Den Tod bedenken
Joseph Beuys, Felix Gonzalez-Torres, Anna Hepp, On Kawara, Marcel Mieth, Simon Dybbroe Møller, Julia Charlotte Richter, Peter Rösel, Anri Sala, Bill Viola, Yang Zhenzhong
Ausstellung
17. April – 26. Juni 2013
Moskau
Die Zentrale Ausstellungshalle Manege
Manezhnaja Pl. 1
Metro: Okhotnyj rjad, Biblioteka imeni Lenina
Di. - So. 12:00-22:00, Montags geschlossen
Information:
Tel.: +7 495 6459277
info@moscowmanege.ru
17. April – 26. Juni 2013
Moskau
Die Zentrale Ausstellungshalle Manege
Manezhnaja Pl. 1
Metro: Okhotnyj rjad, Biblioteka imeni Lenina
Di. - So. 12:00-22:00, Montags geschlossen
Information:
Tel.: +7 495 6459277
Es war Joseph Beuys, der es einmal auf den Punkt gebracht hat: „Der Tod hält mich wach“. Dies ist genau jenes Paradox, das uns mit dem Tod ringen, an ihm verzweifeln, ihn aber auch achten lässt. Denn nur durch die Endlichkeit unserer irdischen Existenz erfährt diese überhaupt ihren Sinn.
Kaum ein Thema ist aber in den modernen Gesellschaften so tabuisiert wie das des Alterns, Sterbens und des Todes. Das Fetischisieren von Leistung verlangt die Leugnung des Siechtums, des Leidens und des Sterbens. Die Verdrängung des Todes hat gravierende Auswirkungen auf die Art und Weise der Lebensführung. Alte und Kranke verschwinden aus dem öffentlichen Raum, der Tod ist in Hospize und Krankenhäuser abgedrängt. Denn den Tod zu bedenken, der eigenen Vergänglichkeit bewusst zu sein, verlangte eine Ethik der Rücksicht und Aufmerksamkeit, der Bescheidenheit und der Empathie.
Der Künstler in der Gesellschaft mag seines vormaligen Status als „Seher“ verlustig gegangen sein. Was ihn jedoch immer noch auszeichnet, ist – vielfach gar nicht unbedingt rational oder bewusst – auf Zustände zu reagieren und Dinge zu thematisieren, die unter der Oberfläche schlummern oder verdrängt werden. In diesem Sinne wird der Tod in zunehmendem Maße ein Thema der Künste.
Die Ausstellung „Den Tod bedenken“ unternimmt den Versuch, das Thema des Todes assoziativ zu umkreisen. Sie versammelt Werke von Künstlern aus den USA, China, Japan, Deutschland, Dänemark und Albanien. Als zentrale Arbeiten können die Auflagenobjekte von On Kawara gelten, die sowohl das Moment der Konzentration auf den Augenblick als auch das Bemühen thematisieren, die Ungeheuerlichkeit von Zeit als Dauer zu erfassen. Das Leiden der todgeweihten Kreatur stellte Anri Sala in seinem Video „Time after Time“ (2003) ins Zentrum; es zeigt ein sterbendes Pferd am Stadtrand von Tirana. Anna Hepp und Julia C. Richter beschäftigen sich mit dem Tod aus der Perspektive des Privaten (Hepp), bzw. einer verstörenden, sachlichen Distanz (Richter). Felix Gonzalez-Torres‘Bild einer Person hinter einem Vorhang, die sowohl im Ausstellungsraum als auch an öffentlichen Werbeflächen gezeigt wird, kann als Symbol jener Passage zwischen Leben und Tod verstanden werden, die auch bei Bill Viola thematisiert wird. In seiner Dichte von symbolisch aufgeladenen Aufnahmen ist „The Passing“ (1991) ein herausragendes Werk in Bill Violas gesamtem Schaffen.Yang Zhenzhong entwirft in seinem fortlaufenden Video-Projekt „I will die“ ein Panorama der vielfältigen Weisen, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Marcel Mieths, Simon Dybbroe Møllers und Peter Rösels Arbeiten schließlich markieren polare Positionen im Ausstellungszusammenhang: Mieth und Møller lassen augenzwinkernd dem Wunsch Raum, dem Tod entgegen aller Vernunft ein Schnippchen schlagen zu können, während Rösel in seinen scheinbar abstrakten Plastiken das Grauen thematisiert, das Diktatur und Völkermord im 20. Jahrhundert über Menschen gebracht haben.
Die Vereinbarungen darüber, was der Tod sei, sind heute weitgehend zerbrochen. Ob er das absolute Ende des jeweiligen Seins; ob er den Übergang in eine andere Welt; ob er eine Stufe im ewigen Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt darstellt – all das zu entscheiden ist dem Individuum alleine überlassen. Es geht in der Ausstellung „Den Tod bedenken“ nicht um die Propagierung einer bestimmten Auffassung vom Tod. Hier sprechen alle Werke auf die eine oder andere Art und Weise vom Respekt, der der je individuellen Auffassung von Sterben und Tod entgegenzubringen ist. Sie fordern zum Innehalten auf, zur persönlichen Reflexion. Auf dass wir uns wieder des Werts bewusst werden, den unser Leben darstellt.
| Der Kurator der Ausstellung, Leonhard Emmerling lädt am 17. April, um 20.00 Uhr
zu einer öffentlichen Führung ein. Dr. phil. Leonhard Emmerling ist
Kunsthistoriker, Kurator, Autor von Büchern und Aufsätzen zur
zeitgenössischen Kunst und derzeit Leiter des Bereichs Bildende Kunst
der Zentrale des Goethe-Instituts in München. Weiterhin werden wöchentliche Führungen stattfinden, sie werden gemacht von Wolf Iro (Goethe-Institut Moskau), Olga Schischko (Manege/Media Art Lab) und anderen Experten. |
Die Ausstellung wurde vom Media Art Lab, dem Goethe-Institut Moskau und dem Bereich Bildende Kunst in der Zentrale des Goethe-Instituts in München kuratiert und organisiert.
Konzeption: Leonhard Emmerling, Wolf Iro
Exhibition design: Catherine Garet
Assistants: Catherine Garet, Elena Rumyantseva, Elisaveta Velichko



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