Feo Aladag
Geschichten zwischen den Welten
Mit zwei Filmen hat sich Feo Aladag als mutige deutsche Regisseurin profiliert. Ein mitfühlender Blick auf kulturelle Konflikte charakterisiert ihre Arbeit.
Sie hat ein Faible für risikoreiche Stoffe: Bereits in ihrem gefeierten Regiedebüt Die Fremde von 2010 über die Vorgeschichte eines Ehrenmords wagte sich Feo Aladag an ein brisantes Thema. Ihren zweiten Film Zwischen Welten, der 2014 im Wettbewerb der Berlinale lief, drehte sie in Afghanistan. Mit diesem Kriegsdrama, in dem ein Bundeswehrsoldat einen einheimischen Übersetzer und dessen Schwester zu schützen versucht, greift sie erneut ein zeitgemäßes Thema auf. Erst seit kurzem richten Politik und Medien das Augenmerk auf das Schicksal der afghanischen Hilfskräfte, die mit dem geplanten Abzug der ISAF-Truppen aus Afghanistan womöglich der Rache der Taliban ausgeliefert werden.
Deutscher Filmpreis für „Die Fremde“
2005 gründete sie mit ihrem damaligen Mann, dem Filmemacher Züli Aladag eine Produktionsfirma, um ihren ersten Langspielfilm Die Fremde drehen zu können. Sie steckte ihr ganzes Geld in die Produktion und rechnete damit, die Kosten als Schauspielerin wieder hereinholen zu müssen. Diese Sorge erwies sich dank des weltweiten Erfolgs ihres Debüts, zu dessen 47 Auszeichnungen der Deutsche Filmpreis gehört, als unnötig.
Auch Zwischen Welten, der erste deutsche Spielfilm, der mitten in einem Militärgebiet gedreht wurde, forderte einen hohen Einsatz. Die alleinerziehende Regisseurin, die während des Drehs mit ihrer kleinen Tochter auf dem Militärstützpunkt Masar-i-Scharif lebte, stand zwar unter dem Schutz der Bundeswehr und der afghanischen Polizei, geriet aber dennoch in brenzlige Situationen.
Authentische Darstellung kultureller Konflikte
Differenzierter Blick auf patriarchalische Strukturen
Gesellschaftspolitisch betrachtet, betrat Feo Aladag mit ihren Filmen ein Minenfeld. Das Publikum jedoch war berührt von ihrer vielschichtigen Inszenierung des Tabuthemas „Ehrenmord“, das sonst nur mittels empörter Schlagzeilen an die Öffentlichkeit gelangt. „Es ist höchste Zeit von den Konflikten zu erzählen, die auf dem Weg vom Bosporus nach Berlin zu überwinden sind“, sagte Claudius Seidl, Filmkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Man möchte viel mehr von diesen Filmen sehen, mehr von diesen Geschichten hören.“
Angesichts manchen Vorwurfs, „Türkenklischees“ zu bedienen, erklärte die Regisseurin: „Mich interessieren die psychologischen Mechanismen, die zu diesem Verhalten führen.“ Denn „wenn ich mein Gegenüber wirklich ernst nehme, dann darf ich auch die Dinge auf den Tisch legen, die schief laufen“. Ihr zugleich distanzierter wie mitfühlender Blick auf patriarchalische Strukturen, der auch Zwischen Welten prägt, erinnert dabei an die US-amerikanische Regisseurin Kathryn Bigelow. Sie beleuchtet ebenfalls männliche Lebenswelten.
Glaube an die ausgestreckte Hand zwischen Menschen