200 Jahre Wagner und Verdi
Inszenierungen und Aufnahmen

„Götterdämmerung”; im Zentrum: Hagen/Johan Schinkler. Lettische Nationaloper
„Götterdämmerung”; im Zentrum: Hagen/Johan Schinkler. Lettische Nationaloper | Foto: Gunars Janaitis

Nur knapp zwei Jahre umfasste Richard Wagners Schaffen in Riga und doch ist sein Vermächtnis noch heute hier zu spüren. So wurde zum 200. Jubiläum im Jahr 2013 der komplette Ring in zeitgenössischen Inszenierungen zur Aufführung gebracht. Und auch der runde Geburtstag Guiseppe Verdis blieb nicht unbeachtet in der lettischen Musikszene.

Die Zeitspanne, die Richard Wagner in Riga verbrachte war sehr kurz – sie währte nicht einmal volle zwei Jahre (1837–1839). Doch waren diese Jahre deshalb bedeutsam, weil der junge deutsche Maestro gerade in Riga neuen Schliff und einige gute Ideen bekam, die er später im Laufe seines Lebens verwirklichen sollte. Jedenfalls ist Riga stolz darauf, dass Wagner fast ganze zwei Jahre lang versuchte, die Musiker des Rigaer Deutschen Theaters so zu drillen, dass diese sich dem andernorts in Europa praktizierten Musikstil wenigstens ein bisschen annäherten. Leider hat sich dieser Stolz Rigas bis jetzt nie in Bemühungen manifestiert, das Gebäude des ehemaligen Deutschen Theaters in der Wagnerstraße zu restaurieren und dieser neues Leben einzuhauchen – die enge Wagnerstraße in der Rigaer Altstadt ist nicht gerade der erste Ort, an den man ausländische Gäste führen möchte.

„Siegfried”; (im Bild: Mime/Bengt-Ola Morgny, Siegfried/Johnny van Hal). Lettische Nationaloper „Siegfried”; (im Bild: Mime/Bengt-Ola Morgny, Siegfried/Johnny van Hal). Lettische Nationaloper | Foto: Gints Malderis

Der Ring-Zyklus an der Lettischen Nationaloper

Doch der heldenhaften Arbeit der Lettischen Nationaloper, nämlich der Inszenierung der Tetralogie des „Rings der Nibelungen“ gebührt höchstes Lob. Dies war eine mehrjährige Anstrengung und die Arbeit daran begann im Jahr 2006 unter dem damaligen lettischen Chefdirigenten, dem international bekannten Andris Nelsons. Unter seiner Leitung wurde „Rheingold“ inszeniert und nach dieser Aufführung folgten die drei anderen Opern, sodass im Jahr 2014 der ganze Zyklus auf dem Rigaer Opernfestival triumphieren konnte und sowohl von Wagner-Liebhabern, als auch von Kritikern aus der ganzen Welt enthusiastisch beklatscht wurde. Die Inszenierung der Tetralogie erhielt den Lettischen Großen Musikpreis 2013, was sicherlich nicht zuletzt der Verdienst eines der im Moment weltweit gefragtesten Wagner-Interpreten, des lettischen Bassbaritons Egils Siliņš war. Es sei hier auch erwähnt, dass im Jahr 2013 Sony Music Entertainment eine CD mit Fragmenten aus den Opern „Der fliegende Holländer“, „Rheingold“ und „Walküre“ herausbrachte, die Egils Siliņš zusammen mit dem Züricher Tonhallen-Orchester und David Zinman eingespielt hat.

„Die Walküre” „Die Walküre” | Foto: Andris Krievins. Lettische Nationaloper

Neue Verdi-Interpretationen

Wenn wir über Neuaufnahmen sprechen, müssen wir noch einen Jubilar des Jahres 2013 nennen: Guiseppe Verdi. Auch seine Diskographie wurde in diesem Jahr durch lettische Musiker bereichert. Schon an Daniels Bārenboims Aufführung von Verdis Requiem bei den Salzburger Festspielen 2012 nahmen hervorragende Solisten teil und im Jahr 2013 dann, erschien eine Aufnahme, die aus interpretatorischer Sicht etwas theatralisch und fast ein wenig brutal geriet, doch - und das ist wichtig - überraschte Elīna Garanča, die zusammen mit Anja Harteros, Jonas Kaufmann und Rene Pape das Solistenquartett bildetet alle mit einer bis dahin ungehörten Virtuosität des Brustregisters.

Der andere Verdi-Botschafter ist Aleksandrs Antoņenko, der sich im Laufe des Jahres zu einem der besten Otellos der Welt entwickelte. Hört man heute die Aufnahme, die das Chigago Symphony Orchestra 2013 unter der dramaturgisch straffen Leitung von Riccardo Muti herausbrachte, kann man seinen Stolz auf den von Antoņenko verkörperten Otello, der mit der von Krasimira Stojanova gesungenen Desdemona hervorragend harmoniert nicht verbergen.

Doch hier in Riga war einer der unvergesslichsten Augenblicke im Verdi-Jahr die Aufführung des Requiems in der Petrikirche. Unter der einfühlsamen, unaufdringlichen Leitung des Chefdirigenten des Lettischen Nationalen Symphonieorchesters Andris Poga vollbrachte die Solistin der Lettischen Nationaloper Liene Kinča wahre Wunder, die in einem emotional unglaublich intensiven Solo mit den superschweren hohen Oktavensprüngen den Schlussteil des Requiems so sang, dass das Gewölbe der Petrikirche fast schmerzhaft Funken schlug, die Herzen der Zuschauer erzitterten und so Augenblicke der Katharsis schuf.