Ticket nach Berlin


Die Teams

Sechs junge Deutschlerner aus aller Welt brechen in zwei Teams zu einer Abenteuerreise quer durch Deutschland auf. Ein Team startet im Norden Deutschlands auf der Insel Pellworm, das andere am Rand der Alpen ganz im Süden. Der Weg in die Hauptstadt ist nicht einfach: Die Kandidaten wandern durchs Wattenmeer, starten bei einem Seifenkistenrennen und studieren die komplizierten Regeln eines deutschen Kleingartens. Mal müssen sie zeigen, wie sportlich sie sind, mal zählen kreative Ideen und Teamgeist, um die Lösung zu finden. Besonders wichtig sind aber immer die Deutschkenntnisse, damit die Teams dem Ziel in Berlin näher kommen.

Team Süd

  • Team Süd: Kristina Foto: Martin Magunia
    Kristina aus Nowosibirsk war die russische Kandidatin von Ticket nach Berlin.
  • Team Süd: Kristina Foto: Jonas Bertelsen Enge
    Kristina: Die 21-jährige Pädagogikstudentin lernt seit 12 Jahren Deutsch.
  • Team Süd: Kristina Foto: Jonas Bertelsen Enge
    Kristina: „Es war toll, all die Orte zu sehen, die ich nur aus dem Lehrbuch und Erzählungen meiner Lehrerin kannte.“
  • Team Süd: Kristina Foto: Jonas Bertelsen Enge
    Kristina: Von Kälte keine Spur: Die junge Russin aus Sibirien nutzte jede Pause zum Tanz.
  • Team Süd: Kristina Foto: Jonas Bertelsen Enge
    „Ich finde die Deutschen machen alles sehr gründlich. Deswegen sind sie manchmal etwas langsam.“
  • Team Süd: Jonas Foto: Martin Magunia
    Jonas kommt aus einem kleinen Dorf im Norden Norwegens und wohnt heute in der Hauptstadt Oslo.
  • Team Süd: Jonas Foto: Nasser O. Ahmed
    Jonas: „Die Zugspitze war bildschön!“
  • Team Süd: Jonas Foto: Nasser O. Ahmed
    Jonas: Mit 29 Jahren war der Norweger, der seit 13 Jahren Deutsch lernt, der älteste Kandidat von Ticket nach Berlin.
  • Team Süd: Jonas Foto: Nasser O. Ahmed
    Jonas: „Typisch deutsche Lebensfreude besteht aus Bier, Bio-Essen und Gummibärchen.“
  • Team Süd: Jonas Jonas studiert Deutsch und Geschichte und arbeitet als Norwegischlehrer.
    Jonas studiert Deutsch und Geschichte und arbeitet als Norwegischlehrer.
  • Team Süd: Nasser Foto: Martin Magunia
    Mit 20 Jahren war Nasser aus Kairo der jüngste Teilnehmer von Ticket nach Berlin.
  • Team Süd: Nasser Foto: Joachim Quandt
    Nasser: „Umweltfreundlichkeit ist typisch deutsch. Alle kümmern sich um die Natur.“
  • Team Süd: Nasser Foto: Jonas Bertelsen Enge
    Nasser: Der Germanistikstudent stellte sich als „ägyptischer Revolutionär“ vor.
  • Team Süd: Nasser Foto: Jonas Bertelsen Enge
    Nasser: „Die Aufgaben waren sehr interessant und haben uns viel beige- bracht. Man kann mit Spaß Deutsch lernen!“
  • Team Süd: Nasser Foto: Daniel Pasche
    Auf der Abenteuerreise quer durch Deutschland war Nasser sehr an sozialen und politischen Themen interessiert.

Kristina aus Russland
Die junge Russin lebt in der größten Stadt Sibiriens, in Nowosibirsk. Die 21-jährige Pädagogikstudentin lernt seit zwölf Jahren Deutsch.

