Deutsch als Fremdsprache weltweit. Datenerhebung 2015

Naher und Mittlerer Osten

Länder im Fokus


In keinem anderen Land der Welt lernen mehr Menschen Deutsch als in Polen. Insgesamt sind es 2,3 Mio. Deutschlernende, davon 2,1 Mio. an Schulen. Polen und Deutschland sind wirtschaftlich, zivilgesellschaftlich und kulturell eng miteinander vernetzt. Das umfangreiche Angebot an Austauschprogrammen, Stipendien, Studienmöglichkeiten und erweiterten Berufschancen in deutschen Firmen in Polen oder in Deutschland fördern maßgeblich die Motivation, Deutsch zu lernen.

In der historischen Entwicklung erfuhr Deutsch zunächst in den 90er Jahren einen rasanten Aufschwung, ausgehend von 1,07 Mio. Deutschlernenden an Schulen (15% der Schüler) im Schuljahr 1991/92. Um die Jahrtausendwende wurde das Niveau der aktuellen Zahlen erreicht. Dies ist im Lichte der demografischen Entwicklung in Polen keine Selbstverständlichkeit.

Das polnische Bildungswesen beginnt unter einem einschneidenden demografischen Einbruch zu leiden. Schätzungen zufolge wird die Einwohnerzahl von 2010 bis 2035 von ca. 38 Mio. auf 36 Mio. sinken. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen wie die Schließung von Bildungseinrichtungen, gerade in strukturschwachen und ländlichen Gebieten, und den Rückgang der Zahl der Lehrkräfte. Unter diesen schwierigen Umständen kann sich Deutsch aber weiterhin sehr gut auf einem stabilen zweiten Platz behaupten: 90% der polnischen Schüler lernen Englisch, 40% Deutsch, 5% Russisch und 3% Französisch. Während die Gesamtschülerzahl in Polen in den letzten fünf Jahren um 25% zurückgegangen ist, ist die Zahl der Deutschlernenden an Schulen im selben Zeitraum nur um 8% gesunken.

Reformprozesse der letzten Jahre haben das polnische Schulsystem geprägt. Diese haben eine zweite Pflichtfremdsprache verankert, wovon hauptsächlich Deutsch profitiert. Englisch hat Deutsch schon seit Jahren als erste Fremdsprache abgelöst. Gleichzeitig wurde den Schulen mehr Gestaltungsfreiheit in der Stundentafel eingeräumt. Bei rapide sinkenden Schülerzahlen wird dies von den Schuldirektoren aktiv genutzt. Die Nachfrage der Eltern und Schüler und damit die Verschiebungen im Lehrplan gehen häufig in Richtung Stärkung der ersten Fremdsprache und der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, die wichtig für die polnischen Zwischenprüfungen sind.

Die Qualität der Deutschkenntnisse im polnischen Bildungswesen ist dort, wo Deutsch als erste Fremdsprache gelernt wird, exzellent, in der Breite aber eher gering aufgrund der oft geringen Wochenstundenzahl für die zweite Fremdsprache. Schulen mit fremdsprachlichem Schwerpunkt, zu denen auch von der ZfA betreute Schulen gehören, an denen das Deutsche Sprachdiplom der KMK Stufe II (DSD II) abgelegt werden kann, sowie bilinguale Schulen bieten andererseits sehr hohe Wochenstundenansätze.

Auch an den polnischen Hochschulen geht der demografische Wandel nicht spurlos vorüber. In allen Fachbereichen ist eine Verringerung der Zahl der Studierenden zu beobachten. Im Hochschulbereich lernen von 1,6 Mio. Studierenden insgesamt 96.555 Studierende Deutsch – das sind rund 6%. Davon lernt die größere Zahl (87.300 Studierende) Deutsch als studienbegleitendes Fach und 9.255 Studierende belegen Germanistik. Der DAAD unterstützt die deutsche Sprache an Hochschulen in Polen durch ein Netzwerk von 20 Lektoraten und 5 Sprachassistentenstellen.

Im Sprachkursbetrieb der Goethe-Institute lässt sich die Tendenz erkennen, dass viele (junge) Erwachsene ihre Berufschancen mit Deutsch erhöhen wollen. Diese knüpfen oft an einen länger zurückliegenden schulischen Deutschunterricht an.

Ein weiterer Anstieg der Deutschlernenden erscheint in Polen momentan nicht erreichbar, da die Schülerzahlen demografisch bedingt einbrechen und Deutsch als Fremdsprache mit seinem hohen relativen Anteil vorerst eine Sättigungsgrenze erreicht haben dürfte. Nachdem die Deutschwagen-Tour des Goethe-Instituts mit Unterstützung des DAAD in den vergangenen Jahren landesweit an Schulen auf sehr lebendige Art für Deutsch geworben hat, wird in den kommenden Jahren die Verbesserung der Qualität der Deutschkenntnisse zunehmend in den Vordergrund treten, z. B. durch Lehrerfortbildungen, Stipendien und innovative Unterrichtsprojekte.

Die engen partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich haben zu zahlreichen gemeinsamen Initiativen im Schul- und Hochschulbereich geführt. Seit der Gemeinsamen Erklärung anlässlich des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags im Jahr 2003 ist die Förderung der Partnersprache ein zentrales Element der deutsch-französischen kulturellen Zusammenarbeit.

Das französische Bildungssystem fördert Mehrsprachigkeit und Wahlfreiheit der Fremdsprachen. Derzeit lernt in Frankreich knapp 1 Mio. Schüler Deutsch: 8,6% in der Primarstufe und 15,2% in der Sekundarstufe. Zwischen 1995 und 2005 ist die Zahl der deutschlernenden Sekundarschüler um etwa ein Drittel zugunsten von Englisch und Spanisch gesunken, seitdem jedoch stabil.

Das im Jahr 2002 vom französischen Bildungsministerium eingeführte Projekt classes bilangues, in dem Schüler ab der Eingangsklasse der Sekundarstufe Englisch und Deutsch gleichzeitig lernen, hat in erheblichem Maße zur Stabilisierung beigetragen. In diesen Klassen ist die Zahl der Deutschlernenden seit 2004 um 125% gestiegen. Gegenwärtig sind 88,6% der deutschlernenden Schüler in Frankreich in sogenannten classes bilangues. Evaluationen zeigen, dass signifikant viele Schüler in diesen Klassen erfolgreicher beim Fremdsprachenlernen sind als Schüler, die nur eine Fremdsprache lernen. Das Goethe- Institut entwickelt dazu seit 2011 auf einer Webseite Unterrichtsmaterialien und gibt Hilfestellung, wie Englisch- und Deutschlehrerzusammenarbeiten können, um Synergien zu schaffen.

