Inhalt
Narrengold
Löhrbach: Werner Pieper & The Grüne Kraft, 2004
129 S.
ISBN 3-922708-35-8
Luisa Francias Roman, im Untertitel als "Ökokrimi" bezeichnet, spielt in Mali. Alex Felder, die Ich-Erzählerin, ist Kinderbuchautorin und trauert um den Verlust ihres Lebensgefährten Otto, der als Privatdetektiv in Kairo ums Leben kam. Um sich abzulenken und um Ottos Teilhaber Paul zu helfen, der die Detektei nicht aufgeben will, lässt Alex sich dazu überreden, nach Mali zu fliegen, um ihm bei einem neuen Fall zu helfen: Sie soll den Sohn eines reichen französischen Geschäftsmannes suchen, der an der Rallye Paris-Dakar teilgenommen hatte und irgendwo im Norden Malis spurlos verschwunden ist.
Widerwillig und widerstrebend reist sie nach Mali, und hat anfangs große Probleme mit der Härte des Klimas, der Armut und dem Elend auf den Straßen. Bald jedoch ist sie fasziniert von dem Sahelland, der Wärme und Freundlichkeit seiner Menschen, und sie gewinnt Freunde, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen.
Die Leiche des verschollenen René findet sich an einem abgelegenen Ort mitten in der Wüste, in der Nähe eines geheimen Bohrplatzes nach Uran. Er gehört Renés Vater, Maurice Gaillard, dem Auftraggeber Alex Felders. Dieser erweist sich als ein skrupelloser Geschäftsmann, der in der Verfolgung seiner Interessen in Afrika auch vor Mord nicht zurückschreckt. Die gewaltsame Vertreibung eines ganzen Dorfes, mit der der Roman beginnt, geht ebenso auf sein Konto wie letztlich die Ermordung des eigenen Sohnes: René wurde von einem deutschen Fremdenlegionär getötet, der das geheime Bohrlager bewacht. Alex Felder wird ebenfalls gefangen genommen, doch es gelingt ihr, zu fliehen. Mit der Hilfe einer Tuareg-Familie kann sie unerkannt nach Bamako zurückkehren und den Fall aufklären.
Kommentar
Luisa Francia: Narrengold
Darüber hinaus deckt der Roman die Kontinuität kolonialer Praktiken und Herrschaftsverhältnisse zwischen Europa und Afrika auf. Die skrupellose Durchsetzung europäischer Wirtschaftsinteressen im unabhängigen Mali wird vor allem an der Figur des Geschäftsmannes Maurice Gaillard deutlich. Gestützt auf die politische Elite des Landes bereitet der französische Unternehmer die Ausbeutung afrikanischer Uranvorkommen vor. Dabei nimmt er die Schließung einer archäologischen Grabungsstätte ebenso in Kauf wie die Auslöschung eines ganzen Dorfes: Der spannende Einstieg des Buches zeigt, dass nur einige Kinder überleben, als eine Gruppe von Weißen in einer Nacht- und Nebel-Aktion die einfachen Hütten mit Bulldozern niederwalzt.
Auch die klassische Form der Entwicklungszusammenarbeit ist im Roman präsent. Luisa Francia beschreibt das Milieu europäischer bzw. US-amerikanischer Wirtschaftsvertreter, Diplomaten und Entwicklungshelfer, die trotz ihres Engagements in Afrika teils in tiefer Angst und Misstrauen gegenüber den Afrikanern leben, zu denen sie privat kaum Kontakt haben.
Eine alternative Form der Zusammenarbeit zeichnet sich in der Freundschaft zwischen Alex Felder, Mamadou und dessen Cousine Fanta ab: Gegenseitige Hilfe und Unterstützung führt zur Aufklärung des Todes von René Gaillard sowie der Machenschaften seines Vaters. Gleichzeitig deckt die deutsche Detektivin damit den Mord an Fantas Familie auf - vor den offiziellen Gerichten des Landes kam die Zwangsumsiedlung nie zur Verhandlung. Alex Felder ihrerseits überlebt nur, weil sie von einer Tuareg-Familie vor dem deutschen Söldner versteckt wird, der überall nach ihr sucht, nur nicht im afrikanischen Milieu der kleinen Leute.
Am Ende des Romans kehrt die Ich-Erzählerin nach Europa zurück, doch über einen Gegenbesuch ihrer neuen Freundin Fanta in Deutschland wird die deutsch-afrikanische Freundschaft und Kooperation in die Zukunft verlängert.










