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Mediathek des Festivals „Latitude“
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„Latitude“ präsentierte drei Tage lang künstlerische Beiträge und Debatten.
„Latitude“ präsentierte drei Tage lang künstlerische Beiträge und Debatten. | Grafik: © EL BOUM

Auf dem Festival „Latitude“ suchten Nanjira Sambuli, Renata Ávila Pinto, Esra’a Al Shafei und Mi You Wege zur digitalen Gleichstellung. Ihre Diskussion „Das Internet neu denken“ und viele weitere Beiträge stehen nun in der Mediathek des digitalen Festivals zur Verfügung.

Mit Anfang 20 glaubte Renata Ávila Pinto noch an das große Versprechen des Internets, die Wissensproduktion und -rezeption zu demokratisieren. Heute lacht sie über ihre naive Euphorie. „Wir mussten einsehen, dass die von Menschen erschaffenen Systeme, egal ob es um Kommunika­tions­netzwerke oder das Polizeisystem geht, von kolonialer Natur sind“, so die Juristin und Aktivistin aus Guatemala-Stadt. „Das Internet bildet da keine Ausnahme.“ Deshalb glaube sie nicht daran, dass sich das Internet in seiner heutigen Form noch reparieren lasse. Stattdessen fordert sie: „Wir müssen noch mal ganz von vorne anfangen.“

Auch Nanjira Sambuli, die kenianische Forscherin, Digitalstrategin und Moderatorin der Diskussion, wünscht sich eine weiße Leinwand, auf der ein radikal anderes Internet der Zukunft entworfen werden kann. Die Diskussion „Das Internet neu denken: Wege zur digitalen Gleichstellung“ solle sich deshalb nicht um Zehn-Punkte-Pläne drehen, wie der digitale Wandel konkret fairer gestaltet werden könne, sondern stattdessen Raum für Utopien bieten. Denn das Panel vereint Stimmen, die im Diskurs zu digitaler Ungleichheit immer noch zu selten zu Wort kommen. „Diese Diskussionsrunde setzt sich aus Expertinnen zusammen, die nicht männlich sind und nicht aus dem Westen stammen“, so Nanjira Sambuli über Renata Ávila Pinto, die Aktivistin Esra’a Al Shafei und die Kuratorin Mi You. „Wir sind hier, um eine neue Normalität zu schaffen.“

Neue Stimmen und neue Visionen sind auch deshalb notwendig, weil aktuell vor allem Staaten und große Konzerne das Internet der Zukunft entwerfen. „China ist gerade dabei, das Internet für uns neu zu erfinden“, mahnt etwa Mi You, die als Dozentin an der Kunsthochschule für Medien Köln tätig ist, und nennt als Beispiel das digitale Sozialkredit-System, mit dem die chinesische Regierung die Bevölkerung überwacht und kontrolliert. Ein Internet der Zukunft, das die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten der analogen Welt nicht in den digitalen Raum übersetzt, sondern diese durch faire Gestaltung überwindet, sei nur möglich, wenn es alle gleichberechtig mitgestalten dürfen. Für Mi You lautet die zentrale Frage daher: „Wir können wir die Rolle der Gemeinschaft in diesem Prozess wieder stärken?“

Die einstündige, englischsprachige Diskussion „Das Internet neu denken: Wege zur digitalen Gleichstellung“ sowie viele weitere Beiträge stehen in der Mediathek des digitalen Festivals „Latitude“ zur Verfügung.

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