Herero

Inhalt

Gerhard Seyfried:
Herero
Frankfurt am Main: Eichborn, 2003
603 S.
ISBN 3-8218-0873-X
Taschenbuchausgabe: Aufbau Taschenbuch Verlag, 2004

Auf den Stoff der Herero wurde Seyfried nach einer Namibiareise für das Goethe-Institut aufmerksam. Er hat mehrere Jahre über das Leben der Eingeborenen und der Deutschen in den Kolonien recherchiert. Vor den Hintergrund eines der dunkelsten Kapitel deutscher Kolonialgeschichte erzählt Gerhard Seyfrieds Herero von deutschen Siedlern, deutschen Generälen und aufständischen Hereros in den Weiten Afrikas.

    Kommentar

    Gerhard Seyfried: Herero

    Gerhard Seyfrieds "Herero", im Frühjahr 2003 erschienen, ist ein Wiedergutmachungs-Roman, der im sachlichen Ton von Schulfunksendungen das erste Jahr des Krieges gegen die Herero schildert. Der Titel "Herero" ist irreführend: nicht die Herero stehen im Zentrum, sondern der naive junge Kartograph Carl Ettmann. Er reist aus Abenteuerlust nach Südwestafrika und ahnt nicht, dass seine Profession, das Anfertigen von Karten, dazu dient, afrikanische Völker zu enteignen und zu vernichten. Unfreiwillig wird er selbst Teil des Kriegsgeschehens. Er verurteilt stellvertretend für den Leser das rassistische und imperialistische Verhalten von Militärangehörigen und ringt selbstkritisch um eine eigene Haltung zum deutschen Kolonialismus.

    Immerhin gibt Seyfried in den Passagen, in denen er in epischer Figurenperspektive die Sicht der Herero-Häuptlinge Samuel Maharero und Zacharias Zeraua sowie des Boten Petrus auf die Ereignisse schildert, den Afrikanern ihre Stimme zurück: denen, die mit den Deutschen zusammenarbeiten, denen, die von den Deutschen ausgebildet wurden und ihr Wissen gegen die Kolonisatoren verwenden und denen, die unter der Ausbeutung durch die Deutschen leiden und versuchen, sich vom Joch des Kolonialismus zu befreien. Dabei räumt er mit der Legende vom entwicklungspolitischen Aspekt der Kolonien auf, schildert Enteignung, Betrug. Klassenjustiz. Hannah Arendts These von der Vorbereitung des Holocaust durch die Vernichtung der kolonisierten Völker deutet er mit Äußerungen des Generals von Trotha und der Schilderung seiner Anweisungen an. Wegen seiner außerordentlichen Grausamkeit wurde von Trotha im November 1905 aus Südwestafrika abberufen.

    Aus: GOETHE, Zeitschrift für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts, 2/2003: S. 26 (Beitrag von Mechtild Manus mit dem Titel "Widerstreitende Erinnerungen an eine gemeinsame Geschichte")

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