Stadt des Goldes

Inhalt

Norman Ohler:
Stadt des Goldes
Reinbek bei Hamburg:
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2002
253 S.
ISBN 3-499-22727-4
(Taschenbuch-Originalausgabe)
Englische Übersetzung:
Ponte City (David Philip, 2003)

Unmittelbar nach Ende der Apartheid zieht die junge Lucy Tshabalala von Soweto nach Johannesburg. Sie landet in Ponte City, dem inoffiziellen Wahrzeichen der Stadt: einem 54 Stockwerke hohen Wohnturm der Träume und Schrecken - dem angeblich gefährlichsten Hochhaus der Welt. Dort trifft Lucy auf Umshlanga, einen charismatischen Gangster, der sie als Drogenkurierin in die USA schickt - mit fatalen Folgen... Jahre später kehrt Lucy nach Ponte City zurück. Ihr folgt Roman Kramer, ein Hustler-Reporter aus Berlin, der nur mal schnell ans Ende der Welt reisen wollte, um ein bisschen Spaß zu haben. Doch Lucy hat noch eine Rechnung offen, und plötzlich geht es um Leben und Tod.

Quelle: lt. Verlag

    Kommentar

    Norman Ohler: Stadt des Goldes

    Ponte City gilt als das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Johannesburg: Der runde, von einer riesigen Coca Cola-Reklame gekrönte Wohnturm ist 54 Stockwerke hoch und innen ausgehöhlt wie ein fauler Zahn. Nach dem Ende der Apartheid hat sich Ponte City vom hochmodernen Wohntraum zu einem berüchtigten Schreckensbabylon gewandelt, in dem die Gewalt und das Verbrechen gären. Ponte City steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Norman Ohler, mit dem er seine beeindruckende Metropolen-Trilogie abschließt. Von New York über Berlin schwenkt sein bei "Geo" und "Spiegel" geübter journalistischer Blick nun in das urbane Zentrum Südafrikas nach dem Ende der Apartheid: "Der Kampf zwischen den Rassen war zwar offiziell beendet, doch herrschte in Wirklichkeit noch immer Ausnahmezustand."

    In einer mit avancierten Zitat- und Montagetechniken durchsetzen Prosa von kristalliner Härte und Kühle erzählt Norman Ohler in der "Stadt des Goldes" eine Geschichte der Gewalt und der Hoffnung. Sie beginnt 1992, als die achtzehnjährige Lucy aus einem der Townships nach "Jo'burg" kommt, um hier ihr Glück zu machen. Nach einer kurzen Romanze mit dem deutschen Journalisten Roman Kraner verliebt sie sich in den nigerianischen Dealer Umshlanga, der in Ponte City residiert. Er setzt sie als "Antilope", als Drogenkurierin in die USA ein. Prompt wird sie verhaftet und es beginnt eine fünfjährige Leidenstour durch amerikanische Knäste und psychiatrische Anstalten.

    Nach ihrer Haft kehrt Lucy völlig verändert nach Jo'burg zurück und trifft dort Roman wieder. Sie mieten sich in einem Penthouse in Ponte City ein und Lucy versucht ihr ausstehendes Honorar von Umshangla einzutreiben - doch dessen Herz ist nur noch ein "böser Muskel - das ist keine Halle für die Liebe mehr." Im Hochhaus-Labyrinth beginnt eine kafkaeske Odyssee und ein albtraumhafter Kampf um das Glück - bis es auf dem Dach von Ponte City zum spannenden und wie auf Zelluloid gebannten Show Down kommt.

    Norman Ohler lässt die ungeheuren Gegensätze Südafrika in der "Stadt des Goldes" vehement aufeinander prallen. Immer dichter und zwingender wird dabei die Atmosphäre, in der sich Gewalt, Hoffnung und Liebe hochenergetisch entladen. Am Rande des Abgrunds steigt die Fieberkurve unaufhaltsam und die Realität offenbart hier ihren nicht nur tragischen, sondern auch ihren durch und durch surrealen Charakter.

    Karsten Herrmann: Am Rande des Abgrunds
    Aus: Titel - Magazin für Literatur und mehr

      Links

      Kritische Ausgabe   deutsch

      Rezension von Peter Horn im PDF-Format

      Kulturnews.de   deutsch

      Kurze Rezension

      Perlentaucher   deutsch

      Kommentierte Rezensionen aus diversen Zeitungen