Die Gründe für die Wahl von Deutsch sind vielfältig: Traditionell zählt nach wie vor für die Eltern, die letztlich über die Sprachenwahl der Kinder entscheiden, das Argument der besseren Ausbildungs- und Berufschancen. Zudem gilt immer noch, dass die Klassen, in denen Deutsch unterrichtet wird, oft als leistungsstärkere Klassen angesehen werden. Auch Schüler mit Migrationshintergrund sehen in der Wahl von Deutsch den Vorteil, einen besseren sozialen Status zu erreichen. Das Goethe-Institut Frankreich trägt durch kontinuierliche Werbemaßnahmen für Deutsch gemeinsam mit den Deutschlehrerverbänden, weiteren Mittler- und Partnerorganisationen, Kulturgesellschaften und dem französischen Erziehungsministerium wesentlich zur Attraktivität der deutschen Sprache bei. Eine Werbebroschüre mit guten Argumenten für Deutsch wird in Kooperation mit dem französischen Erziehungsministerium jährlich aktualisiert an allen Schulen in Frankreich verbreitet.

Im Zuge des Beschlusses des Deutsch-Französischen Ministerrates im Oktober 2004 wird seit 2006 das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz Stufe I (DSD I) auf den Niveaustufen A2 und B1 als schulische Sprachprüfung durchgeführt. 2014 legten knapp 35.000 Schüler an ca. 2.300 Schulen die Prüfung ab. Darüber hinaus wird an 82 französischen Schulen der doppelte Abschluss von Abitur und Baccalauréat (AbiBac) angeboten. Im Rahmen des 50. Jubiläumsjahres des Elysée-Vertrags 2013 wurde vereinbart, die Annäherung der Bildungssysteme fortzusetzen. 2014 wurde der erste deutsch-französische Ausbildungszweig an einem beruflichen Gymnasium in Bordeaux eröffnet.

Zahlreiche Mobilitätsprogramme im Rahmen der beruflichen Bildung und unzählige Austauschmöglichkeiten bieten einen zusätzlichen Anreiz, Deutsch als Fremdsprache zu wählen. Auch die vielfältigen Studienangebote der Deutsch-Französischen Hochschule sind gute Argumente für die Wahl von Deutsch als Fremdsprache.

Erstmalig liegen bei der diesjährigen Erhebung genaue, wenn auch nicht vollständige Zahlen zum Hochschulbereich vor. Aktuell sind 1.203 Studierende in Germanistikstudiengängen an 33 Hochschulen eingeschrieben und 965 Studierende absolvieren eine Deutschlehrerausbildung. 125 Hochschulen bieten zudem Deutsch als studienbegleitendes Fach an. Die Zahl der Deutschlernenden konnte in diesem Bereich jedoch nicht ermittelt werden. Mit mehr als vierzig Lektoraten fördert der DAAD Germanistik und deutsche Sprache an französischen Hochschulen, aber im Rahmen von Fachlektoraten auch die Präsenz anderer Fächer mit Deutschlandbezug.

Unterschiedliche Faktoren (Verrentung, Mehrbedarf, etc.) haben in den letzten Jahren zu einem Rückgang der Deutschlehrer an französischen Schulen um 25% geführt, mithin zu einem Deutschlehrermangel. Das Erziehungsministerium hat inzwischen Maßnahmen ergriffen, zusätzliche Auswahlverfahren durchgeführt und mehr als 200 zusätzliche Deutschlehrer eingestellt. Das Goethe-Institut wird verstärkt in die Fortbildung der Berufsanfänger eingebunden. Perspektivisch soll das frühkindliche Erlernen der Partnersprache ausgebaut werden. Die Deutsch-Französische Agenda sieht die Einrichtung von 200 zweisprachigen Kindertagesstätten bis 2020 vor.

Die Position der deutschen Sprache in der Russischen Föderation bleibt seit etwa drei Jahren stabil: 8-9% aller Schüler lernen in der Schule Deutsch. Dennoch sind seit der letzten Erhebung im Jahr 2010 die absoluten Zahlen weiter gesunken. Insgesamt lernen heute ca. 1,5 Mio. Menschen Deutsch, vor fünf Jahren wurden noch ca. 2,3 Mio. Deutschlernende erfasst.

Im Schulbereich ist die Zahl der Deutschlernenden im Vergleich zu 2010 von 1,6 Mio. auf 1,1 Mio. Schüler zurückgegangen. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Vor allem in ländlichen Bereichen verändern sich die Schulstrukturen rasant: Immer mehr Schulen werden geschlossen oder zusammengelegt, sodass die Anzahl von Schulen mit Fremdsprachenangebot sinkt. So ist die Zahl der Schulen mit Deutsch als Fremdsprache von ca. 22.600 im Jahr 2010 auf nur noch 16.800 gesunken. Die städtischen Schulen, die sich vermehrt dem Trend von Englisch als erster Fremdsprache anschließen, verstärken diesen damit.

Es gibt dennoch ein fortdauerndes starkes Interesse am Erlernen der deutschen Sprache. Das zeigt sich im nach wie vor hohen Anteil von Schülern, die Deutsch als 1. Fremdsprache lernen (87% der deutschlernenden Schüler). Die ZfA und das Goethe-Institut betreuen in Russland 111 PASCH-Schulen. An den von der ZfA betreuten Schulen ist die Nachfrage nach dem Deutschen Sprachdiplom der KMK Stufe I (DSD I) 2014 um 68% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 971 Schüler legten 2014 das DSD Stufe I und 648 Schüler das DSD Stufe II ab. Darüber hinaus bestehen etwa 1.000 Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Russland, die ganz wesentlich den Dialog zwischen den jungen Menschen fördern.

