Auslandspraktikum in Indonesien

Hospitationsbericht BLLV_PASCH Schulen 2020_Studentinnen und Deutschlehrerinnen
© SMA Dwiwarna Boarding School

Wir haben das Abenteuer Auslandspraktikum gewagt. Angela verbrachte ihre Praktikumszeit auf der Insel Ambon. Katharina war in einer Schule in Surabaya, der Hauptstadt der Provinz Ost-Java und Johanna war in einer Internatsschule in Bogor, im Westen Javas. Wir alle drei haben uns beim BLLV für ein Auslandspraktikum beworben. Dieser vermittelte uns weiter an das Goethe-Institut Indonesien und dort teilte man uns zugehörigen PASCH-Schulen im Land zu. Im Folgenden möchten wir einen kleinen Einblick in unsere Praktikumszeit gewähren.
 
Abenteuer Ambon (Bericht von Angela Seibuchner)
Bevor ich meine Praktikumsinsel Ambon erreichte, stand zuerst noch ein kurzer Zwischenstoppin Jakarta auf dem Plan. Dort hatte ich einen Einführungstag am Goethe-Institut Jakarta und lernte meinen Ansprechpartner für Indonesien kennen. Alle, die ich auch an diesem Tag kennenlernen durfte, freuten sich wirklich sehr über meinen Besuch und nahmen sich lange Zeit für mich, um all meine Fragen zu beantworten – vielen Dank an dieser Stelle noch einmal hierfür! Bereits an diesem Tag stellte ich fest, dass vieles doch anders ist, als ich es erwartete (obwohl ich viel über Indonesien gelesen und mit vielen Leuten gesprochen hatte!): beispielsweise war der Unterricht am Goethe-Institut Jakarta sehr strukturiert und die Schülerinnen und Schüler waren sehr motiviert, Deutsch zu lernen. Dieser Tag machte mich neugierig auf die kommenden Wochen. Rückblickend war dieser Tag im Übrigen sehr wertvoll für mich, um mich auf den kommenden Kulturschock zu Beginn in Ambon vorzubereiten.
 
Meine Reise ging weiter nach Ambon – eine relativ kleine Insel, ca. 3,5 Flugstunden östlich von Jakarta. Zuerst war ich absolut überwältigt, wie anders diese Insel doch ist: im Vergleich zu Jakarta bergig, wenig bebaut und vor allem sehr sehr grün! Das fand ich super! Jedoch übermannten mich zahlreiche Kulturschocks schneller als gedacht: etwa die äußere Erscheinung der Häuser und des Zentrums, Hygienebedingungen, das (für europäische Gaumen) scharfe Essen, das (teilweise heimliche) Fotografiert-werden, den Alltag und die Bewältigung der Haushaltsarbeit.
 
Als ich jedoch am 3. Tag nach meiner Ankunft den Unterricht an der SMA N 1 Ambon besuchte, besserte sich mein Befinden etwas. Ich durfte an einer relativ großen Schule (ca. 900 Schülerinnen und Schüler) als Deutschlehrerin arbeiten und wurde sofort herzlich im Kollegium aufgenommen. Ich unterrichtete an sechs Tagen in der Woche mit verschiedenen Deutschlehrerinnen zusammen in den Klassen 10-12. Sie waren sehr dankbar über meine Mithilfe und ließen mich bald auch eigene Stunden halten. Da der meiste Unterricht eher frontal gehalten wird, versuchte ich deshalb, typisch deutsche Unterrichts- und Differenzierungsvielfalt zu zeigen. Diese Stunden wurden dann auch offen von den Lehrkräften angenommen und selbst von ihnen getestet. Das hat mich sehr gefreut, ein Stück „deutschen Unterricht“ in dieser Schule zu etablieren.
 
