Georg Meier

Härte 10

Georg Meier
Berlin: Dittrich, 2009
383 S.
ISBN 978-3-937717-34-0
In der zerstörten hessischen Kleinstadt Gießen schlägt sich Heinrich Witt im Sommer 1947 als Transportunternehmer, Schwarzmarkthändler und Drogendealer durch. Mit von der Partie sind der polnische Fremdarbeiter Stani, der Ostpreuße Otto und die resolute Kommunistin Erna, der Ganove Ziervogel und dessen Freundin Jana, eine Zigeunerin.

Während die Protagonisten ihren windigen Geschäften nachgehen, saufen, sich prügeln und ihre Umwelt deftig kommentieren, wird auf einer zweiten Erzählebene das abenteuerliche Leben Witts aufgerollt - beginnend mit seiner Kindheit in Gießen als Sohn eines Uniformschneiders bis zu seiner Flucht vor dem Ersten Weltkrieg über Hamburg in die Kolonie Deutsch-Ostafrika, wo er Angestellter einer Handelsniederlassung wird.

Als sein Chef, ein „verkommener Bure“, im Alkoholkoma krepiert, bringt Witt dessen Diamanten in seinen Besitz. Er bandelt mit der Farmerstochter Emilie an, bevor er in die Schutztruppe eingezogen wird und im Gefolge des versoffenen Leutnants Grosskötter ziellos durch die Kolonie stolpert. Der hochgebildete Blücher, ein schwarzer Askari (Söldner der deutschen Truppe) organisiert die Fahnenflucht mit einem geklauten britischen Kleinflugzeug. Über Arabien gelangen die beiden in die Türkei, wo die gestohlenen Diamanten ihnen ein komfortables Leben ermöglichen.

Nach Ende des ersten Weltkrieges kehrt Witt nach Deutschland zurück, erwirbt in der Inflationszeit günstig ein Hotel in Hamburg, heiratet Emilie und bekommt einen Sohn und eine Tochter. Frau und Tochter, beide stramme Nazis, kommen bei der Bombardierung Hamburgs im zweiten Weltkrieg ums Leben. Bei Kriegsende strandet Witt wieder in Gießen, wo auch sein Sohn Franz, ein ehemaliger SS-Mann und späterer NPD-Funktionär lebt. Dessen Frau bringt Martin zur Welt, Kind eines schwarzen Besatzungsoffiziers. Witt behandelt Martin wie seinen eigenen Sohn und vermacht ihm den Rest der Diamanten, bevor er im Suff stirbt. 1968 überlässt Martin seinen Anteil an der Transportfirma dem Polen Stani und macht sich auf den Weg nach Süden, auf dem Hippie-Trail mit Haschisch und Jimi Hendrix.

    Georg Meier: Härte 10

    Man kann sich diesem Roman am besten nähern, wenn man ihn als Schelmenroman versteht: Die Welt ist schlecht und unberechenbar und wird es bleiben, der Held schlägt sich mit allerlei Tricks durchs Leben, von Moral ist nicht die Rede.Mehr ...