Online-Ausstellung Aufbruch! Architektur der Fünfzigerjahre in Deutschland

 

Online-Ausstellung; Goethe-Institut/Hans Engels Zur Online-Ausstellung

Die Architektur der Fünfzigerjahre stellt das Gegenstück zur Monumentalität der Kriegsjahre, zu den Schuttbergen der Nachkriegsjahre und der Maßstabslosigkeit der nationalsozialistischen Architektur dar. Die Fotografien von Hans Engels mit Texten von Axel Tilch machen den Geist der Zeit wieder lebendig.

Mit viel Schwung in Mode, Musik, Design und Architektur begann die junge Bundesrepublik. In den Fünfzigerjahren enstand, was uns heute vielfach beglückt und bedrückt. Kühlschrank und Staubsauger hielten Einzug in die Haushalte, in den Wohnzimmern standen Cocktailsessel, Nierentische und dreistrahlige Tütenlampen, die Zahl der Autos explodierte, der Ruf nach Autobahnen folgte auf dem Fuss. Die Frau gab sich modern, obwohl ihr erst ab 1. Juli 1958, mit der Reform des BGB, die volle Vertragsberechtigung und die Berechtigung zur Erwerbstätigkeit eingeräumt wurde. Die Damenmode betonte die schmale Linie mit Bleistiftröcken und Pfennigabsätzen, das Cocktailkleid setzte sich durch und die Mädchen trugen weite Röcke mit Petticoat aus volanartig gerafften Perlontüll, in jedem Fall war die Taille sehr eng. Im Rock'n'Roll feierten die Halbstarken ein neues Lebensgefühl und orientierten sich im Habitus an James Dean und Marlon Brando.

Die Fünfzigerjahre waren eine Zeit des Aufbruchs in den Konsumrausch und in die Mobilität. Sie gelten aber auch als miefige, verklemmte Zeit, geprägt von Autoritäten in Kirche, Schule und Staat. Antikommunismus und Kalte-Kriegs-Hysterie stempelten Oppositionelle zu Staatsfeinden.

In der Architektur geht die Epoche der Fünfzigerjahre von der unmittelbaren Nachkriegszeit bzw. des Wiederaufbaus von 1945 bis Anfang der sechziger Jahre. Sie wurde abgelöst durch das rationalisierte Bauen der sechziger und siebziger Jahre, in denen das spielerische und leichte völlig verloren gegangen ist.

Charakteristisch für die Architektur der Fünfzigerjahre ist die Stilvielfalt, der Reichtum an unterschiedlichen Formen und Details, das Überdenken dessen, was in den Jahrzehnten zuvor als Stil bevorzugt wurde: zum Beispiel die in den zwanziger Jahren und darüber hinaus weitergeführten konservativen Strömungen mit regionalem oder historischem Bezug, die Richtung des Neuen Bauens im Bauhaus und die darauf aufbauende moderne Architektur der dreißiger und vierziger Jahre im Ausland. Vorbildhaft wirken Bauten der Schweiz, der Niederlande und Skandinaviens, die Bauten der nach 1933 in die USA emigrierten deutschen Architekten und andere Anregungen aus Amerika, auch aus Südamerika.

Äußeres, das sich in kunstvoll gestalteten Türen, Türgriffen, Mosaiken, Plastiken und Buntverglasungen realisiert, ist ebenso wichtig wie das Innere, insbesondere die Durchformung der Treppenhäuser. Mit der Experimentierfreudigkeit bei den Materialien, die sich in schlanken Konstruktionen, ausschwingenden Dächern, freischwingenden Betontreppen oder zarten Fensterprofilen ausdrückt, geht die Freude an der Farbe als gestalterischem Ausdrucksmittel einher.

Unter diesen Architekten sind Architekten, die dem Arbeitsstab des Generalinspekteurs für die Reichshauptstadt Berlin unter Albert Speer angehörten, sowie Architekten, die aus politischen Gründen während des Nationalsozialismus nicht mehr bauen durften, sowie Architekten, die aus der Emigration zurückkamen.
 

„Aufbruch! Architektur der fünfziger Jahre in Deutschland“, Prestel Verlag

Der Fotograf Hans Engels ist seit 20 Jahren auf Architekturfotografie spezialisiert. Die Bandbreite seiner Arbeiten reicht dabei von historischen Themen bis zu zeitgenössischen Entwicklungen. Seine Fotografien werden in zahlreichen Büchern und Magazinen publiziert und in Ausstellungen weltweit gezeigt.