Schulalltag in Surabaya (Bericht von Katharina Held)
Mein Wecker läutete um 05:30 Uhr. Um 6:00 Uhr ging es von meiner Gastfamilie aus los in Richtung Schule, SMA N 15 Surabaya. Es war eine Strecke von ca. vier Kilometern, welche aber am Morgen durchaus 20 Minuten dauerte. An der Schule angekommen, war ich erstmal sehr überrascht. Die Schule war erstaunlich groß und machte von außen auch einen sehr ordentlichen Eindruck. Draußen tummelten sich große Menschenmenschmassen, bestehend aus Schülerinnen und Schülern, natürlich alle in der gleichen Uniform. Am Montag stand als erstes immer eine Flaggenparade auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler versammelten sich alle im Schulhof, sie stellten sich in Reih und Glied, geordnet nach Jungen und Mädchen und Jahrgangsstufen, auf. An diesem Tag trugen alle Schülerinnen und Schüler zusätzlich eine identische Mütze zum Montagsappel. Während dieser Zeremonie sang der Chor verschiedene Lieder, es wurden Bitten und Gebete vorgetragen und der Höhepunkt bestand darin, dass der Leiter der Stadtpolizei, der gelegentlich eingeladen wurde, die fünf Grundlagen des indonesischen Staates verlas. Die Zeremonie dauerte insgesamt circa 30 Minuten und findet jeden Montag statt. An den anderen Tagen wird morgens aber auch gebetet und die indonesische Nationalhymne verlesen.
Hospitationsbericht BLLV_PASCH Schulen 2020_SMAN 15 Surabaya © SMA N 15 Surabaya Nach dieser Parade begaben sich alle Schülerinnen und Schüler in die Klassenzimmer und der eigentliche Unterricht konnte starten. Der Tagesablauf ist für alle identisch. Jeder Tag besteht aus zehn Schulstunden, außer freitags, da dies der heilige Tag des Islam ist, endet der Unterricht bereits mittags. Die Organisation des Schulalltags wirkte auf den ersten Blick recht ähnlich zum deutschen Schulalltag. Bei genauerem Betrachten, erkannte ich dann doch viele Unterschiede.
 
Assalamualaikum in Bogor (Bericht von Johanna Tengler)
Die SMA Dwiwarna Boarding School ist ein muslimisches Privat internat und es ist eine Inklusionsschule. In meiner ersten Woche in Bogor war Schulfestwoche "Festival Dwiwarna Benevolencia". Es fand kein Unterricht für die Schülerinnen und Schüler statt, dafür konnten sie jedoch an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen. Hierfür reisten viele Schülergruppen aus ganz Indonesien an. Die Schülerinnen und Schüler traten in Englisch, Deutsch, Indonesisch, Japanisch, Mathematik und bei Malwettbewerben gegeneinander an. Außerdem fanden Theateraufführungen und sportliche Wettkämpfe, wie beispielsweise Futsal, Basketball oder Bogenschießen, statt. Das Festival endete am Samstag mit einem Konzertabend in Bogor.
Hospitationsbericht BLLV_PASCH Schulen 2020_SMA Dwiwarna © Johanna Tengler Meine Aufgabe in der Schule war es, die beiden Deutschlehrerinnen in ihrem Unterricht zu unterstützen. Hierbei lag der Fokus vor allem auf dem Sprechen und der Grammatik. Die Deutschlehrerinnen an meiner Schule sind sehr gut und sprechen auf hohem Niveau flüssig Deutsch. Der Unterricht erfolgte, wenn ich allein unterrichtete, bilingual auf Englisch und Deutsch. Wenn die Deutschlehrkräfte anwesend waren, sogar trilingual auf Indonesisch, Deutsch und Englisch. Ich half in den regulären Deutschstunden und in den zusätzlichen Deutschklubs am Abend nach dem Abendessen. Außerdem korrigierte ich viele Prüfungen oder Übungsaufgaben der Schülerinnen und Schüler. Ich hospitierte neben dem Deutschunterricht auch im Englisch-, Wirtschaft- und Sportunterricht.
 
Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl in der SMA Dwiwarna Boarding School. Die Menschen waren alle sehr freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Von den Lehrerinnen wurde ich ab meiner Ankunft mit in die Mensa oder in Restaurants genommen und in meiner Freizeit wurden viele Unternehmungen für mich organisiert. Ich lernte den Islam als offene, warmherzige und faszinierende Religion kennen. Die Menschen vor Ort machtenmeinen Aufenthalt im Paradies zu einer großartigen Erfahrung. Ihren Gästen bieten Indonesierinnen und Indonesier immer vieles und stets das Beste an. Sie sind sehr großzügige und herzliche Menschen!