bis 2001 war er als Regieassistent oder Regisseur an zahlreichen Kurz- und Dokumentarfilmen beteiligt. Sein Spielfilmdebüt gab er 2006 mit Wholetrain und wurde dafür vielfach ausgezeichnet.

Die Lügen der Sieger Die Lügen der Sieger Spielfilm // 112 Min. // Deutschland / Frankreich, 2015

Regie: Christoph Hochhäusler // Darsteller: Florian David Fitz, Lilith Stangenberg, Horst Kotterba, Ursina Lardi, Avred Birnbaum, Gottfried Breitfuß

Fabian Groys ist ein renommierter Journalist in der Hauptstadtredaktion eines politischen Nachrichtenmagazins. Gemeinsam mit Nadja, einer ihm zugeteilten Praktikantin, recherchiert er eine brisante Story über den fragwürdigen Umgang der Bundeswehr mit ehemaligen Soldaten. Als sie ihm wegbricht, weil sein Informant abspringt, schwenkt Groys auf einen Giftmüllskandal um. Dann mehren sich Anzeichen, dass beide Geschichten zusammenhängen, und die Story nimmt Fahrt auf. Doch etwas weckt Groys’ Argwohn: Kann er seinen Informationen wirklich trauen?

Christoph Hochhäuslers Die Lügen der Sieger erzählt in stilistisch überzeugender und atmosphärisch dichter Weise von Machtmissbrauch und investigativem Journalismus.

www.dieluegendersieger-derfilm.de
Christoph Hochhäusler, geboren 1972, ist Regisseur und Drehbuchautor. Er studierte Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Zusammen mit Studienfreunden gründete er die Filmzeitschrift Revolver, für die er bis heute als Mitherausgeber und Autor aktiv ist. Sein erster Film Milchwald (2003) fand international Beachtung und kam auch in Frankreich ins Kino. Sein dritter abendfüllender Spielfilm Unter dir die Stadt (2010) feierte bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere.

Der Nachtmahr Der Nachtmahr Spielfilm // 88 Min. // Deutschland, 2015

Regie: AKIZ // Darsteller: Carolyn Genzkow, Sina Tkotsch, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Arnd Klawitter, Julika Jenkins

Tina ist 17 Jahre alt und hat scheinbar alles, was sich ein Mädchen in ihrem Alter wünscht. Nach einer Party erlebt sie massive Albträume, fortan wird sie Nacht für Nacht von einem abgrundtief hässlichen Wesen heimgesucht. Der Einzige, mit dem sie über ihre Ängste spricht, ist ihr Psychiater. Er rät ihr Kontakt mit diesem Wesen aufzunehmen. Zunächst weigert sich Tina, doch als sie merkt, dass ihre Eltern ernsthaft überlegen, sie in eine Klinik einzuweisen, überwindet sie ihre Angst und geht auf das Wesen zu. Tina stellt überraschend fest, dass dieses Wesen als Personifikation ihrer Ängste real existiert und dass es die gleichen Gefühle und Empfindungen spürt, wie sie. Aus Angst als Freak zu gelten, versteckt sie das Wesen in ihrem Zimmer und verliert langsam den Ekel vor ihm. Es entsteht ein zutrauliches Verhältnis. Doch dann wird Tinas Umgebung auf das Wesen aufmerksam...

AKIZ begann in Los Angeles im Jahr 2001 mit den ersten Arbeiten an der Kreatur des Nachtmahrs. Entstanden ist daraus ein Genrefilm der besonderen Art: Cool, schnell, laut und psycho. Die Vision des Regisseurs und seine Kompromisslosigkeit in der Umsetzung machen Der Nachtmahr zu einem Juwel des deutschen Kinos.

www.der-nachtmahr.com
AKIZ, geboren 1969, ist Regisseur und bildender Künstler. Von 1991 bis 1996 studierte er an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und der University of Southern California. Seit 1999 arbeitet er von Los Angeles aus als Filmemacher und Drehbuchautor. 2007 erschien seine erste Kinoproduktion Das wilde Leben, damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Achim Bornhak. Im Jahr 2012 gründete er die Filmproduktionsfirma OOO-FILMS.