Nach wie vor ist das Erlernen einer zweiten Fremdsprache an russischen Schulen nicht verpflichtend, es wird jedoch gemäß den neuen Bildungsstandards empfohlen. Dies ist auch ein wesentlicher Erfolg von Werbemaßnahmen wie der Sprachkampagne „Lern Deutsch“ des Goethe-Instituts. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich die Zahlen für Deutsch als zweite Fremdsprache positiv. Unter den als zweite Fremdsprache gelernten Sprachen nimmt Deutsch mit 38% die führende Position ein.

Analog zur Entwicklung im Schulbereich werden im Zuge der Bildungsreform zahlreiche Universitäten zusammengelegt oder geschlossen. Gewinner sind dabei naturwissenschaftlich ausgerichtete Universitäten, klare Verlierer die geisteswissenschaftlichen, schwach finanzierten Hochschulen. Das führt aktuell zu einem drastischen Abbau der Philologien und Deutschabteilungen und zu einem Rückgang der Studierenden mit Deutsch als Hauptfach. Hinzu kommt die deutliche Reduzierung von staatlich finanzierten Studienplätzen im Bereich Germanistik. Um dem entgegenzuwirken, unterstützt der DAAD die Germanistik an russischen Hochschulen mit derzeit 35 Lektoraten und zahlreichen Projekten maßgeblich. Eine vergleichsweise stabile Position weist Deutsch hingegen im studienbegleitenden Fremdsprachenunterricht (hier wie an den Schulen in starker Konkurrenz zu Englisch) sowie als zweite Fremdsprache auf. Im Gegensatz zum Schulbereich gibt es jedoch keine offiziellen statistischen Quellen für den Hochschulbereich, es musste auf Umfragen an russischen Universitäten zurückgegriffen werden.

In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass sich die Zahlen auf diesem Niveau (unter der Maßgabe gleichbleibender Rahmenbedingungen) stabilisieren. Dafür sind jedoch verstärkte Anstrengungen im Bereich Deutschlehreraus- und -fortbildung notwendig, um zum einen den Lehrernachwuchs und zum anderen die Qualität des Unterrichts zu sichern. Alle Mittler- und Partnerorganisationen haben sich daher darauf verständigt, die Berufs- und Studienorientierung im universitären wie schulischen Deutschunterricht zu fördern, um so die Motivation zum Erlernen der deutschen Sprache zu erhöhen und dem Rückgang der Zahlen im staatlichen Bildungssystem zu begegnen.

USA
Deutsch ist sowohl im Schul- als auch im Hochschulsektor nach wie vor die drittbeliebteste Fremdsprache in den USA. Dennoch befindet sich Deutsch, gemessen an der Anzahl der Programme und am Bevölkerungswachstum in den USA, tendenziell auf dem Rückzug.

Die Beobachtung der Entwicklung von Deutsch als Fremdsprache in den USA zeigt, dass das Interesse am Erlernen der Sprache von geopolitischen und sozioökonomischen Faktoren abhängig ist. Die deutsche Abstammung, bis Ende des Ersten Weltkrieges geradezu Garant für das Erlernen der Sprache von Eltern und Großeltern, spielt seither kaum noch eine Rolle bei der Wahl der zu erlernenden Fremdsprache. Die Vermittlung von Fremdsprachen genießt darüber hinaus keine hohe Priorität in der US-Schul- und Bildungspolitik. Ca. 20% der amerikanischen Schüler lernen eine Fremdsprache, die an High Schools oftmals nur für zwei Jahre belegt werden kann. Teilweise ermöglichen Immersions- und Samstagsschulen einen intensiveren Spracherwerb.

Im Schulbereich ist die absolute Zahl der Deutschlernenden seit der letzten Erhebung 2010 mit ca. 400.000 Schülern stabil geblieben. Hinter Spanisch mit 6,5 Mio. und Französisch mit 1,3 Mio. Lernenden nimmt Deutsch damit den dritten Platz in der Skala der an Schulen gelernten Fremdsprachen ein. Zugleich wurden wegen pauschaler Budgetkürzungen auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene zahlreiche Deutschprogramme eingestellt mit der Folge, dass Schulen sich weniger Sprachprogramme leisten können. Hinzu kommt eine immer stärker werdende Konkurrenz anderer Sprachen wie Chinesisch.

An vielen der verbleibenden Schulen mit Deutschangebot belegen jedoch mehr Schüler Deutschkurse als noch vor fünf Jahren. Wo Interesse, vor allem seitens der Eltern, besteht, wachsen auch Deutschprogramme. Hier – bei den persönlichen Entscheidern (Eltern, Schüler) und den strukturellen Entscheidern im Schulbereich (Schulleiter, Laufbahnberater) – setzen seitens der deutschen Mittlerorganisationen Motivationsmaßnahmen (DaF-Jugendportal, Musiktourneen, usw.), bildungspolitische Informations- und Lobbyarbeit (z. B. Netzwerk Deutschberater USA) und Werbekampagnen des Goethe-Instituts wie „Just Add German“ an. Nicht zu unterschätzen ist der Wert von Fortbildungsprogrammen für Deutschlehrer, wobei hier gerade der Förderung von Nachwuchslehrern eine Schlüsselrolle zukommt.

Die Lage im Hochschulbereich ist differenziert zu sehen. Von den derzeit ca. 21 Mio. Studierenden an amerikanischen Colleges und Universitäten lernen etwas über 96.000 Deutsch, wobei ca. 8.000 Studierende in germanistischen Studiengängen und ca. 88.000 in studienbegleitenden Sprachkursen eingeschrieben sind. Gegenüber der letzten Abfrage ist somit ein Anstieg von 2,2% zu verzeichnen. Dennoch ist die Zahl der Deutschlernenden im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Fremdsprachenlernenden an Universitäten und Colleges in den USA im Sinken begriffen (von 11,3% aller Fremdsprachenlernenden im Jahr 1990 auf 5,7% im Jahr 2009), d.h. trotz steigender absoluter Zahlen lernen tendenziell weniger Studierende Deutsch. Es ist auf absehbare Zeit leider weiterhin zu erwarten, dass der deutschen Sprache durch andere Sprachen innerhalb des universitären Fremdsprachenangebots steigende Konkurrenz erwachsen wird.

Die curriculare Bedeutung des angebotenen Deutschunterrichts im Hochschulbereich liegt überwiegend im Umstand begründet, dass für das Absolvieren der meisten Hochschulstudien in den USA Fremdsprachenkenntnisse im Umfang von zwei Jahren Sprachunterricht auf College-Niveau nachgewiesen werden müssen und damit Deutsch für die Mehrheit der Deutschlernenden Wahlpflichtfach ist.

