Marc Engelhardt

Somalia. Piraten, Warlords, Islamisten

© Brandes & Apsel
© Brandes & Apsel

Somalia. Piraten, Warlords, Islamisten

Marc Engelhardt
Frankfurt/M: Brandes & Apsel, 2012
247 S.
978-3-86099-892-2

Dieses Buch ist das Fazit zahlreicher Reisen in ein Land, das seit über 20 Jahren ohne eine Staatsordnung existiert. Engelhardt informiert historisch über den Absturz, der in immer tieferes Chaos führte, gibt aber auch einen lebendigen Einblick in das Wüstenland am Horn von Afrika und in die erstaunliche Durchhaltekraft der Somalier.

Als der Diktator Siad Barre 1991 aus Mogadischu vertrieben wurde, konnten die untereinander verfeindeten Rebellengruppen das Machtvakuum nicht füllen. Die Operation „Black Hawk Down“, mit der die Amerikaner, befeuert durch die Aussicht auf Ölfunde, die Warlords bekämpfen wollten, endete in einer traumatischen Niederlage der US-Armee. Die ausländischen Mächte zogen ab und überließen das zerrüttete Land sich selbst. Zwanzig Jahre später haben sich die Kriegsgewinnler in Somalia gut eingerichtet und wollen gar keinen Frieden. Für sie gibt es alles: gute Handy-Verbindungen, DSL und moderne Geländewagen. Zwar ist der Flughafen zerstört, aber auf privaten Rollbahnen verkehren regelmäßig Maschinen. Private Netze versorgen diejenigen mit Strom, die es sich leisten können, nur die Wasserversorgung bleibt problematisch. Unter dem Schutz der UN hat sich eine politische Klasse etabliert, die um die Welt jettet, aber Somalia kaum betreten kann. Gefährlich ist auch die Arbeit von Hilfsorganisationen; viele sind es nicht mehr, die sich nach Somalia wagen. Krankenhäuser, Schulen existieren kaum. An den Hilfsgütern, auch während der großen Hungersnot 2010, werden somalische Händler reich. Das Leiden der großen Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist unvorstellbar.

Drei „Staaten“ haben sich auf dem Gebiet des ehemaligen Somalia gebildet: Somaliland im Norden, das sich 1991 einseitig zur Republik erklärt hat, Puntland, wo Piraterie den wichtigsten Wirtschaftsfaktor stellt - ein lukratives Geschäft, in das auch exilsomalische Investoren sowie zunehmend islamistische Gruppen verstrickt sind. Die somalische Küste wurde zum Abladeplatz für Giftmüll, und Trawler aus Europa und Asien fischen illegal in den Gewässern, die durch keine Küstenwacht geschützt werden. Inzwischen wurden die Milizen der Al-Shabab von Truppen der Afrikanischen Union mit Unterstützung amerikanischer Drohnen aus Mogadischu vertrieben. Aber wird sich die Situation tatsächlich zum Besseren wenden? Mit Marc Engelhardt möchte man es hoffen.