Dokumentarfilm in Lettland
Sowjetisch, poetisch, provokant

„Weiße Glocken”, 1961, Regisseur: Ivars Kraulitis
„Weiße Glocken”, 1961, Regisseur: Ivars Kraulitis | © Rigas Kino Muzejs

Das erste in Lettland gedrehte Kinomaterial, das sich bis heute erhalten hat, wurde während des Besuchs des russischen Zaren Nikolaj II in Riga im Jahr 1910 aufgenommen. Dokumentarisches Filmmaterial wurde jedoch schon früher, schon ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts gedreht.

Chroniken, oder Wochenschauen waren der Beginn des Dokumentarfilms in Lettland – seit 1921 erschien die „Lettische Filmschau” („Latvijas filmu hronika”). Seit 1929 drehte der berühmte Kameramann Eduards Kraucs die Schauen; im Jahr 1931 waren schon 100 Schauen entstanden. In den 1930er Jahren kam jede Woche eine Tonschau auf die Kinoleinwand (Lettische Tonschau) („Latvijas skaņu hronika”) (1933-1940). Damals – während der ersten Periode der lettischen Unabhängigkeit – waren die Kinoschauen Bestandteil der staatlichen Politik: Es war den Kinotheatern gesetzlich vorgeschrieben vor jeder Vorstellung eine Wochenschau zu zeigen. Der Inhalt der Schauen war hauptsächlich nationalistischer Natur – Massenveranstaltungen mit politischem Charakter, Reden von Präsident Ulmanis, Volkslied- und Volkstanz-Veranstaltungen, Naturbilder, die die Schönheit Lettlands hervorhoben, die Arbeit der Bauern und Ähnliches. Diese Filmmaterialien sind wertvolle historische Zeugnisse und auch ethnografische Dokumente. Kraucs hielt auch den politischen Regimewechsel zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf Film fest.

In der Propagandafalle

„Padomju Latvija” (Sowjetisches Lettland) Nr. 6, 1959, Regisseur: Aloizs Brenčs „Padomju Latvija” (Sowjetisches Lettland) Nr. 6, 1959, Regisseur: Aloizs Brenčs; © Lettisches Staatliches Archiv für Film-, Foto-, Phonomaterialien

Nach dem Krieg waren in Lettland fast alle Bereiche, darunter auch die Kinoproduktion vom Zusammenbruch des politischen Systems geprägt, die Erneuerung vollzog sich unter dem neuen Regime – im Rahmen der sowjetsozialistischen Ordnung. Die Kinoproduktion wurde zentralisiert und staatlich organisiert. 1948 nahm das Rigaer Kunst- und Schaufilmstudio seine Arbeit auf, seit 1958 hieß es Rigaer Filmstudio. Dort wurden sowohl Wochenschauen als auch Dokumentarfilme und Spielfilme produziert. In den ersten Jahren des Sowjetregimes dienten sowohl Wochenschauen als auch Dokumentarfilme den politischen Interessen der neuen Staatsordnung. Mithilfe des Kinos wurde die Geschichte umgeschrieben, um die staatliche „Erneuerung” und den Aufbau des neuen Staates zu zeigen. Das Leninsche Postulat „Das Kino ist die wichtigste der Künste” drückte sich besonders anschaulich im Dokumentarfilm aus.

Von 1944 bis 1990 hielten die Wochenschauen „Sowjetisches Lettland” („Padomju Latvija”), „Pionier” („Pionieris”), „Kunst” („Māksla”) u.a. das industrielle und landwirtschaftliche Wachstum, den sozialistischen Arbeitswettbewerb, Sport- und Erholungsaktivitäten und das alltägliche Leben fest. Tatsächlich spielten Dokumentarfilme dieser Art dieselbe Propagandarolle wie andere Medien dieser Zeit, die unter Aufsicht der einzigen Partei standen – Presse, Radio und Fernsehen. Fakten wurden nicht nur dokumentiert, sondern ihnen wurde auch der nötige ideologische Einschlag gegeben. Den Wochenschauen war auch ein sofortiger Effekt eigen, denn das gefilmte und geschnittene Material kam schon am nächsten Tag auf die Kinoleinwand. Wenn man die meisterhaft geschnittenen Aufnahmen der Wochenschauen, in denen einfache Werktätige, Männer und Frauen (in der Elektrotechnikfabrik, im Geschäft, auf dem Konzert, bei Sportveranstaltungen, am Strand oder an anderen Orten) gezeigt wurden, unterlegt mit dem ideologisch „richtigen” Text des Sprechers unter heutigen Gesichtspunkten betrachtet, erscheinen sie fast komisch, doch sie demonstrieren außerordentlich genau, wie zu dieser Zeit die Medien funktionierten. Die Dokumentarfilme dieser Zeit erfüllten ähnliche Funktionen und nutzten die gleichen formalen Techniken wie die Wochenschauen.

