Arnold Stadler

Ausflug nach Afrika

von Arnold Stadler
Köln: DuMont, 2006.
ISBN 3-8321-7974-7
In der „Vorgeschichte“ seiner Afrikafahrt beschreibt Engelbert Hotz sein Leben als Sohn eines „Viehhändlers, Landhandel- und Gasthofmetzgerei-Imperiums“ in einem kleinen Dorf im Hotzenwald. Nur 1,59 m klein, wird er überall übersehen und von niemandem geliebt. Er selbst hält sich für wertlos. Aber seit er den Diavortrag eines Priesters sah, der für die Mission in Guinea-Bissau sammelte, träumt er von Afrika: „Da waren die Palmen. Und dann gab es dort, wie ich wusste, noch richtige Menschenfresser. Ich wollte gefressen werden. Manchmal hatte ich, nach allem, genug vom Leben. Auch dachte ich, dass ich auf diese Weise doch noch zu etwas nützlich sein könnte. Und dazu als etwas Besonderes.“ Die „afrikanische Insel in meinem Kopf“, so Engelbert, wurde ein „Joint-Venture aus Sehnsucht und Enttäuschung, aus Paradiesischem und Schmerz, aus Rettungswillen und Entsagung, aus Flucht und Aufbruch, dem In-die-See-Stechen der größten Abenteurer gleich. Ich war Flüchtling und Pionier, ein Unding.“

Im zweiten Teil bricht Engelbert tatsächlich auf, nachdem Adeltrudis, Krankenschwester in einem Entwicklungshilfeprogramm auf den „Inseln von Bissau“, ihn eingeladen hat, wenn auch nur pro forma. Nach kurzen Stationen in Lissabon und Dakar erreicht er die Inseln, deren Schönheit ihn zunächst überwältigt. Schnell aber muss er feststellen, dass seine Sehnsucht auch hier nicht gestillt wird. Adeltrudis, die als „Madame Mami“ in einem alten portugiesischen Palast wie eine Herrscherin residiert, ignoriert ihn, und er selbst muss feststellen, dass ihn die Reise nicht vom Leiden am eigenen Ungenügen erlöst: „Die Palmen waren praktisch dieselben. ...ja, es sah alles fast so wie zu Hause aus, nur Palmen anstelle der deutschen Linde...“

    Arnold Stadler: Ausflug nach Afrika

    Diese Erzählung ist die ausweglose Geschichte eines Menschen, der den Kategorien einer leistungs- und erfolgsorientierten Gesellschaft nicht gerecht wird.Mehr ...