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Sehati Telectg and Igrow
Start-Up-Unternehmen generieren Sozialen Wandel durch Technik

CEO und Mitbegründerin von Sehati TeleCTG Anda Sapardan (links) und CPO und Mitbegründer von Sehati TeleCTG Abraham Fauzan (rechts) in den Räumen des Unternehmens in Cipete, Süd-Jakarta.
CEO und Mitbegründerin von Sehati TeleCTG Anda Sapardan (links) und CPO und Mitbegründer von Sehati TeleCTG Abraham Fauzan (rechts) in den Räumen des Unternehmens in Cipete, Süd-Jakarta. | © Milea Wijaya

Die beiden Start-ups Sehati TeleCTG und iGrow haben sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern und zur Steigerung der Ernährungssicherheit zu leisten. Hier berichten die Firmengründer über ihre Beiträge zu den Bemühungen Indonesiens, bis 2030 die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

 

Von Milea Wijaya

Indonesien, eine Inselgruppe mit 260 Mio. Einwohnern, hat sich dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2030 die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) zu erfüllen. Bei den SDG handelt es sich um allgemeine Ziele, die im September 2015 unter dem Schirm der Vereinten Nationen von 193 Ländern vereinbart wurden, um unter anderem Armut und Hunger zu beenden, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gesundheit der Menschen aller Altersklassen sicherzustellen. 
 
So wie die anderen Unterzeichnerstaaten hat sich auch Indonesien dazu verpflichtet, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung einschließlich der 169 Unterziele bis 2030 zu erreichen, um so eine nachhaltigere Zukunft für alle zu gestalten. Ein Erlass von Staatspräsident Joko Widodo aus dem Jahr 2017 verdeutlicht das Engagement Indonesiens bei der Umsetzung der Ziele. Die nationale Agentur für Entwicklungsplanung (Bappenas) wird in dem Erlass unter anderem aufgefordert, einen klaren Fahrplan zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erstellen. Allerdings wird das Engagement der Regierung allein nicht ausreichen. Viele indonesische Unternehmer haben daher Start-ups gegründet, um selbst einen Beitrag zu leisten. Ihnen geht es dabei nicht nur darum, Gewinne zu erwirtschaften. Sie haben sich ebenso zum Ziel gesetzt, einen Social Impact zu generieren.
 

Sehati TeleCTG bietet technologische Gesundheitslösungen

Das Tech-Start-up Sehati TeleCTG etwa wurde gegründet, um die Sterblichkeitsrate unter Müttern und Kindern zu verringern. Die Idee für die Gründung von Sehati TeleCTG kam zwei Experten aus dem Medizinbereich: Anda Sapardan, die seit 12 Jahren in der Medizinbranche tätig ist, und ihrem Mann Dr. Adi Waluyo, einem Arzt für Gynökologie und Geburtshilfe. Während der Gründungsphase stießen noch drei junge Technikexperten hinzu: Abraham Auzan, Rizky Rakhmat Oentoe und Endang Sri M. Ratiyo. Sie bündelten ihre Fachkenntnisse und gründeten 2016 die Sehati TeleCTG.
Eine Hebamme untersucht eine Schwangere mit einem TeleCTG-Gerät. Eine Hebamme untersucht eine Schwangere mit einem TeleCTG-Gerät. | © Sehati TeleCTG Mit dem Ziel, die Lebensqualität der künftigen Generationen in Indonesien zu verbessern, haben die Gründer eine mobile App entwickelt, um Frauen in ihrer Schwangerschaft mit Tipps und Orientierungshilfen zu unterstützen. Auf diese Weise soll die Gesundheit der Neugeborenen verbessert werden. Doch auch Hebammen können die App einsetzen, um durch eine frühzeitige Bestimmung von Risikofaktoren eine Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit zu erreichen und von Anfang an Stunting (ernährungsbedingte Wachstumsverzögerungen) vorzubeugen. „Zu den Risikofaktoren der Mütter- und Kindersterblichkeit gehören eine zu späte Diagnose und eine zu späte Überweisung zu Fachärzten. Mit Sehati kann diesen Risikofaktoren frühzeitig begegnet werden“, erklärt Anda Sapardan, CEO und Mitbegründerin von Sehati TeleCTG.
 
Stunting, einer der wesentlichen Indikatoren für die Bewertung des gesundheitlichen Allgemeinzustandes von Kindern, ist zu einem großen Problem in Indonesien geworden. Unter Stunting versteht man Wachstumsverzögerungen und eine verlangsamte Entwicklung von Kindern aufgrund von chronischer Unterernährung, Infektionen oder Krankheiten. Laut 2018 vom indonesischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Daten betrifft Stunting in Indonesien 30,8 Prozent der Kinder unter fünf Jahren. Die Zahl ist zwar von 37,2 Prozent im Jahr 2013 gesunken, allerdings ist sie noch immer weit vom Ziel der Weltgesundheitsorganisation von maximal 20 Prozent entfernt. Von Stunting betroffene Kinder leben später tendenziell in wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen, da sie häufiger krank sind und viele von ihnen nicht die Chance haben, eine Schule zu besuchen und eine höhere Ausbildung abzuschließen. Die Bekämpfung von Stunting gehört in Indonesien deshalb zu einer der Herausforderungen die bewältigt werden müssen, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Um zur Bekämpfung von Stunting beizutragen, hat das Start-up-Unternehmen auch einen kostengünstigen Kardiografen (CTG) namens TeleCTG entwickelt, der Hebammen in entlegenen Gebieten bei der Feststellung des Gesundheitszustands von Mutter und Kind unterstützen soll. „Wir haben ein Pilotprojekt in Kupang durchgeführt und waren begeistert von den Ergebnissen. Wir können viel leichter Komplikationen bei Schwangeren feststellen und betroffene Frauen unterstützen“, berichtet Abraham Auzan, CPO und Mitbegründer von Sehati TeleCTG. 

