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Mandela und Nelson: Das Länderspiel
Hamburg: Carlsen Verlag, 2010
127 S.
ISBN 978-3-551-55571-7
Französische Übersetzung:
Mandela et Nelson (L'Ecole des Loisirs, 2010)
Nelson und Mandela leben in Bagamoyo, Tansania, am Indischen Ozean. Die Zwillinge wurden geboren, als Nelson Mandela Präsident von Südafrika wurde. Beide spielen im Jugend-Fußballclub, Nelson als Kapitän, Mandela als Abwehrspielerin. Alle Kinder im Fußballclub müssen ihre Familien unterstützen und können deshalb nicht regelmäßig trainieren. Nelsons Vater hat eine Schlangenfarm eröffnet, und jeden Morgen vor der Schule muss Nelson Kleintiere als Schlangenfutter fangen. Yacobo, der Torwart, fängt Tintenfische. Said, der beste Libero, muss so viele Fische schuppen, dass er zu nichts anderem mehr kommt. Von Fußballschuhen und Trikots können die Kinder nur träumen. Nicht einmal Spiele können stattfinden, weil sich niemand die Fahrt in einen Nachbarort leisten kann.
Aber als eine Jugendmannschaft aus Deutschland anreist, ändert sich alles. Ein großes Spiel steht bevor, und Trainer Nkwabi gibt Nelson den Auftrag, das Spielfeld und die Mannschaft gut vorzubereiten. Selbstbewusst und cool macht der sich an die Arbeit. Mit Sand werden die Linien auf dem Spielfeld gezogen. Kassim bewacht den Platz, damit keine Ziegen darüber laufen. Die Mädchen nähen Tore aus alten Fischernetzen. Hussein Sosovele, ein aus Europa zurückgekehrter Starspieler, hilft mit Tipps beim Training. Auch Pater Jonathan gibt gute Ratschläge. Nelson verhandelt mit Willi, dem Trainer der Deutschen, wie ein Erwachsener. Als das Spiel beginnt, ist ganz Bagamoyo auf den Beinen. Kurz vor Abpfiff liegen die Deutschen vier zu drei in Führung, da wirft Torwart Yakobo seine Turnschuhe weg, stürmt barfuß durch die Abwehr und schießt das Tor zum Unentschieden. Dann gibt es eine große Party am Strand, und Mandela tanzt in ihren schicken Leggings auf dem Tisch. Und es ist auch ganz unwichtig, dass Willi als Schiedsrichter eigentlich hätte pfeifen müssen, denn barfuß ein Tor zu schießen, ist verboten.
Kommentar
Hermann Schulz:
Mandela und Nelson: Das Länderspiel
Die ganze ernsthafte Begeisterung der Kinder wie der Erwachsenen gehört dem Fußball. Als sie eine Gelegenheit bekommen, sich zu bewähren, kennt ihre Erfindungsgabe und Kreativität kein Grenzen. In Bagamoyo gib es weder ein richtiges Spielfeld oder Tore, noch verfügen die jugendlichen Spieler über Fußballschuhe oder Trikots. Ganz nebenbei erfährt man, wie wenig man all diese Dinge wirklich benötigt, wie viel man improvisieren kann und trotzdem Spaß an der Sache hat – vorausgesetzt, man kann die Ziegen vom Spielfeld abhalten. Und das Spiel selbst macht alle gleich – egal, woher sie kommen. Da zählen nur noch Spielfreude, gute Technik, Kraft, Ausdauer und die Tordifferenz. Über den Fußball wächst man zusammen, auch wenn man aus so unterschiedlichen Welten kommt wie die tansanischen Kinder und ihre deutschen Gegner im Match. Willi, der vom Lehrer Maeda Haji nach dem Spiel zu einem Schlussgebet aufgefordert wurde, drückt das so aus: "Als du, Gott, das Spiel abgepfiffen hast, waren wir nur noch glücklich. Es gab keine Verlierer und keine Gewinner. Du hast uns Begeisterung geschenkt, Vergessen des schwierigen Alltags, aller Ängste und unserer und eurer Probleme. Wir waren in dieser Stunde wie bunte Steine in deiner Hand, egal ob schwarz oder weiß, Christ oder Muslim."
Man mag die Geschichte vielleicht ein bisschen zu sehr idealisiert finden, so wie der Junge Nelson vielleicht ein bisschen zu selbstbewusst, erwachsen und souverän daherkommt, aber was macht das schon? Die Geschichte ist wunderbar erzählt, spannend bis zur letzten Minute, und sie ist farbig, ohne exotisch zu sein. Viele der Charaktere, die in dem Buch beschrieben werden, gibt es tatsächlich, und auch das Fußballspiel geht auf einen Besuch zurück, den Hermann Schulz zusammen mit einer Redakteurin der Hafenstadt Bagamoyo abgestattet hat, um ein Radiofeature vorzubereiten. "Wir besuchten zunächst ein paar Schulen, trafen den Gründer des Fußballclubs ("Saadani Social and Sport Club") Maeda Haji, den recht verwahrlosten Fußballplatz und strichen durch die Gegend. Ich nahm einfach die Eindrücke auf: Kinderarbeit am Strand, Bettler, Heimkehr der Fischer, Boote aus Sansibar, den Fußballplatz ohne Linien oder Tornetze. Die Jugendlichen und Kinder, Jungen und Mädchen, spielten leidenschaftlich, wenn auch meist mit selbstgemachten Bällen, barfuß oder mit zerlumpten Turnschuhen." Eine Fußballpartnerschaft mit einem deutschen Verein entstand durch die Reise, und Hermann Schulz erinnerte sich an eine Geschichte über einen Nelson und seine Schwester Mandela, die schon lange darauf wartete, geschrieben zu werden.
Hermann Schulz ist nicht nur ein Verleger und erfolgreicher Autor, sondern auch ein engagierter Christ, dem es immer wieder um konkrete Solidarität geht, und so ist es konsequent, dass am Ende des Buchs "Brot für die Welt" für seine Fußballprojekte in aller Welt, vor allem aber in Afrika, wirbt. Dennoch ist die Geschichte vom Fußballspiel in Bagamoyo weit mehr als eine bloße Illustrierung zu Solidaritätsprojekten. Der Erfolg gibt dem Buch recht: Bereits vor dem Erscheinen des Romans musste die zweite Auflage gedruckt werden. "Mandela und Nelson" ist einfach eine wunderbare Fußballgeschichte, die man allen fußballbegeisterten Kindern ab 8 Jahren zur Begleitung der Weltmeisterschaft und natürlich auch danach in die Hand geben sollte!