Kristina, was war bei der Abenteuerspielshow „Ticket nach Berlin“ die größte Herausforderung für dich?
Die sportlichen Aufgaben waren für mich sehr anziehend, aber auch anstrengend. Unser erster Zielort war Garmisch-Partenkirchen und die Zugspitze. Das Wetter war dort wie Frühling in Russland, aber wie Winter in Ägypten. Nasser war gleich erkältet. Wir sollten dann in München Waveboard fahren, jeder drei Runden. Alles nicht einfach, trotzdem war es cool und unvergesslich.

Was hat dich an Deutschland überrascht? Gab es etwas, das total neu für dich war?
Obwohl ich seit etwa 10 Jahren mit der deutschen Kultur vertraut bin, wusste ich nichts von der Existenz von Mehrgenerationenhäusern in Deutschland. In Offenbach haben wir in einem solchen Haus das Theaterstück „Rotkäppchen“ aufgeführt. Als Rotkäppchen war ich im Magen von Jonas-Wolf. Kein angenehmes Gefühl, verschlungen worden zu sein.

Was gefällt dir an Deutschland besonders gut?
Was ist Deutschland überhaupt? Ich denke, nicht jeder Deutsche könnte diese Frage ohne Umstände beantworten. Aber die Erinnerungen an unsere Reise quer durch das Land sind nur positiv und erwärmen mich im kalten Sibirien.

Ein Wort zur deutschen Küche…
Kennen Sie ein typisches Gericht aus Magdeburg? Nein? Woher sollten wir es dann wissen? In Magdeburg kannten viele Einwohner, die wir gefragt haben, auch keins. Das war eine schwierige Aufgabe für uns. Schließlich haben wir dann mit großer Mühe eins in einem Rezeptbuch entdeckt – Quarkkeulchen! Ansonsten war ich von der Größe, Appetitlichkeit und Andersartigkeit der Speisen und Getränke fasziniert: Schnitzel, Maultaschen, Apfelschorlen, Mineralwasser mit Kohlensäure, Weißwürstchen, Brezel, Marzipan und vieles mehr. Es war so kompliziert, sich in Form zu halten, aber wie "echte Hollywood-Stars" haben wir unsere Magengeräusche irgendwie beruhigt...

Du hast viele Jahre Deutsch gelernt. Aus deiner Sicht: Worin liegen die größten Schwierigkeiten, wenn man als Russin/Russe die deutsche Sprache erlernt? 
Im Kopf … Ich versuche es zu erklären: Die deutsche Sprache ist wie ein vielstöckiges Gebäude, das aus kleinen Ziegelsteinchen gebaut wird. Zuerst legt man den Grundstein, der aus „hallo-wiegehtesdir-tschüss“ besteht. Es ist das Leichteste in jeder Sprache. Dann legt man der Reihe nach weitere Ziegelsteine (Phonetik, Grammatik, Lexik usw.) aufeinander. Es wird immer komplizierter und komplizierter. Wenn man nur einen Ziegelstein nicht richtig legt, wird das Gebäude schief und man kann da nicht mehr wohnen.

Stell dir vor, du würdest in deiner Lieblingsstadt München leben. Wo sind dort deine bevorzugten Plätze? Was würdest du aus deiner Heimatstadt Novosibirsk vermissen?
In München gibt es viele wunderbare Plätze, aber ich mag vor allem die Leute. Sie sind da so freundlich, offen, natürlich. Das fehlt meistens in Novosibirsk. Aber ich könnte dort trotzdem nicht leben, weil nichts die Heimat ersetzen kann.

Interview: Karoline Rebling
Jonas aus Norwegen
Jonas kommt aus einem kleinen Dorf Norwegens und lebt heute in der Hauptstadt Oslo. Der 29-Jährige studiert Deutsch und Geschichte und arbeitet als Norwegischlehrer. Er lernt seit 13 Jahren Deutsch.