Eine neue Bewegung

Der Kurswechsel erfolgte in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als eine neue Bewegung aufkam, die sogenannte Rigaer poetische Dokumentarfilm-Schule und ihre Schöpfer. Zu der Zeit, als überall auf der Welt in den Kinos die Nouvelle Vague ausbrach, manifestierte sich auch hinter dem Eisernen Vorhang in Sowjetlettland eine neue Strömung in den Werken junger Regisseure. Im Unterschied zu den bisher gezeigten Dokumentarfilmen suchten Hercs Franks, Ivars Kraulītis, Uldis Brauns, Aivars Freimanis und Ivars Seleckis in ihren Arbeiten die Poesie im Alltäglichen und scheinbar Gewöhnlichem. Die wichtigsten Filme dieser Zeit – „Weiße Glocken” („Baltie zvani”, 1961, Regie: Kraulītis – ein Spielfilm, mit dem ironischerweise diese Richtung des Dokumentarfilms ihren Anfang nahm), „235 000 000” (1967, Uldis Brauns), „Reportage eines Jahres („Gada reportāža”,1965, Aivars Freimanis), „Die Küste” („Krasts”, 1963, Aivars Freimanis, Ivars Seleckis) – werfen einen Blick auf Menschen in Fischerdörfern, in der kaukasischen Steppe und in Städten, wobei die alltäglichen Details mit künstlerischer Bedeutung aufgeladen werden. Einer der berühmtesten lettischen Dokumentarfilme aller Zeiten ist der Kurzfilm „Um 10 Minuten älter” („Vecāks par 10 minūtēm”, 1978, Hercs Franks), in dem in einer einzigen fortlaufenden Einstellung die Emotionen im Gesicht eines kleinen Jungen festgehalten sind, der eine Puppentheateraufführung betrachtet. Der Film wurde zum chrestomathischen Kinoklassiker in Lettland und weltweit und inspirierte sowohl Regisseure, als auch Zuschauer.

„Das höchste Gericht”, 1987, Regisseur: Hercs Franks „Das höchste Gericht”, 1987, Regisseur: Hercs Franks; © Rigas Kino Muzejs

Der erwähnte Regisseur und die Zeitgenossen seiner Generation führten ihre Arbeit in den siebziger und achtziger Jahren fort. Sie schufen sowohl Arbeiten zu sozialen Querschnittsthemen (Die Rollen der Männer und Frauen in der sowjetischen Gesellschaft in I.Seleckis` Filmen „Die Frau, auf die ich warte?” („Sieviete, kuru gaida?”, 1978), „Ich suche einen Mann” („Meklēju vīrieti”, 1983), als auch schockierende, provokative und absolut innovative Filme (Hercs Franks - „Das höchste Gericht” („Augstākā tiesa”, 1987), „Es waren einmal sieben Simeons” („Reiz dzīvoja septiņi Simeoni”, 1989), deren Produktion und Erscheinen im sozialistischen Regime ein Wunder, aber gleichzeitig auch nur konsequent war.

Der Untergang der Sowjetunion ist außerordentlich lebendig dargestellt in dem legendären Film des für seine Generation überaus wichtigen Regisseurs und Kameramanns Juris Podnieks „Ist es einfach jung zu sein?” („Vai viegli būt jaunam?”, 1986), in dem sich, in intimen persönlichen Porträts, der beginnende Untergang des Systems in den Ansichten einer ganzen Generation spiegelt.

Das Ende des Systems

Nach der Wiederherstellung der lettischen Unabhängigkeit 1991 traten in der Filmszene mit der Schließung des Rigaer Filmstudios Ratlosigkeit und Erschöpfung ein – für den Großteil der in der Sowjetzeit im Filmbereich Beschäftigten bedeutete dies das Ende ihrer schöpferischen Tätigkeit. In den letzten 20 Jahren zeichnet sich der Dokumentarfilm durch eine Vielfalt an Themen und Kinosprachen aus. Doch unzweifelhaft ist der Dokumentarfilm, neben dem Animationsfilm Lettlands stärkste Kunstsparte, der auch von den Kritikern in der internationalen Arena auf den prestigeträchtigsten Kinofestivals in Cannes, Berlin, Amsterdam und New York anerkennend gewürdigt wird.

