Stefanie Zweig

Vivian und Ein Mund voll Erde

Stefanie Zweig
München: Langen Müller, 2001
207 S.
ISBN 3-7844-2842-8
(Taschenbuch-Originalausgabe)

"Ein Mund voll Erde" ist der erste Afrikaroman der Bestsellerautorin Stefanie Zweig. Er erschien bereits 1980 und erhielt mehrere literarische Auszeichnungen. Mit "Vivian" ist der Neuauflage von 2001 eine autobiographische Einführung vorangestellt, in der die Autorin auf ca. 50 Seiten ihre persönliche Beziehung zu der Mädchenfigur in ihrem ersten Roman genauer beschreibt. Vivian ist Waise und lebt mit ihrem Vater alleine in Kenia. Dennoch gibt es viele Parallelen zur Biographie Stefanie Zweigs. Die Autorin bestätigt unter anderem, dass auch sie selbst eine enge Kinderfreundschaft und erste Liebe mit einem Kikuyu-Jungen verband, wie sie sie in "Ein Mund voll Erde" thematisiert. Die Freundschaft findet ein plötzliches Ende, als die Beschneidung und Initiation des 14jährigen mit der Abreise der Familie nach Deutschland zusammenfällt: Jogona verbringt seine letzte Nacht vor Abschluss der Initiation bei Vivian und verschwindet danach spurlos.

Im autobiographischen Teil des Buches, "Vivian", bestätigt Zweig, dass die Trennung nicht nur für den kenianischen Jungen, sondern auch für sie selbst nur schwer zu überwinden war. Im Rückblick beschreibt sie, dass sie in der ihr völlig fremden "Heimat" Deutschland lange Zeit ähnliches Heimweh empfand wie ihr Vater in Kenia, nach der Flucht der jüdischen Familie aus Deutschland. Das deutsche Mädchen, das in Afrika aufgewachsen ist, fühlt sich nicht in Deutschland, sondern in Kenia zu Hause, und die Autorin bekennt, dass nicht nur ihre literarische Figur, sondern auch sie selbst als Siebenjährige darum gebetet habe, der große Kikuyu-Gott Mungu möge sie schwarz werden lassen und zu "einer respektierten Kikuyu-Frau mit einer großen Hütte und vier Töchtern" machen.

Der Titel des Buches, "Ein Mund voll Erde", spielt auf das Freundschaftsbündnis der beiden Kinder an und den Kikuyu-Brauch, die Ehrlichkeit eines Schwurs dadurch zu bekräftigen, dass man Erde schluckt - ein anschließender Hustenreiz ist ein Zeichen dafür, dass der Schwörende nicht die Wahrheit spricht.

    Stefanie Zweig: Vivian und Ein Mund voll Erde

    Wie in Stefanie Zweigs Roman "Nirgendwo in Afrika", so zeichnet auch "Vivian und Ein Mund voll Erde" ein breites und vielseitiges Bild des europäischen Lebens im kolonialen Kenia. Am Beispiel jüdischer Emigranten, englischer Abenteurer wie Klinghorn, oder auch der burischen Siedlerfamilie DeBruin werden Gemeinsamkeiten, aber auch Differenzen und Spannungen zwischen den verschiedenen Siedlergruppen und den englischen Kolonialherren deutlich.Mehr ...