Jonas, du warst Kandidat bei „Ticket nach Berlin“. Erzähl bitte, wie war das für dich…
Wir hatten unterwegs so viel Spaß und es gab so viel Inspiration und nette Leute, aber auch Herausforderungen. Zum Beispiel wollten einige Menschen nicht vor die Kamera, als wir bei den Aufgaben Hilfe benötigten. Manchmal hatten wir Schwierigkeiten mit neuen Dialekten. Die Stimmung im Team war aber dennoch immer gut.

Du lernst seit vielen Jahren Deutsch. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe mit 13 in der Schule zum ersten Mal Deutsch gelernt, aber bin total gescheitert. Trotzdem habe ich drei Jahre später wieder damit angefangen und durch die Unterstützung einer guten Lehrerin lernte ich diesmal besser. Danach ging ich ein Jahr als Austauschschüler nach Deutschland. Meine Gastfamilie lebte direkt in der Innenstadt von Hamburg. Am Anfang verstand ich nichts und habe nur gelächelt und zugehört. Aber nach einem Jahr konnte ich fast alles verstehen.

Erinnerst du dich an dein erstes deutsches Wort?
Heute weiß ich, dass die norwegische Sprache total von deutschen Wörtern beeinflusst ist. Das erste Wort, das ich in einem Wörterbuch gesucht habe, war „Traum“, weil ich damals Fußball gespielt habe und den Traum hatte, bei Borussia Dortmund zu spielen - die hatten damals gerade die Champions League gewonnen.

Viele Ausländer sagen, dass Deutsch eine schwere Sprache ist. Was ist deiner Meinung nach wichtig beim Deutschlernen? Hast du einen persönlichen Tipp?
Deutsch ist meiner Meinung nach nicht so schwierig. Ich habe später versucht, Französisch zu lernen und das war viel schwieriger, weil die Schriftsprache und die Aussprache so unterschiedlich sind. Im Deutschen ist das ziemlich ähnlich und es gibt nicht allzu viele Ausnahmen, wenn man die Grammatik lernt.

Mein Tipp ist: Vergiss einfach den Gedanken, dass Deutsch schwierig ist und beschäftige dich so viel wie möglich mit der Sprache: Texte lesen, Musik hören, Filme gucken, mit Deutschsprachigen im Internet chatten und schleunigst nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz reisen.

Was gibt es an Deutschland noch Überraschendes, wenn man als Norweger schon so oft hier war?
Die Vielfältigkeit von Kultur, Wirtschaft, Natur und Menschen in Deutschland hört niemals auf mich zu überraschen. Ich hoffe, dass „Ticket nach Berlin“ das gut vermitteln kann. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es so eine reiche Weinkultur außerhalb des Moseltals gibt und dass Münchner so gut rappen können, wie Einshoch6, eine Band, die wir am letzten Tag kennen gelernt haben.

Was gefällt dir hier besonders gut? Oder auch weniger?
Deutschland hat so viele schöne Städte. Großstädte wie Berlin, Hamburg und München sind kulturelle Metropolen, zu denen ich wahrscheinlich mein ganzes Leben zurückkehren werde. Außerdem gibt es eine Reihe kleinerer Städte, die nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, aber für mich als Norweger atemberaubend sind. Beispiele sind die Innenstadt von Münster, die alte Architektur von Regensburg und die freundliche Stimmung auf den Weihnachtsmärkten, besonders in Lübeck. Ich mag auch, dass die meisten Deutschen sehr offen sind. 
Was mir nicht gefällt, ist, dass viele junge Deutsche meiner Generation Schwierigkeiten haben, einen guten Job zu finden und stattdessen immer wieder ein Praktikum machen müssen. Die Zugtarife sind auch viel zu hoch.

Was vermisst man als Norweger in Deutschland?
Im Norden vermisse ich die Berge, im Süden das Meer. Zu Hause in Nord-Norwegen habe ich beides, aber leider nicht die enorme kulturelle Vielfalt, die ich an Deutschland mag.

Interview: Karoline Rebling
Nasser aus Ägypten
Der Germanistikstudent wohnt in Kairo und ist mit 20 Jahren der jüngste Teilnehmer von Ticket nach Berlin. Er lernt seit vier Jahren Deutsch und ist sehr an sozialen und politischen Themen interessiert.