Rekonstruktion der Geschichte

Eines der zentralen Themen, das sich wieder und wieder im Großteil der nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Lettlands gedrehten Filme wiederholt, ist die Geschichte, dabei insbesondere der Zweite Weltkrieg, das darauf folgende Sowjetregime und die Erforschung der damit verbundenen tragischen Ereignisse. Diese Filme sind der genuine Versuch Geschichte zu rekonstruieren und nach einem halben Jahrhundert der retuschierten Realität im Dokumentarfilm und der Kunst überhaupt nach der historischen Wahrheit zu suchen. Die Schrecken des Krieges, Nazismus, die Repressionen des kommunistischen Regimes, die Deportationen nach Sibirien und die Verbrechen der Tscheka sind immer noch ein aktueller Themenkreis in Filmen, die formal in der Collagetechnik durch Zusammenfügung der Filmmaterialien aus Archiven, Fotografien, Dokumente, Interviews und aktuellen Forschungsstudien gestaltet sind. Der Aufbau der Filme selbst unterstützt ihr Ziel: umstrittene Bereiche der Geschichte so vielseitig wie möglich zu rekonstruieren.

Breite Resonanz in den internationalen Medien rief „Die Sowjetstory” („Padomju stāsts”, 2008, Edvīns Šnore) hervor, die sich mit dem Genozid des Sowjetregimes an Millionen Menschen befasst, wobei das sozialistische Regime mit seinem Feind, dem Nazismus und seinen Verbrechen gleichgestellt wird. Der Film zieht auch meisterhaft Parallelen zwischen den ironischen Ähnlichkeiten in den Propagandainstrumenten und politischen Mechanismen der beiden Großmächte.
 
Edvīns Šnore: „Die Sowjetstory”, 2008
Edvīns Šnore: „Die Sowjetstory”, 2008 (Trailer)

„Widersprüchliche Geschichte” („Pretrunīgā vēsture”, 2010, Ināra Kolmane) analysiert verschiedene historische Ereignisse des Zweiten Weltkriegs unter heutigem Blickwinkel in der Interpretation verschiedener sozialer und ethnischer Gruppen, die stark voneinander abweichende Standpunkte einnehmen. Die Erfahrungen von Letten, Juden und Russen unterschieden sich krass und die Folgen davon sind jährlich in Lettland zu spüren. Wenn stürmische Reaktionen provoziert werden und massenhaft Feindschaft geschürt wird, geschieht dies nicht nur innerhalb der lettischen Gesellschaft, sondern auch außerhalb der Staatsgrenzen. Dabei wird an historische Ereignisse erinnert, die für die Einen das Ende eines Konflikts, des Krieges, bedeuten, aber für Andere den Beginn eines harten, totalitären Regimes markieren.
 
Ināra Kolmane: „Widersprüchliche Geschichte”, 2010
Ināra Kolmane: „Widersprüchliche Geschichte”, 2010 (Trailer)

Fokussiert auf die heutige Zeit, zeigt Antra Cilinskas Film „Sind sie anders” („Vai citi?”, 2006) die Aktualität schmerzhafter historischer Fragen in Lettland: das Leben in einer ausgeprägt binationalen Gesellschaft von Letten und Russen, in der Probleme im friedlichen Zusammenleben beider Gruppen ständig von den Medien und durch Manipulationen politischer Gruppierungen aufgeheizt werden. Der Film macht sehr gut deutlich, wie lebendig und wahrhaft widersprüchlich die Geschichte heute ist.

Dzintra Geka ihrerseits ist eine Regisseurin, die sich des Themas der Deportationen nach Sibirien annimmt – der größten massenhaften Deportation in der Geschichte seit Lettlands Bestehen 1941 und 1949. Im Jahre 2011 erschien schon der neunte diesem Thema gewidmete Film.