Sybille Sybille Spielfilm // 87 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Michael Krummenacher // Darsteller: Anne Ratte Polle, Thomas Loibl, Dennis Kamitz, Levi Lang, Heiko Pinkowski, Andreas Lust, Thomas Fränzel, Elisabeth Rath, Thomas Bestvater, Franziska Rieck

Nach einer arbeitsintensiven Zeit in ihrem Architekturbüro fällt es Sibylle schwer, während des gemeinsamen Urlaubs am See mit Ehemann Jan und ihren Söhnen David und Luca zur Ruhe zu kommen. Während ihre Familie noch schläft, unternimmt Sibylle ausgedehnte Spaziergänge über die Uferklippen. Die gleichaltrige Frau, der sie dabei tagtäglich begegnet, nimmt sie kaum wahr - bis sie eines Morgens Zeugin ihres Selbstmords wird. Zurück in München versucht Sibylle vergeblich, das Ereignis zu verdrängen. Doch immer wieder scheinen seltsame Parallelen auf einen Zusammenhang zwischen dem Schicksal der Frau und Sibylle selbst zu verweisen. Eine zunehmende Entfremdung von ihrer Familie sowie albtraumhafte Visionen, die in ihren Alltag einbrechen, machen ihr zu schaffen. Mit Verdacht auf Burn-Out wird Sibylle eine strikte berufliche Auszeit verordnet. Weitestgehend isoliert, versucht sie, die Kontrolle über ihr Leben und den Anschluss an ihre Familie wiederzuerlangen, muss aber bald feststellen, dass diese ihr nun beinahe feindlich gegenübersteht.

Michael Krummenacher wagt sich mit dem Thriller Sibylle erfolgreich ins Genrekino vor. Bisher noch eine Seltenheit in der deutschen Filmlandschaft. Ein spannender und verstörender Film.

www.sibylle-film.de
Michael Krummenacher, geboren 1985 in der Schweiz, begann 2006 ein Regiestudium an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Im Jahr 2009 gründete er mit einem Partner die Produktionsfirma Passanten Filmproduktion. Er produzierte und inszenierte seinen ersten Spielfilm Hinter diesen Bergen im Jahr 2010. Für seine Arbeit wurde Krummenacher bereits mehrfach ausgezeichnet.

Der Staat gegen Fritz Bauer Der Staat gegen Fritz Bauer Spielfilm // 105 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Lars Kraume // Darsteller: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Jörg Schüttauf, Lilith Stangenberg, Laura Tonke

Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die Zeit des Nationalsozialismus hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann beginnt Bauer die Hintergründe zu recherchieren. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen unsichtbare Gegner beginnt, doch Bauer und Angermann geben nicht auf, wohlwissend, dass ihnen die Jagd auf Eichmann sowohl beruflich als auch privat alles abverlangen wird.

Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod erinnert Regisseur Lars Kraume an einen leider fast vergessenen Mann, der sich in der alten Bundesrepublik mit seinem Mut wenig Freunde machte. Ein ungemein starker, sehenswerter Film!

www.derstaatgegenfritzbauer.de
Lars Kraume, geboren 1973, arbeitete als freischaffender Fotograf bevor er von 1994 bis 1998 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studierte. Seitdem arbeitet er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent für zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen. 2005 gelang Lars Kraume der endgültige Durchbruch mit drei sehr unterschiedlichen Projekten in kurzer Folge: dem Dokumentarfilm Kismet –Würfel Dein Leben, dem Spielfilm Keine Lieder über Liebeund dem Fernsehkrimi Wo ist Max Gravert?.

Verfehlung Verfehlung Spielfilm // 95 Min. // Deutschland, 2014

Regie: Gerd Schneider // Darsteller: Sebastian Blomberg, Kai Schumann, Jan Messutat, Sandra Borgmann, Valerie Koch, Hartmut Becker

„Da schmeißt einer mit Dreck, und es ist nur eine Frage der Menge, ob was hängen bleibt…“ Das möchte der katholische Gefängnisseelsorger Jakob Völz gern glauben, als sein bester Freund und Kollege Dominik Bertram wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch in Untersuchungshaft genommen wird. Doch was Jakob ahnt, aber nicht wissen will, wird zur Zerreißprobe für seinen Glauben und sein Selbstverständnis.

