Filmemacher Pepe Danquart Vom Drama um den Oscar zur Normalität

Filmemacher Pepe Danquart
© Nadja Klier

Pepe Danquart hat das erreicht, wovon viele seiner Kollegen nur träumen können: Der deutsche Filmemacher ist 1994 für seinen Kurzfilm “Schwarzfahrer” mit dem Oscar ausgezeichnet worden. In Deutschland hatte er sich zu dieser Zeit zwar bereits einen Namen gemacht, die Oscar-Verleihung aber katapultierte ihn sofort ins internationale Rampenlicht.

Pepe Danquart lässt sich bis heute in keine Kategorie einordnen: Er ist sowohl als Dokumentarfilm- als auch als Spielfilmmacher ausgezeichnet worden. Darüber hinaus führt er Regie bei Musikvideos, Werbefilmen und selbst bei Theaterstücken. Er ist außerdem Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences sowie der European Film Academy. Seit 2011 ist er im Vorstand der Deutschen Filmakademie, die er mitbegründet hat.

Im April 2008 erhielt Pepe Danquart eine Professur für Film an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Das Goethe-Institut lud ihn in dieser Funktion nach Indonesien ein, um dem Projekt “5 Islands/ 5 Villages” den Auftakt zu geben. Im Rahmen dieser Kooperation zwischen dem Goethe-Institut, der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Universitas Indonesia in Jakarta verbringen fünf Studierende aus Deutschland mit dem Hauptfach Film einige Zeit auf verschiedenen Inseln des indonesischen Archipels und drehen einen Film zum Thema “Zeit” und “Abgeschiedenheit”, und umgekehrt reisen in der zweiten Phase des Projekts fünf ausgewählte Studierende aus Indonesien nach Deutschland, wo sie verschiedene Dörfer besuchen und sich filmisch mit dem gleichen Thema beschäftigen.

Während seines Besuches in Indonesien wurden drei Filme von Pepe Danquart im Rahmen der ArtHouse Cinema Series des Goethe-Instituts gezeigt: „Schwarzfahrer“ zeigt den täglichen Rassismus, den ein junger Schwarzer in Berlin während seiner Bahnfahrten erlebt; „Lauf, Junge lauf!“ erzählt die bewegende Geschichte eines achtjährigen jüdischen Jungen, der aus dem Warschauer Ghetto während des zweiten Weltkriegs entkommt und allein um sein Überleben kämpfen muss; „Höllentour“ gibt Einblick in das Leben von Profi-Radfahrern, ihre Leiden und Interaktionen während der Tour de France. Nach den Filmvorführungen stellte sich Pepe Danquart in einer lebhaften Diskussion dem Publikum und sprach über seine Arbeit, das Drama, einen Oscar zu gewinnen, und darüber, was ihn als Filmemacher antreibt.

Waren Sie schon einmal in Indonesien?

Das ist meine erste Reise nach Indonesien. Ich wünschte wirklich, ich könnte länger bleiben. Die Tage hier waren außerordentlich gut.
 
Wie ist Ihnen die Nacht, in der Sie den Oscar bekommen haben, in Erinnerung geblieben?

Es war eine große Überraschung. Es war kein teurer Film; wir hatten nur ein kleines Budget, und es war schon eine große Ehre überhaupt nominiert zu werden. Als politischer Filmemacher wusste ich eigentlich gar nicht, was ich in Hollywood machte. Mein Film wurde parallel in den Staaten gezeigt, und jeder riet mir, eine Rede vorzubereiten. Schließlich kam dieser überwältigende Moment (als ich gewann) und ich sagte nur „Ein kurzer Film bedarf einer kurzen Rede. Danke.“
 
Welche Folgen hatte der Oscar auf Ihre Karriere?

Von einem Tag auf den anderen war ich ein berühmter Mensch. Ich habe mich dem einfach entzogen, indem ich mich meinem neuen Projekt gewidmet habe, einem Dokumentarfilm über das frühere Jugoslawien - zwei Jahre lang. Natürlich sind die Erwartungen nach einer Oscar-Auszeichnung sehr hoch. Jeder erwartete außergewöhnliches von mir, daher lastete enormer Druck auf meinen Schultern. Aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran. Schließlich habe ich mich von dem „Drama” einen Oscar zu gewinnen erholt.
 
Der Film “Schwarzfahrer” ist von 1993. Doch wenn wir ihn uns heute anschauen, ist er nach wie vor relevant, vor allem hinsichtlich der Flüchtlingskrise in Deutschland. Wie denken Sie über diesen Film heute?

Auf Facebook haben sich in nur zehn Tagen an die zwei Millionen Menschen einen Ausschnitt des Films wegen seines aktuellen Themas angesehen. Man erkennt, dass sich zwanzig Jahre später eigentlich nichts geändert hat. Die aktuelle Situation in Europa – und in der ganzen Welt – stimmt mich nicht sehr optimistisch, aber glücklicherweise gibt es auch eine Menge positiver Momente.
 
Sie sind ein politischer Filmemacher. Was treibt Sie an?

Ich glaube einfach an Filme, die imstande sind, Menschen zu verändern; an Filme, die jemanden in einen anderen Menschen verwandeln können; und an Filme, über die man auch lange nach dem Anschauen nachdenkt. Unterhaltung ist eine Sache, Nachhaltigkeit eine andere. Es gibt heute derart viele Filme in den Kinos, die man einmal anschaut und dann sofort wieder vergisst. Nach einer Weile wiederholt sich einfach vieles. Mich interessiert dagegen vielmehr die Beschäftigung mit realen und existentiellen Situationen von realen Menschen. Und es spielt keine Rolle, ob es ein Spielfilm, ein Dokumentarfilm oder ein Kurzfilm wird.