Im Hochschulbereich verfolgt der DAAD im Bereich DaF eine Doppelstrategie, die sowohl Maßnahmen zur direkten und unmittelbaren Förderung der deutschen Sprache beinhaltet (z. B. Sprachkurse, Lehrerfortbildungen, Verbindung von Deutsch mit Ingenieurwissenschaften) als auch die Konkurrenzfähigkeit von Deutsch im universitären Fremdsprachenangebot über eine Vermittlung attraktiver deutschlandbezogener Inhalte zu verbessern versucht.

Die Entwicklung der Zahl der Deutschlernenden in Brasilien ist durchweg positiv. Vor allem bei jungen Erwachsenen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Fremdsprachenkenntnisse innerhalb einer globalisierten Weltwirtschaft einen bedeutenden Einfluss auf die Beschäftigungschancen haben. Darüber hinaus befördert das Interesse an wissenschaftlichen Kooperationen das Sprachenlernen wie auch die Präsenz deutscher Unternehmen in Brasilien.

Insgesamt lernen in Brasilien rund 135.000 Menschen Deutsch Eine Besonderheit sind die Deutschsprecher in den Gebieten mit starker deutscher Einwanderung. In diesen Gebieten in den Bundesstaaten Espírito Santo, Paraná, Rio Grande do Sul und Santa Catarina ist Deutsch in manchen Gemeinden zweite Amtssprache, hinzu kommt in wenigen Gemeinden verpflichtender Deutschunterricht in den Schulen. Auf die aktuelle, positive Entwicklung der Zahl der Deutschlernenden hat dies aber nur wenig Einfluss. Die Bedeutung des Deutschen als Einwanderungssprache geht eher zurück.

Der Anstieg der Deutschlernenden um 30%, allerdings von niedrigem Ausgangsniveau aus, gründet im Wesentlichen auf der zunehmenden Internationalisierung der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kontakte, die das Erlernen mehrerer Fremdsprachen und auch des Deutschen zunehmend attraktiv macht. Das steigende Interesse an Schulen kann u. a. auf nachhaltige Projekte wie die Initiative von Bundesminister Steinmeier „Schulen: Partner der Zukunft“, Programme der Lehrerfortbildung und das jüngste Deutschlandjahr in Brasilien 2013/2014 unter dem Motto „Wo Ideen sich verbinden“ zurückgeführt werden.

An Hochschulen belegt der größte Teil der Deutschlernenden (rund 10.000) Deutsch als studienbegleitendes Fach. Dies zeigt deutlich das Interesse am zweckgebundenen Sprachenlernen und das Bestreben nach internationaler Anschlussfähigkeit im Hochschulbereich. Ein zentrales Element ist das Programm der brasilianischen Regierung „Wissenschaft ohne Grenzen“, das die Internationalisierung von Wissenschaft und Hochschulen zum Ziel hat. Das Stipendienprogramm hat in der ersten Phase von 2011 bis 2014 über 4.000 Studierende und Graduierte nach Deutschland gebracht, die alle deutsche Sprachkenntnisse erwerben und nachweisen müssen. Die Hochschulen können dieser Nachfrage teils nicht nachkommen, weil es an entsprechend qualifizierten Dozenten mangelt.

Im Erwachsenenbildungsbereich haben sich die Zahlen nahezu verdoppelt. Hier lernen inzwischen mehr als 42.000 Menschen Deutsch. Die enorme Nachfrage erklärt sich zum einen aus einem allgemeinen Bildungsaufschwung, zum anderen aber auch aus der Nachfrage nach Deutsch an Hochschulen. Das Interesse an Sprachkursen hat in Brasilien in den letzten Jahren allgemein stark zugenommen. Dies gilt aus den oben genannten Gründen auch für Deutsch.

Die mit Abstand bedeutendste Gruppe der Teilnehmer an außeruniversitären Deutschkursen bilden Studierende. Neben vertieften Sprachkenntnissen, die für die eigentlichen Studieninhalte bedeutend sind (z. B. Literatur, Musik, Philosophie), sind die Studierenden auch verstärkt bestrebt, sich durch deutsche Sprachkenntnisse besser für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Dieser Faktor hat aktuell einen starken Bedeutungszuwachs erfahren auch angesichts der hohen Studentenzahlen (4,5 Mio. Studierende an Präsenzuniversitäten).

Zentrale Herausforderung der DaF-Förderung bleibt es, die deutlich gestiegene Nachfrage durch effiziente Qualifizierungs- und Fortbildungsprogramme für Deutschlehrer und den strukturellen Ausbau von Sprach- und Förderangeboten für Deutschlernende zu festigen. Hier greifen die Aktivitäten von DAAD, Goethe-Institut und ZfA im Bereich der Deutschvermittlung, Germanistik und Deutschlehrerausbildung an Hochschulen und der Weiterbildung von Deutschlehrern durch gezielte Fördermaßnahmen sinnvoll ineinander.

Die brasilianische Regierung plant, das große Internationalisierungsprogramm „Wissenschaft ohne Grenzen“ durch ein Programm „Sprachen ohne Grenzen“ zu flankieren und in diesem Zusammenhang auch die deutsche Sprache gezielt zu fördern. Dadurch besteht die Möglichkeit, das wachsende Interesse an Deutsch nachhaltig zu festigen.

Der kontinuierliche Anstieg der Deutschlernenden in den drei Bereichen Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung belegt die steigende Bedeutung der deutschen Sprache in der Volksrepublik China. Die Hintergründe und Ursachen für das stetig steigende Interesse sind vielfältig. Grundsätzlich genießt Bildung in der chinesischen Gesellschaft traditionell einen hohen Stellenwert. Mit der dynamischen Wirtschaftsentwicklung stehen immer mehr Ressourcen für Bildung zur Verfügung.