Mit seinem Debütfilm ist Regisseur Gerd Schneider ein komplexes wie authentisches Drama gelungen. Verfehlung erzählt von Freundschaft, Verantwortung, Glauben und Verrat und blickt dabei sowohl ins Innere des Systems Kirche als auch in menschliche Beziehungen. Ein intensives Kinoerlebnis!

www.verfehlung-film.de
Gerd Schneider, geboren 1974, studierte Katholische Theologie in Bonn und Wien, bevor er sich dem Filmschaffen zuwandte und ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg aufnahm. Sein Abschlussfilm Am Rand der Hoffnung (2006), ein mittellanger Dokumentarfilm, wurde international auf Festivals gezeigt und gewann mehrere Preise.

Victoria Victoria Spielfilm // 136 Min. // Deutschland, 2015

Regie: Sebastian Schipper // Darsteller: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André M. Hennicke, Anna Lena Klenke

Eine Stunde noch, dann neigt sich auch diese Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Vor einem Club lernt Victoria, eine junge Frau aus Madrid, vier Berliner Jungs kennen – Sonne, Boxer, Blinker und Fuß. Der Funke zwischen ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit füreinander haben die beiden nicht. Sonne und seine Kumpels haben noch etwas vor. Um eine Schuld zu begleichen, haben sie sich auf eine krumme Sache eingelassen. Als einer von ihnen unerwartet ausfällt, soll Victoria als Fahrerin einspringen. Was für sie wie ein großes Abenteuer beginnt, entwickelt sich zunächst zu einem verrückten euphorischen Tanz – und dann schnell zum Albtraum. Während der Tag langsam anbricht, geht es für Victoria und Sonne auf einmal um Alles oder Nichts.

Auf die Idee muss man erstmal kommen: Einen Film komplett in einer Einstellung zu drehen, ohne technische Tricks, ohne Netz und doppelten Boden, mit vollem Risiko. Genau das haben Sebastian Schipper und sein Filmteam mit Victoria gewagt und dabei auf ganzer Linie gewonnen. Einer der aufregendsten deutschen Filme seit Jahren!

www.wildbuch-germany.de/movie/victoria
Sebastian Schipper, geboren 1968, studierte von 1992 bis 1995 Schauspiel an der Otto Falckenberg Schule in München. Nach seinem Abschluss war er zumeist als Nebendarsteller in erfolgreichen Filmen wie Kleine Haie (1992), Der englische Patient (1996) und Lola rennt (1998) zu sehen. Mit Absolute Giganten brachte er 1999 sein Spielfilmdebüt als Regisseur und Autor in die Kinos und ist seitdem sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur erfolgreich.

Wild Wild Spielfilm // 97 Min. // Deutschland, 2016

Regie: Nicolette Krebitz // Darsteller: Lilith Stangenberg, Georg Friedrich, Sike Bodenbender, Saskia Rosendahl, Kotti Yun, Laurie Young

Es beginnt höchst unscheinbar: In einer gesichtslosen Stadt im Osten Deutschlands, arbeitet Ania, ein duckmäuserisches Mauerblümchen, in einem austauschbaren Unternehmen. Tag für Tag fährt sie aus der Plattenbausiedlung mit der Bahn in die Firma, sitzt am Computer, holt ihrem Chef Boris Kaffee und ist eigentlich nicht wirklich da. Doch dann passiert etwas, das ihre gesamte Existenz auf den Kopf stellt: Sie sieht einen Wolf, ganz kurz nur, im Vorbeigehen. Aber der Gedanke an den Wolf lässt Ania nicht los und sie versucht das Tier einzufangen. Nach und nach entsteht eine Beziehung, die das ebenso geordnete, wie langweilige Leben Anias für immer aufbricht.

Nicolette Krebitz' wilde, anarchische Liebesgeschichte ist ein zeitloses Märchen ohne jeden Kitsch. In seiner poetischen Bildsprache und sexuellen Kraft ist Wild ein Meisterstück, gemacht für die große Leinwand.

www.wild-film.de
Nicolette Krebitz, 1972 geboren, ist Regisseurin, Schauspielerin und Sängerin. Sie spielte bereits in ihrer Jugend in zahlreichen Filmen und studierte später Schauspiel an der Fritz-Kirchhoff-Schule. Ihr Kinodebüt als Regisseurin gab sie 2001 mit Jeans. Für ihre zweite, preisgekrönte Regiearbeit Das Herz ist ein dunkler Wald (2007) schrieb sie auch das Drehbuch. Neben ihrer Arbeit als Regisseurin ist Nicolette Krebitz auch weiterhin in ausgewählten Produktionen als Darstellerin zu sehen.