Projektbericht PASCH-Kunstworkshop mit Jim Avignon in der Jugendlandschule Talagante

Die TeilnehmerInnen
© Holger Beier

Jim Avignon ist einer der zur Zeit bekanntesten Künstler der Berliner Szene. Man könnte ihn als Meister der Innovation und Improvisation bezeichnen, denn seine Fähigkeit, in kürzester Zeit riesige bunte Werke zu kreieren, die eben nicht mit klassischen Vorstellungen konform gehen, sondern eher amüsierte, ironische und nachdenkliche Reaktionen hervorrufen, ist wirklich beeindruckend. Am Mittwoch, den 26. April war er zu Gast in einer Fit-Schule in Talagante, Chile. 

Zusammen mit mehr als zwanzig Schülern verwirklichte sich Jim Avignon an der gesamten Frontseite der Jugendlandschule Talagante, an der sich nun insgesamt 16 verschiedene Motive im “avignon’schen” Stil bewundern lassen. Die Motive sind groß, bunt, amüsant und vor allem allesamt von den beteiligten Schülern mit gestaltet.

Der Workshop-Tag begann mit einer kleinen Versammlung aller Teilnehmer in der Bibliothek, wo der Künstler und sein Begleiter schon bei ihrer Einführung gleich eine lockere, schülernahe und kreative Atmosphäre schufen. Das Kunstwerk, welches an diesem Tag in weniger als sechs Stunden entstehen sollte, orientierte sich an dem Titel “Hallo ABC”. Dem Titel liegt die Idee zugrunde, dass jeder Schüler sich ein deutsches Wort ausdenkt, dass mit dem Buchstaben beginnt, den er vorher nach dem Zufallsprinzip gezogen hat. Nach kurzen Runden, um Begriffe, wie Ruhe für “R”, Explosion für “E” oder Pinguin für “P” zu finden und sich auf diese als Motiv zu einigen, kostete es Jim Avignon nur einen kurzen Moment mit Bleistift und Notizblock, um die Motive vor seinem geistigen Auge zu erschaffen. Bewaffnet mit demselben Bleistift begann Avignon, die verschiedenen Wandteile mit seinen Skizzen zu füllen. Besonders ist zu erwähnen, dass er dafür lediglich dreißig Minuten brauchte und sich die Schüler direkt Pinseln und Farben zuwenden konnten.

Schnell waren die Farben angerührt und Avignon begleitete die einzelnen Schüler stets mit der passenden Farbe zu ihrem jeweiligen Motiv, gab die wichtigsten Instruktionen und Hilfestellungen und ließ ihnen dann jedoch schnell freie Hand. Avignon wirbelte, stets Farben und Motive wechselnd, zwischen den 16 Motiven, die sich insgesamt über eine Wand von gut 20 Metern erstreckten, umher. Die Orientierung verlor er beeindruckenderweise jedoch nie, denn die Vorstellung, wie das Gesamtwerk letztendlich aussehen sollte, schien er permanent vor seinem geistigen Auge präsent zu haben- eben ein richtiger Künstler.

So entwickelte die Aktion schnell eine perfekt funktionierende Eigendynamik und die Schüler hatten sichtlich Spaß, die anfänglichen Bleistift-Skizzen in bunte Gemälde zu verwandeln, die jeweils ihr eigenes deutsches Wort repräsentierten.

Zwar waren nach etwa sechs Stunden nicht nur die Wände, sondern vor allem auch die Schüler bunt, aber das Ergebnis konnte sich definitiv sehen lassen. Für die Schüler waren aus langweiligen deutschen Vokabeln, Charaktere und amüsante Motive geworden, mit denen sie sich aufgrund ihrer eigenen Arbeit identifizieren können.

Denn sie waren es, die sich den Begriff ausgedacht und

die den Bleistiftskizzen Farbe und damit Leben verliehen

hatten. Die anliegenden Bilder sollten, was die offensichtliche

Freude der Schüler während des Workshops, aber vor allem was die Qualität des Gesamtwerks angeht, für sich sprechen.

Hiermit noch einmal ein herzliches Dankeschön an Jim Avignon und seinen Begleiter Holger Bungalow für diesen professionellen Workshop und die Möglichkeit für die Schüler, sich der deutschen Sprache noch einmal von einer ganz anderen Seite nähern zu können.


Die TeilnehmerInnen © Holger Beier