Nasser, was hat dich an Deutschland und den Deutschen überrascht?
Ich war von der Umweltfreundlichkeit sehr beeindruckt. Grüne Landschaften, von der Natur geschaffen, durchziehen das ganze Land. Ich konnte mir vorher nicht einmal vorstellen, dass die Farbe Grün so schön ist. Ich lebe nämlich in Ägypten, wo es zwar auch grüne Flächen gibt, aber die sind von Menschen gemacht. Auch lernte ich früher von einem Deutschlehrer in Ägypten, dass die Deutschen sehr ernst sind und nicht lachen können. Aber das stimmt nicht: Ich habe es wirklich erlebt, wie man sich mit den Deutschen vor Lachen den Bauch hält.

Was war eine Herausforderung für dich?
In Deutschland war natürlich das Wetter eine große Herausforderung für mich. Es war wechselhaft und gleich am ersten Tag bekam ich eine Erkältung. Das Essen zählte auch dazu, da es wenige türkische Läden gab, wo ich koscheres Fleisch essen konnte. Mit der Sprache hatte ich keine Probleme, auch die verschiedenen Dialekte kann man schon verstehen - außer bayrisch.

Wo hat es dir in Deutschland besonders gut gefallen? 
Ich war einen Monat in Freiburg, dort ist es wunderschön. Es ist eine kleine Stadt mit vielen Fahrrädern und weniger Autos, mit viel Grün und ruhigen Straßen. Aber fasziniert war ich von Berlin. Es gibt tagsüber viele Ablenkungen und nachts Leute, die bis in die frühen Morgenstunden unterwegs sind. Man sagt hier, dass Kairo die einzige Stadt in der Welt ist, die nie schläft. Ich würde diesen Spruch weiter ergänzen: Berlin ist die Schwester von Kairo!

Könntest du dir vorstellen in Deutschland zu leben?
Ja, und es war immer mein Traum, einmal nach Deutschland zu kommen. Aber ich hatte auch Angst davor… zum ersten Mal weg von meiner Familie und meiner Heimat. Ich dachte, dass ich Heimweh bekommen würde. Es kam anders und ich bin froh, dass ich diese neue Lebenserfahrung gemacht habe.

Welche Meinung haben die Ägypter über Deutschland?
Die einen, dass es dort sehr schöne Frauen gibt. Die anderen sind große Fans von FC Bayern-München. Wir schauen uns gern die Spiele dieses Fußballclubs in Cafés an, das kann dann schon mal laut werden. Wenn ein fremder Mensch vorbeiläuft, denkt er, dass es das Finale von Ägypten in der Weltmeisterschaft sei…
Wenn es um Politik und Wirtschaft geht, heißt es, dass sich Deutschland in kurzer Zeit nach dem 2. Weltkrieg entwickelt hat und jetzt in Konkurrenz zu USA und Japan steht.

Du bist wieder zurück in Kairo. Die politische Lage in Ägypten ist derzeit äußerst angespannt. Was bedeutet das für dich und deinen Alltag?
Seit der Revolution des 25. Januars 2011 habe ich mich in die Politik eingemischt. Es ist eine gute Chance, dass mir eine Fremdsprache wie das Deutsche dabei zu Hilfe kommt. Auf der einen Seite kann ich die deutschen Zeitungen lesen und mich über die Meinung der Deutschen informieren - was sie von bestimmten politischen Situationen wie in Ägypten halten. Auf der anderen Seite kann ich diese Meinungen hier den einfachen Menschen vermitteln, um sie – was das Ausland angeht - auf dem Laufenden halten zu können.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Nach meinem Germanistik-Studium möchte ich einen DaF-Master in Deutschland machen. Längere Zeit dort zu leben ist mein Ziel, um mehr über dieses fantastische Land zu erfahren. Sterben will ich aber in Ägypten.

Interview: Karoline Rebling