Allein im Hochschulbereich sind die absoluten Zahlen seit der letzten Erhebung im Jahr 2010 um 24% gestiegen. Deutsch zählt nach Japanisch zu den beliebtesten zweiten Fremdsprachen. Insgesamt lernen heute knapp 45.000 Studierende Deutsch, wobei im Wesentlichen zwei große Gruppen unterschieden werden. Die eine Gruppe lernt Deutsch im Rahmen von Sprachkursen, als Nebenfach, Wahl- oder Pflichtfach oder als Kurswahl bei berufsbegleitenden Fachstudiengängen. Die andere Gruppe umfasst Studierende der Germanistik, Absolventen einer Dolmetscherausbildung oder von Deutschlandstudien in Kombination mit einem anderen Fach. Der Zuwachs an Deutschlernenden schlägt sich auch in der steigenden Zahl an Germanistikabteilungen nieder: Während es 2009 weniger als 60 Hochschulen gab, die das Fach Germanistik anboten, sind es im Jahr 2014 bereits104 Hochschulen in ganz China. Die aktuelle Zahl der Germanistikstudierendenwird derzeit auf 22.000 geschätzt. Chinesische Studierende stellen die größte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland dar: im Wintersemester 2012/13 waren 25.564 Chinesen an deutschen Hochschulen immatrikuliert13. 2014 legten knapp 9.000 chinesische Studieninteressierte den TestDaF ab, der von allen deutschen Hochschulen als Sprachnachweis für den Hochschulzugang anerkannt ist.

An den Mittelschulen ist Deutsch mit steigender Tendenz die am meisten gelernte europäische Fremdsprache (abgesehen von Englisch). Derzeit bieten 123 Schulen im ganzen Land das Fach Deutsch an. Mit Ausnahme von Hongkong werden alle vom Goethe-Institut und der ZfA betreut. Dies steht auch im Zusammenhang mit dem Beginn und der Ausweitung der PASCH-Initiative und einer steigenden Nachfrage nach weiteren Fremdsprachen neben Englisch. Vor dem Hintergrund einer bildungspolitischen Stärkung der Mehrsprachigkeit fällt die Wahl vieler Eltern hier (auch wegen des anhaltend positiven Deutschlandbildes) häufig auf Deutsch. Aus der Perspektive der Schulleiter fügt sich eine Erweiterung des Fächerangebots um das Fach Deutsch gut in die zunehmend zu beobachtenden Internationalisierungsbestrebungen von Schulen ein. Aktionen wie das Deutsch-Chinesische Sprachenjahr 2013/14 als Werbekampagne für Deutsch erhöhen zudem die Sichtbarkeit bzw. Wertschätzung der deutschen Sprache.

Im Bereich der Hochschulen lässt sich in den vergangenen fünf Jahren eine stark zunehmende Zahl von Kooperationen, Hochschulpartnerschaften, Germanistischen Institutspartnerschaften sowie eine direkte Präsenz einzelner deutscher Hochschulen in China verzeichnen. Ein aktuelles Beispiel ist das kürzlich neu eingerichtete Verbindungsbüro der TU Darmstadt an der Tongji Universität Shanghai. Eine wichtige Rolle spielen auch chinesisch-deutsche Modelleinrichtungen im Hochschulbereich, so z. B. das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg (CDHK) und die Chinesisch-Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften(CDHAW) in Shanghai, die ein bilinguales Studium mit akkreditierten deutsch-chinesischen Doppel-Bachelorprogrammen anbieten. Dies geht einher mit diversen Veranstaltungen und Konferenzen zur Förderung des akademischen Austauschs.

In China gilt Deutschland inzwischen als wichtigstes nicht-englischsprachiges Studienland. Gestützt wird der Trend zu einem Studium in Deutschland auch durch diverse Stipendienprogramme (DAAD-Programme), aber auch bilaterale Programme, z. B. das „Sino-German Postdoc Scholarship Program“ für junge Wissenschaftler, das einen Forschungsaufenthalt in Deutschland ermöglicht.

Generell steigt auch außerhalb der Hochschulen im Erwachsenen und außerschulischen Bildungsbereich die Zahl der Deutschlernenden. Eine Reihe von breit angelegten Veranstaltungen in den vergangenen Jahren stieß auf breites Interesse und rückte Deutschland in das Bewusstsein der chinesischen Bevölkerung.

In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass sich die Zahl der Deutschlernenden bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen ähnlich weiterentwickelt. Um den steten Anstieg zu begleiten, sind jedoch verstärkte Anstrengungen im Bereich der Deutschlehrerausbildung zur Sicherung des Lehrernachwuchses und der Qualität des Unterrichts notwendig.

Indien ist ein von Mehrsprachigkeit geprägtes Land: neben Hindi und Englisch sind 21 weitere Sprachen von der Verfassung anerkannt. Vor diesem Hintergrund ist das Interesse an der deutschen Sprache in den letzten Jahren in Indien dennoch enorm gewachsen.

Dies hat viele Gründe. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Öffnung Anfang der 90er Jahre und der rasanten ökonomischen Entwicklung seither ist Indien in allen politischen Handlungsfeldern an einer Internationalisierung und Vernetzung mit seinen Partnern interessiert. Dadurch steigt auch das Interesse am Fremdsprachenlernen. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Indiens, das Deutschlandbild ist generell positiv und das Prestige deutscher Technik sehr groß. Die Mitarbeit bei einem der rund 1.800 deutschen Unternehmen in Indien, ein Arbeitsaufenthalt oder ein Studium in Deutschland sind für immer mehr junge Inder eine attraktive Perspektive.

2014 wurden insgesamt 107.000 Schüler an ca. 700 Schulen im Fach Deutsch neben Englisch und Hindi unterrichtet. 2010 belief sich die Zahl der Deutschlernenden an Schulen noch auf 18.550 Schüler. Dieser massive Anstieg der Nachfrage nach Deutsch im Sekundarschulbereich wurde auch durch die PASCH-Aktivitäten ausgelöst. Die 58 PASCH-Schulen in Indien, die vom Goethe-Institut und der ZfA betreut werden, sind zum überwiegenden Teil Privatschulen. Zwei dieser Schulen gehören jedoch zur staatlichen Schulkette Kendriya Vidyalaya Sangathan (KVS). Dank einer Initiative des Goethe-Instituts führte dies zum ambitionierten Ziel der Einführung von Deutsch in der ganzen Schulkette. Im August 2014 war Deutsch an ca. 500 KV-Schulen eingeführt, mit 78.500 Deutschlernenden.

Das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut sind in intensiven Gesprächen mit der indischen Regierung und der Schulkette KVS, um die erreichten Erfolge auch unter neuen politischen Rahmenbedingungen nach der Parlamentswahl 2014 fortsetzen zu können.

