Stefanie Gercke

    Stefanie Gercke: Ich kehre zurück nach Afrika

    Rezension

    Dieser autobiographische Roman ist der kritische Blick einer Deutschen auf die südafrikanische Gesellschaft der 60er Jahre auf dem Höhepunkt der Apartheid. Die Autorin bringt in diesem Roman einerseits ihre allgemeinen Erfahrungen mit Afrika zum Ausdruck, andererseits ihre persönliche Meinung zu einer "getrennten Entwicklung der Rassen". Durch die Naivität und vor allem den Nonkonformismus Henriettas lernt der Leser die Mechanismen des Rassismus in Südafrika kennen. Infolge der von ihr gestellten Fragen nach dem alltäglichen Verhalten der Weißen gegenüber den Schwarzen werden die fanatische Rechtfertigung und die Banalität der Apartheid zu Tage gefördert. So offenbart Gerckes Roman mit aller Deutlichkeit die Absurdität der Rassentrennung in Südafrika. Anhand der Analyse des liberalen Journalisten Neil sowie der Henriettas wird dem Leser ebenso bewusst, dass es vollkommen illusorisch ist, wenn die weiße Minderheit die schwarze Mehrheit zum Schweigen verurteilen will. Der Schwarze ordnet sich dem Weißen doch nur unter, weil er auf den richtigen Augenblick wartet, um ihn niederzuschlagen. Unter der Oberfläche der Unterwürfigkeit der "Negerbastarde" brodelt die Revolte.

    Dieser Roman stellt eine südafrikanische Gemeinschaft dar, die das Apartheid-System zu billigen scheint. Dies System macht es der deutschen Einwanderin Henrietta schwer, sich zurechtzufinden. Die Apartheid erscheint im Text von Stefanie Gercke als System der Entpersonalisierung, in dem der Einzelne seine Identität verliert, um auf seine Rassenzugehörigkeit reduziert zu werden. Alle, die es wie Henrietta ablehnen, sich diesem System anzupassen, werden von diesem zerstört oder ausgeschlossen. Der Roman darf jedoch nicht als ein dualistisches Bild der südafrikanischen Gesellschaft angesehen werden, denn er enthält ebenso eine unbestechliche Kritik der schwarzen als auch der weißen Gemeinschaft. Dennoch hat der Roman von Stefanie Gercke das Verdienst, die Abnormität einer Regierung darzustellen, die nur von wenigen Europäern kritisiert wurde. Es wäre interessant, einen Vergleich folgender Romane vorzunehmen, die je auf ihre Weise die Situation in Südafrika beschreiben: "Cry the beloved country" von A. Steward Paton, "Eine weiße heiße Jahreszeit" von André Brink, "Einen Schritt vor, drei Schritte zurück" von Kateb Yacine und "Ich kehre zurück nach Afrika" von Stefanie Gercke. Im Klartext geht es darum, die verschiedenen Schilderungen der südafrikanischen Gesellschaft miteinander zu vergleichen, um die Komplexität dieser Gesellschaft zu erkennen.

    Alioune Sow