Max Blaeulich

Kilimandscharo zweimeteracht

Max Blaeulich
Salzburg: Residenz Verlag, 2005
255 S.
ISBN 978-3-701-71424-7

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts begibt sich ein skurriles Vierergespann von Österreich aus auf eine Afrika-Expedition: der Architekt Krumpke, der Arzt Stackler, der Fotograf und Kameramann Weiss und Tierpräparator Kranich durchstreifen zusammen mit circa zweihundert Trägern einen Teil des vermeintlich dunklen Kontinents. Für die bereits im Verfall befindliche Österreich-Ungarische Donaumonarchie wollen Sie in Ostafrika-Uganda ein "Österreich-Uganda" errichten. Dazu sondieren sie das Territorium, wobei in ihrem Fall "Sondieren" nicht nur das Kartographieren von Landschaften, sondern auch das Vermessen von Menschen meint – und das nicht ohne rassenphysiologische Hintergedanken, denn Stackler entwickelt bei diesen Untersuchungen eine Vorliebe für die Vermessung von Geschlechtsteilen (sein Lieblingsinstrument ist der Erektometer).

Aber auch seine Reisebegleiter sind wahre Exzentriker auf ihren Gebieten: Kranich ist von dem Wahn besessen, Menschen auszustopfen, Krumpke würde am liebsten einen ganzen afrikanischen Stamm in den Schönbrunner Tiergarten verfrachten – in ein lebensnahes Menschengehege, versteht sich. Weiss schließlich malt sich ständig neue Filmszenarien aus. Als sie an eine Stelle kommen wo Elefantenknochen aufgeschichtet liegen, entwirft Weiss ein blutrünstiges Horrorszenario: die Wilden sollen das Fleisch eines zusammengebrochenen Elefanten essen und er meint "Die müssen das roh fressen, das Blut im Gesicht (…), das muß den Budapester Adel von den Sesseln reißen."

Man sammelt Menschen, so auch den titelgebenden "Helden" Kilimandscharo, den sich Stackler als Diener hält. Wegen seiner Größe wird er als "Kuriosität" betrachtet und nach Wien verfrachtet, wo Stackler in einem extra für diese Zwecke eingerichteten Labor pseudomedizinische Versuche an Kilimandscharo durchführen kann – in dem festen Glauben daran, einen Beweis für die Überlegenheit der weißen Rasse gefunden zu haben.

Sarkastisch und satirisch schildert Blaeulich die Expedition, ihre Folgen und Teilnehmer aus wechselnden Perspektiven.

Max Blaeulich: Kilimandscharo zweimeteracht

Blaeulich hat in seinem Roman "Kilimandscharo zweimeteracht" eine Satire auf eine Entdeckerreise geschrieben, die sich wirklich am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts abgespielt hat.Mehr ...