Mit der steigenden Zahl der Lehrstühle, die Deutsch / Germanistik als Studiengang anbieten, stieg auch die Zahl der Germanistikstudierenden. Nicht erhoben werden konnte 2015 die Zahl der Studierenden, die DaF studienbegleitend lernen. Diese wurde 2010 mit rund 9.000 beziffert – aus den oben genannten Gründen ist auch hier eine starke wenn auch nicht bezifferbare Zunahme zu verzeichnen. Der DAAD unterstützt neben der klassischen Germanistik auch die Tendenz, eher anwendungsbezogene Themen aufzugreifen und der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache im indischen Hochschulsystem stärkeres Gewicht zu verleihen. Die Einrichtung einer universitären Deutschlehrerausbildung gehört mittelfristig zu den wichtigsten Zielen, weil nur dadurch der Bedarf an qualifizierten DaF-Lehrkräften in Indien nachhaltig bedient werden kann. Die grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit hierzu ist im Rahmen der deutschindischen Regierungskonsultationen 2013 vereinbart worden.

Fremdsprachenlernen wird in Indien auch in Zukunft große Bedeutung haben. Das belegt u. a. die Zahl der Deutschlernenden an den Goethe-Instituten und Goethe-Zentren in Indien, die in den letzten fünf Jahren um 36% gestiegen ist.

Die Mitgliedstaaten des ASEAN-Verbands (Verband südostasiatischer Nationen) und die mit ihm assoziierten Länder streben eine stärkere politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit an. Ende 2015 tritt der gemeinsame Markt der ASEAN in Kraft. Für Deutsch als Fremdsprache bedeutet dies in den Bildungssystemen einen höheren Konkurrenzdruck durch die asiatischen Nachbarsprachen, die gezielt gefördert werden.

In der Region Südostasien leben 600 Millionen Menschen, von denen die Mehrheit jünger als 25 Jahre ist. Deutschland ist für die bildungs- und aufstiegsorientierte Mittelschicht traditionell ein wichtiges Zielland, vor allem für jene aus Indonesien, Thailand, Vietnam und den Philippinen.

Die meisten Deutschlernenden innerhalb der ASEAN-Länder verzeichnet Indonesien mit insgesamt 187.000, das entspricht einer Steigerung um 75%. Die Zahl der Deutschlernenden an Schulen ist signifikant um 52.500 gestiegen. Das große Interesse an Deutsch zeigt sich auch in dem Netzwerk der 29 PASCH-Schulen. An Hochschulen erfreut sich Deutsch ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Deutschland ist für Indonesier das Studienziel Nummer eins in Europa und Nummer fünf weltweit.

Thailand steht an zweiter Stelle in den ASEAN-Ländern, wenn es um die Zahl der Deutschlernenden geht, insgesamt sind es ca. 13.000, die zu 70% an der Universität und in der Erwachsenenbildung lernen. Aufgrund von Tradition, positivem Image deutscher Bildung und Wirtschaft zeigen die Behörden und die Öffentlichkeit ein verlässliches Interesse an Deutsch, sodass die Zahl der Deutschlernenden moderat steigt. An den Hochschulen sind die sehr gute Etablierung neuer, in erster Linie deutscher fachsprachlicher Studiengänge und ein steigendes Interesse an Deutsch im Vergleich zu anderen europäischen Fremdsprachen positiv hervorzuheben.

In Vietnam verzeichnet die Zahl der Deutschlernenden einen ähnlich dynamischen Zuwachs (+50%) wie in Indonesien, allerdings mit wesentlich geringeren absoluten Zahlen. Deutsch als belegbare (erste oder) zweite Fremdsprache ist erst seit 2013 durch Beschluss des Ministeriums an den allgemeinbildenden Schulen offiziell anerkannt. Das Goethe-Institut und die ZfA haben das vietnamesische Bildungsministerium 2014 bei der Erarbeitung eines Deutsch-Curriculums für den Unterricht unterstützt und betreuen vor Ort 12 PASCH-Schulen. Mehrsprachigkeit und damit zweite Fremdsprachen gewinnen eine immer höhere Relevanz, auch im Hochschulbereich, wie zum Beispiel an der Vietnamesisch-Deutschen Universität in Saigon. Die in Deutschland steigende Nachfrage nach Fachkräften aus dem Bereich der Heil- und Pflegeberufe (siehe auch „Fachkräfteinitiative“) im Rahmen der Berufsmigration erhöht in Vietnam das Interesse an Deutsch als Schlüsselqualifikation.

Auch in Malaysia und Singapur sind die Zahlen der Deutschlernenden bei niedrigen absoluten Zahlen um jeweils 77% und 38% gestiegen.

Auf den Philippinen wurden insgesamt 5.700 Deutschlernende ermittelt. Seit 2011 gibt es eine Vereinbarung mit dem Bildungsministerium, in deren Folge DaF an neun öffentlichen Schulen eingeführt wurde und 25 Lehrkräfte durch das Goethe-Institut fortgebildet wurden. Gründe für die wachsende Zahl der Deutschlernenden insgesamt sind die verstärkte Nachfrage nach Deutschkursen durch Pflegekräfte, die eine Erwerbstätigkeit in Deutschland anstreben, der Ehegattennachzug und, in geringerem Maße, die Beliebtheit des Studienstandorts Deutschland.

In Kambodscha wird bisher lediglich an der Kulturgesellschaft Phnom Penh Deutsch angeboten. Die Zahl der Kursteilnehmer ist dort zwischen 2011 und 2014 um 46% auf 718 Deutschlernende gestiegen. An Hochschulen zeichnet sich erstes Interesse für studienbegleitenden Deutschunterricht ab.

In Laos sind die Zahlen mit insgesamt 38 sehr gering. In Myanmar gibt es derzeit 590 Deutschlernende, davon 278 im Hochschulbereich und 312 am 2014 neu eröffneten Goethe-Institut. Deutschland als Studien- und Forschungsstandort spielt als Motivation eine wichtige Rolle. Dies drückt sich in steigenden Bewerberzahlen um DAAD-Stipendien aus sowie in einem stark gewachsenen Interesse an Kooperationen mit deutschen Hochschulen

In der Türkei hat sich die Zahl der Deutschlernenden vor allem im Schulbereich dynamisch entwickelt. Verschiedene Reformen des Schulsystems haben dazu beigetragen, dass der Unterricht für Deutsch als Fremdsprache heute ein sehr viel größeres Gewicht hat als noch einige Jahre zuvor.

