Die verschollene Karawane

Inhalt

Rolf Ackermann
Die verschollene Karawane
München: Knaur, 2010
429 S.
ISBN 978-3-426-63721-0
Der Abenteurer Peter Föllmer erhält von seinem Freund, dem ehemaligen Franziskanermönch Charles Bahri, einen Teil einer geheimnisvollen Karte. Kurz darauf stirbt Bahri eines grausamen Todes. Die Suche nach der Bedeutung der Karte führt Föllmer von Deutschland nach Ägypten, Venedig und an den Tanasee. Auf der Reise trifft er auf die junge Äthiopierin Jahzara. Angezogen von ihrer makellosen Schönheit stellt Föllmer fest, dass Jahzara ebenfalls eine Bekannte Bahris war und er ihr vor seinem Tod ebenfalls einen Teil der Karte hat zukommen lassen. Nur die Kombination beider Dokumente kann das Rätsel über die Bedeutung entschlüsseln und Föllmer und Jahzara müssen als Team die Suche gemeinsam fortsetzen. Weil Peter sich zunehmend zu Jahzara hingezogen fühlt, gerät seine feste Beziehung mit seiner Lebensgefährtin Yvonne ins Wanken und sie fliegt schließlich alleine zurück nach Deutschland. 

Föllmer und Jahzara kommen der Lösung des Rätsels um eine verschollene Karawane, die nicht nur Edelsteine und Juwelen, sondern möglicherweise die sagenumwobene Bundeslade transportierte, immer näher. Währenddessen sind diejenigen, die den Tod Bahris verschulden, den beiden dicht auf den Fersen. Die kleine Gruppe radikaler Araber schreckt vor nichts zurück. Sie bedrohen Föllmer und Jahzara und sie entführen Yvonne, um diese daran zu hindern, die Bedeutung der Dokumente zu entschlüsseln und den Standort der verschollenen Karawane zu ergründen.


Sandra de Kock, 2011

    Kommentar

    Rolf Ackermann: Die verschollene Karawane

    Rolf Ackermann hat Afrika als zeitweiligen Schauplatz dieses Romans gewählt. Die Verknüpfung verschiedener Schauplätze auf unterschiedlichen Kontinenten macht den Roman jedoch nicht zu einem typischen Afrikaroman. Der Protagonist Peter Föllmer reist von Deutschland nach Ägypten, Venedig und bis an den Tanasee in Äthiopien. Der rote Faden des Romans ist eine geheimnisvolle Karte, die den Standort einer Karawane zeigt, die angeblich die Bundeslade transportierte - ein von der katholischen Kirche über Jahrhunderte gehütetes Geheimnis. 

    Dank einer übersichtlichen Struktur gelingt es Ackermann, dem Leser die Informationsfülle in seinem über 400 Seiten langen Roman zugänglich zu machen, ohne ihn zu überfordern oder zu verwirren. Die zu Beginn parallel verlaufenden Handlungen verflechten sich im Laufe des Romans und werden schließlich zusammengeführt: Zum einen der Kartensammler und Abenteurer Peter Föllmer und seine Freundin Yvonne aus Deutschland, zum anderen die Äthiopierin Jahzara. In Venedig ist die Hauptfigur Commissario Toscanelli, der die Gewalttat an Charles Bahri untersucht und schließlich verschiebt sich der Fokus auf eine kleine Gruppe radikaler Islamisten in Ägypten. Alle Figuren sind durch den toten Antiquar Charles Bahri miteinander verbunden. Commissario Toscanelli untersucht den Tod des Antiquars und ehemaligen Franziskanermönchs, während sich der Protagonist Peter Föllmer aufgrund der Karte, die er von Bahri erhalten hat, zur Zeit der Morduntersuchungen auf einem Flug nach Ägypten befindet. Und schließlich erzählt der Sufi Abdul, warum sein Treffen mit Charles Bahri so unglücklich endete. 

    Zwei Hauptmotive bestimmen den Roman: Eine abenteuerliche Schatzsuche und die Beziehungskonflikte des Protagonisten Peter Föllmer. Der mysteriöse Tod des Franziskanermönchs in einem abgelegenen Kloster durch das Verschlucken eines kaum noch erkennbaren Briefes, impliziert ohne Umschweife die Verwicklung der katholischen Kirche in die Geschehnisse. Deren Verhältnis zu Nordafrika und dem Islam vor 600 Jahren veranschaulicht Ackermann, ohne dabei die Spannung des Romans zu brechen. Durch den realistisch geschilderten und historischen Bezug um das Rätsel der Karte und die bizarre Todesszene des ehemaligen Mönches im Kloster erinnert der Roman an den „Da Vinci Code“, während die abenteuerliche Reise durch die Wüste mit den ‚Bösewichten’ dicht auf den Fersen auch aus einem ‚Indiana Jones’ Film stammen könnte. Die starke körperliche Anziehungskraft des Protagonisten zu der exotischen Jahzara und die dadurch beinahe endende Beziehung zu seiner mehrjährigen Lebensgefährtin Yvonne runden den Roman ab. Die Kombination von rätselhafter Legende, Abenteuer im fernen Afrika und Romantik spricht damit ein breites Publikum an. 
     
    Dem Genre des Abenteuerromans eher fremd sind langatmige, fachsprachliche Erörterungen, die Ackermann allerdings durch viele Dialoge seiner Figuren um historische und religiöse Verwicklungen verständlicher werden lässt. Dennoch wirken manche Dialoge belehrend und oft unangebracht in der jeweiligen Situation. Trotzdem gelingt es Ackermann, die Neugier des Lesers aufrecht zu erhalten und ihn zum Weiterlesen zu animieren. Auf beinahe jeder Seite nehmen die Ereignisse des Romans eine unvorhergesehene Wendung oder es wird ein weiteres Detail dem Puzzle um die Karawane hinzugefügt.

    Ackermann spielt geschickt mit der Legende um die Bundeslade und eröffnet dem Leser eine interessante Perspektive auf die katholische Kirche im 15. Jahrhundert, ihren Einfluss auf Nordafrika und ihre Verfeindung mit dem Islam. Ackermann ist ein spannender und unterhaltsamer Roman gelungen, der für Liebhaber des Genres durchaus zu empfehlen ist.

    Sandra de Kock, 2011

      Links

      Afrikaroman.de   deutsch

      Informationen, Rezensionen und Leserstimmen zu den Afrika-bezogenen Büchern des Autors

      buchtips.net   deutsch

      Rezension von Erik Schreiber vom 28.06.2010