Die Auslieferung der medizinischen Geräte von TeleCTG an Krankenhäuser und Gesundheitszentren in Indonesien soll in Kürze beginnen. Jedes Gerät kostet 20 bis 25 Millionen IDR – und liegt so preislich weit unter herkömmlichen CTG, die für 100 bis 150 Millionen IDR gehandelt werden.

Im Rahmen der Bemühungen zur Förderung des Social Impacts sorgt die Sehati TeleCTG darüber hinaus für die Weiterbildung von Hebammen, indem einmal wöchentlich Online-Schulungen über die Messenger-Dienste WhatsApp und Telegram angeboten werden. Laut Abraham haben schon über 38.000 Hebammen an den Schulungen teilgenommen.
 

iGrow verbessert den Wohlstand von Landwirten

iGrow ist eine Peer-to-Peer-Plattform für Agrarkredite, über die Bürgerinnen und Bürger Indonesiens Landwirten vor Ort Finanzierungen bereitstellen können. Ihre Vision für Indonesien ist ehrgeizig: es geht um die Verbesserung der Ernährungssicherheit.
Jim Oklahoma, Mitbegründer von iGrow. Jim Oklahoma, Mitbegründer von iGrow. | © Milea Wijaya Ziel von Andreas Senjaya, Muhaimin Iqbal und Jim Oklahoma ist die Lösung von gleich drei Problemen, mit denen viele indonesische Landwirte zu kämpfen haben: ein unzureichender Marktzugang, die mangelnde Qualifikation von Landwirten und ein unzureichender Zugang zu Kapital. 2014 fassten die drei Gründer von iGrow deshalb den Entschluss, ein Agrar-Start-up aufzuziehen. Ihr langfristiges Ziel besteht darin, durch einen Beitrag zur Ernährungssicherheit einen Social Impact im Sinne der Nachhaltigkeitsziele zu generieren.

Über die iGrow-Plattform können die Kreditgeber ihr Geld an lokale Landwirte verleihen und dabei eine jährliche Rendite von bis zu 15 % erwirtschaften. Der Vorteil ist aber beidseitig, die Landwirte profitieren von in einem deutlich vereinfachten Zugang zu Kapital. Jim Oklahoma, Mitbegründer und leitender Beauftragter für Geschäftsentwicklung von iGrow, erklärt, dass iGrow einerseits die Landwirte dabei unterstützt, neue Absatzmärkte für ihre Erzeugnisse zu erschließen. Zum anderen hilft das Unternehmen den Landwirten dabei, ihre Qualifikationen zu verbessern und Finanzierungen von den Kreditgebern zu erhalten. „Nachdem sich die Landwirte weitergebildet haben, haben die Kreditgeber weniger Bedenken, den Landwirten einen Kredit zu gewähren“, sagt er. Unterfinanzierung ist ein Problem, mit dem der Agrarsektor zu kämpfen hat. „Derzeit gehen nur etwa 2 Prozent der Bankdarlehen an den Agrarsektor“.

Verbesserungen im Agrarsektor des Landes könnten erheblich zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung und zur Beendigung von Armut und Hunger beitragen. Die wichtigste Einkommensquelle für die meisten Menschen in ländlichen Gebieten ist in Indonesien nach wie vor der Agrarsektor. iGrow leistet einen Beitrag zur Verbesserung des Agrarsystems in Indonesien, um das Land zukünftig in die Lage zu versetzen, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Lebensmittel wie Reis, Zwiebeln oder Mais müssten dann nicht mehr teuer aus anderen Ländern importiert werden.

Laut iGrow konnte durch die Arbeit des Unternehmens die Lebensqualität der teilnehmenden Landwirte bereits verbessert werden. Derzeit arbeitet iGrow mit 7500 Landwirten und über 35 Einrichtungen wie Kooperativen, Kommanditgesellschaften (CV) und Aktiengesellschaften (PT) zusammen. iGrow unterstützt Landwirte in verschiedenen Regionen Indonesiens, darunter Java, Bangka, Sulawesi und Bali. „Normalerweise verdient ein Landwirt 50.000 IDR pro Tag. Durch die Zusammenarbeit mit iGrow können 75.000 bis 150.000 IDR Verdienst erzielt werden“, sagt Jim Oklahoma.

Darüber hinaus können sich die Landwirte über iGrow weiterbilden. Die iGrow-Weiterbildungsstätte befindet sich in Jonggol, West-Java. In Zukunft müssen Landwirte, die mit iGrow zusammenarbeiten möchten, ein spezielles Zertifikat vorlegen, bevor sie Finanzierungen der Kreditgeber in Anspruch nehmen können.

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