Mit dem Schulreformgesetz von 2012 trat eine Regelung in Kraft, wonach der Fremdsprachenunterricht an staatlichen Schulen verpflichtend ab der 2. Klasse (vorher ab der 4. Klasse) mit zwei Wochenstunden und ab der Mittelstufe mit vier Wochenstunden angeboten wird. Die erste Fremdsprache im Schulbereich ist dabei fast immer Englisch. Die zweite Fremdsprache kann an den Mittelschulen ab der 5. Klasse als Wahlfach gelernt werden. An den 2.000 staatlichen sogenannten Anadolu-Gymnasien werden Fremdsprachen vertiefend unterrichtet, ab der 9. Klasse ist die zweite Fremdsprache dort mit mindestens zwei Wochenstunden Wahlpflichtfach. An über 90 % der Anadolu-Gymnasien ist die zweite Fremdsprache Deutsch.

An ca. 40 Anadolu-Gymnasien wird Deutsch auch als erste Fremdsprache und zudem Fachunterricht auf Deutsch angeboten. Ein Fachberater der ZfA sowie 22 weitere aus Deutschland vermittelte Lehrkräfte unterstützen den DaF- und Fachunterricht. Darüber hinaus werden im Rahmen der PASCH-Initiative 20 Partnerschulen vom Goethe-Institut und weitere 17 Partnerschulen von der ZfA betreut. 2014 haben 465 Schüler das Deutsche Sprachdiplom (DSD) Stufe I erworben und 228 Schüler das DSD Stufe II, welches als Sprachnachweis für die Zulassung an einer deutschen Hochschule anerkannt ist.

Das Erziehungsministerium hat seit 2013 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt 1.300 Deutschlehrer eingestellt, nachdem vorher jahrelang eine Stagnation zu konstatieren war. Das Goethe-Institut unterstützt diese mit einem umfangreichen sprachlichen und fachlichen Fortbildungsprogramm, das in enger Absprache mit dem türkischen Erziehungsministerium entwickelt wurde, um einen optimalen Start in den Beruf sicherzustellen.

Im Studium wird von den Studierenden eine Pflichtfremdsprache gefordert, es existiert jedoch keine Erhebung, welche Fremdsprache in welcher Quantität gelehrt oder gelernt wird.

Die Hochschullandschaft entwickelt sich in der Türkei in einem beeindruckenden Tempo. Die staatlichen Universitäten beabsichtigen beispielsweise alle 5 Jahre 250.000 zusätzliche Bachelor-Studienplätze zu schaffen, nicht zuletzt aufgrund der rasant steigenden Nachfrage nach Hochschulbildung und infolge der beabsichtigten Internationalisierung der Türkei als Studien- und Forschungsstandort. Hinzu kommt die internationale Ausrichtung der Bildungseliten und der Wunsch vieler Studierender, zumindest einige Semester im Ausland zu absolvieren. Seit der Teilnahme der Türkei an den europäischen Mobilitätsprogrammen belegt Deutschland unter den Zielländern für türkische Erasmus-Studierende eine der Spitzenpositionen: Im akademischen Jahr 2012/13 kamen 2.472 türkische Studierende nach Deutschland.

Der DAAD unterstützt die Hochschulen mit einem landesweiten Netzwerk. Die DAAD-Lektoren und -Sprachassistenten unterrichten an 18 türkischen Universitäten sowie der im September 2013 eröffneten Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul.

Nach wie vor ist der DaF-Unterricht im Rahmen des Ehegattennachzugs von großer Bedeutung, auch wenn die Zahlen landesweit im Bereich des Ehegattennachzugs insgesamt rückläufig sind. In diesem Arbeitsfeld spielen neben dem Goethe-Institut auch private Sprachkursanbieter eine zunehmend große Rolle. Generell verzeichnen die drei Goethe-Institute in der Türkei eine weiterhin steigende Nachfrage nach Deutschkursen.

In Zeiten politischer Umwälzungen und trotz des Rückgangs des Tourismus hat sich die Zahl der Deutschlernenden in Ägypten in den letzten fünf Jahren von 120.000 auf 250.000 Lernende verdoppelt.

Ein wesentlicher Grund hierfür ist die demografische Entwicklung. Weiterer Faktor könnte die Bildungsreform in der Verfassung von 2014 sein, die vorsieht, allen Bürgern Bildungsmöglichkeiten bereitzustellen. Besonders im Schulbereich ist die Zahl der Deutschlernenden nach oben gegangen. Mehr und mehr Schüler wählen Deutsch, sodass für das Schuljahr 2014/15 229.420 Deutschlernende an Schulen erfasst wurden. An rund 5% der ägyptischen Schulen wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, die jedoch nur in 16 der 30 Regierungsbezirke liegen. Landesweit werden 32 PASCH-Schulen von der ZfA und dem Goethe-Institut betreut.

Allerdings ist zu differenzieren nach Sprachniveau und Stellenwert der Fremdsprache: Lediglich 3% der Schulen mit Deutsch bieten das Fach als erste Fremdsprache an und erreichen ein Sprachniveau von B2 – dies sind im Wesentlichen die 7 Deutschen Auslandsschulen und die 7 DSD-Schulen. Die Zahl der DSD-Diplome (DSDI/ DSDII) weist nur eine leichte Steigerung auf, DSD-Prüfungen werden vor allem an den Deutschen Auslandsschulen abgelegt. Des Weiteren betreut das Goethe-Institut 18 sogenannte Fit-Schulen, an denen der Deutschunterricht auf- und ausgebaut wird.

Die überwiegende Mehrheit der öffentlichen und privaten Schulen mit Deutschunterricht bietet diesen im Wahlpflichtbereich in den Klassen 10 bis 12 an. Dort wird ein Sprachniveau von A1 erreicht, das auch der angestrebten Niveaustufe der ägyptischen Hochschulreifeprüfung entspricht.

Die Zahl der Deutschlernenden an den Hochschulen ist gegenüber 2010 nahezu konstant geblieben. Etwas mehr als ein Drittel der deutschlernenden Studierenden ist an einer germanistischen Abteilung eingeschrieben. Das Fach ist an ägyptischen Hochschulen gut etabliert und bringt hervorragende Absolventen im Bereich Dolmetschen und Übersetzen, aber auch in anderen Teilbereichen der Germanistik hervor.

Die Nachfrage nach einer studienbegleitenden Fremdsprachenausbildung (8.480 Studierende) ist im Vergleich zu 2010 gestiegen, während die Zahl der Studierenden in der Deutschlehrerausbildung (287) gering ist, da auch ein Germanistikstudium ohne pädagogische Zusatzausbildung als Qualifikation für den Lehrerberuf anerkannt wird. Das bei Beendigung dieses Studiums erreichte Sprachniveau liegt im Durchschnitt bei A2. Die Entwicklung der Zahl der Deutschlehrer entspricht jedoch nicht dem wachsenden Bedarf. Ferner ist der Lehrerberuf unattraktiv, da die Gehälter im nationalen Vergleich sehr niedrig sind. Insgesamt jedoch erfreut sich DaF an den Universitäten steigender Beliebtheit, was auch auf die wachsende Bedeutung des Studienstandortes Deutschland zurückgeführt werden kann.

Aus eben diesem Grund steigt auch die Zahl der Lernenden im Erwachsenenbereich. An den Goethe-Instituten sind jedoch aufgrund einer Vielzahl neuer Konkurrenzanbieter etwas weniger Kursteilnehmer zu verzeichnen. Die sehr stark steigende Nachfrage nach externen Prüfungen an den Goethe-Instituten zeigt dies deutlich auf. Qualifizierte und Graduierte benötigen die Prüfungen des Goethe-Instituts zum Studium, zur Weiterqualifikation oder Arbeitsaufnahme in Deutschland. Insbesondere die B2-Prüfung, die zur Aufnahme einer Tätigkeit als Gastarzt, und damit für die Qualifikation zum Facharzt, nötig ist, wird verstärkt nachgefragt. Auch die Nachfrage nach der Start Deutsch 1-Prüfung im Rahmen des Ehegattennachzugs nimmt zu.

Kamerun ist in der Region Subsahara-Afrika das Land, in dem am meisten und auf höchstem Niveau Deutsch gelehrt und gelernt wird.

Die Zahl der Deutschlernenden in Kamerun ist seit der ersten Erhebung im Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen. 2015 kann von einer Gesamtzahl von 230.000 Deutschlernenden ausgegangen werden, das ist ein Anstieg um ca. 10% im Vergleich zu 2010. Im Erhebungszeitraum sind aufgrund der demografischen Entwicklung auch die Gesamtschülerzahlen gestiegen. Deutsch als Fremdsprache konnte seine Stellung trotz stärker werdender Konkurrenz durch andere Sprachen (Spanisch, Chinesisch, Arabisch, Italienisch) stabilisieren und ausbauen.

Insgesamt gibt es 2.133 Schulen, die Deutschunterricht anbieten. Der hohe Anstieg an Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird, erklärt sich durch die Liberalisierung in der Schulzulassungspolitik, durch die es in den letzten fünf Jahren zu einer Vielzahl von privaten Schulneugründungen gekommen ist. Im gleichen Zeitraum hat sich auch das Sprachangebot in Kamerun diversifiziert. Die Sprachensituation in Kamerun, wie in vielen afrikanischen Staaten, ist komplex. Die Amtssprachen in Kamerun sind Englisch und Französisch. Spanisch und Deutsch sind traditionell im Curriculum als erste nicht nationale Fremdsprache vorgesehen. Im Zuge der Liberalisierung dürfen heute offiziell auch Italienisch, Arabisch und Chinesisch in das reguläre Unterrichtsprogramm mit aufgenommen werden. Seit einem Jahr werden darüber hinaus in einzelnen Experimentalschulen auch Sprachangebote für verschiedene kamerunische Nationalsprachen angeboten. Deutsch ist neben Spanisch im frankophonen Schulsystem nach Englisch die erste unterrichtete Fremdsprache, die nicht offizielle Nationalsprache ist.

Deutsche Universitäten werben verstärkt um Studierende aus Kamerun. Im Wintersemester 2012/13 waren insgesamt 5.833 Studierende aus Kamerun an deutschen Universitäten eingeschrieben. Das sind ungefähr so viele Studierende wie aus Frankreich, beide Gruppen machen jeweils ca. 2,9% aller Bildungsausländer in Deutschland aus. Auf der 1. Deutschen Hochschulmesse im Juni 2014 konnten sich 1.300 Studieninteressenten aller Fachrichtungen bei Vertretern fünf deutscher Hochschulen über das Studienangebot ihrer Einrichtung informieren. In den kommenden Jahren soll dieses Format ausgebaut werden.

Das Goethe-Institut Kamerun bereitet in seinen Sprachkursen gezielt auf ein Studium in Deutschland vor. Die Anzahl der Kurseinschreibungen ist von 2010 bis 2014 um rund 65% gestiegen und umfasst heute jährlich 3.000 Einschreibungen.

Der DAAD unterhält ein Informationszentrum in der Hauptstadt und trägt mit seinen zwei Lektoraten an den Germanistikabteilungen der Universitäten Yaoundé I und (seit 2013) Dschang zum erfolgreichen Erlernen der deutschen Sprache bei.

Im Studienjahr 2008/2009 wurde eine neue Lehrerausbildungsstätte in Maroua gegründet. Dort werden im Fach Deutsch in der Regel 30 Studierende pro Jahr aufgenommen, 20 in ein grundständiges Studium und 10 in den Masterstudiengang. Zurzeit gibt es dort etwa 300 Lehramtsstudierende im Fach Deutsch. Ungefähr 120 Studierende vom 1. bis zum 3. Jahrgang sind an der allgemeinen Deutschabteilung der Universität Maroua eingeschrieben, die 2012 ihren Betrieb aufgenommen hat.

Die vergleichsweise gute Deutschlehrerausbildung in Kamerun, ein wirksam organisiertes DaF-Inspektoren- und Deutschlehrer-Netzwerk sowie die fest etablierte Kooperation mit den fünf PASCH-Schulen kennzeichnen die guten Rahmenbedingungen für die Förderung von Deutsch als Fremdsprache.

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