Persönliche Geschichten

Mehrere außerordentlich lebendige und künstlerisch hervorragend gemachte Filme beschäftigen sich mit derselben Interpretationskollission von Geschichte dieser Epoche durch das Prisma einer Person, wobei sie eine Definition darüber versuchen, wie das Individuelle durch das Kollektive beeinflusst wird und umgekehrt. Die verschiedenen Techniken der Filme – dramaturgische Elemente, Animation, Legetricktechniken mit bewegten Fotografien, u.ä. kreieren Kollagen und spiegeln in natürlicher Weise die komplizierten facettenreichen Fragen der Filme wider. Die Filme „Klucis. Der falsche Lette” („Klucis. Nepareizais latvietis” , 2008, Pēteris Krilovs) und „Version Vera“ („Versija Vera”, 2010, Ilona Brūvere), kombinieren Spielfilm- und Dokumentarfilmelemente und verfolgen, durch Rekonstruktion von Geschichte in großem Maßstab, das Schicksal zweier in Lettland geborener Figuren, des konstruktivistischen Avangardists, eines der Erschaffer der stalinistischen Propaganda Gustavs Klucis und der Bildhauerin Vera Muchina. Ihre Handlungsmotive, der verwickelte politische Kontext und der künstlerische Schwung sprechen sehr konkret über die Rolle der Künstler - bewusst und unbewusst – bei der Konstruktion der Propaganda des Sowjetregimes.
 
Pēteris Krilovs: „Klucis. Der falsche Lette”, 2008
Pēteris Krilovs: „Klucis. Der falsche Lette”, 2008 (Ausschnitt)

„Tagebuch eines kleinen Vogels” („Čiža acīm”, 2007, Edmunds Jansons) ist ein lebendiges humorvolles Beispiel für die Kombination von Animation und Dokumentation. Der Film besteht aus animierten Sequenzen authentischer Zeichnungen, die Irina Piļke schon seit 1945 in ihrem Tagebauch verewigt hat. Dagegen wirft der Film „Speck, Butter und meine Mutter” („Bekons, sviests un mana mamma”, 2008, Ilze Burkovska-Jakobsena) einen Blick auf das Leben in „Sowjetija”, den sowjetischen Arbeitswettkampf in der Landwirtschaft, die Kolchosen, Fünfjahrespläne, Propaganda und die Unvereinbarkeit all dessen mit der Realität durch die Augen einer Mutter und Bäuerin.

Bedeutend ist die Tatsache, dass das Thema dieser Filme auch heute noch scheinbar unerschöpflich ist und immer und immer wieder dazu führt, dass Geschichte neu geschrieben wird, dass sie aufgebrochen und wieder zusammengesetzt wird und das mit einer Skrupulosität, die von dem Überlebenswillen der Letten als Nation zeugt und dem Wunsch, die jahrzehntelange Last, die das lettische Volk politisch, sozial und persönlich zu tragen hatte, abzuschütteln.

Konflikt und Provokation

Neben der Erforschung der Geschichte ist der Blick auf aktuelle politische und soziale Fragen genauso wichtig. Natürlich ist dabei das Provokante und Skandalöse ein dankbares Thema für Dokumentarfilme: scharfe politische und gesellschaftliche Konflikte, der Alltag sozial ausgestoßener Individuen. Eine in dieser letzten Hinsicht hervorragende, international anerkannte Arbeit, die einen lokalen Skandal hervorrief, ist der Film des jungen Regisseurs Andris Gauja „Familienangelegenheiten” („Ģimenes lietas”, 2010). Im Zentrum des Films steht die inzestuöse Beziehung zweier Geschwister im Beisein ihrer zwei Kinder, Verwandter und Anderer, die sich in einem Sumpf von Alkoholismus, Gewalt, moralischer Verkommenheit, Armut und instabiler psychischer Verfassung in der lettischen Provinz abspielt. Der Skandal wurde nicht nur durch den Inhalt des Filmes hervorgerufen, sondern auch durch die auffallenden inszenatorischen Elemente, die einmal mehr die Diskussion darüber entfachten, wo der Dokumentarfilm endet und der Spielfilm beginnt.
 
Andris Gauja: „Familienangelegenheiten”, 2010
Andris Gauja: „Familienangelegenheiten”, 2010 (Trailer)

„Der Dokumentarfilmer” („Dokumentālists”, 2012, Ivars Zviedris, Inese Kļava) wird ganz bestimmt als eines der bedeutendsten Werke in der lettischen Kinogeschichte in Erinnerung bleiben, denn er erforscht ein für die Kinokunst wesentliches Thema: das Wesen und Ziel des Dokumentarfilms und die Beziehung zwischen Regisseurs und Hauptfigur – in diesem Fall die robuste und exzentrische Frau aus dem Moor Inta, in deren Leben unerwartet der Dokumentarfilmer mit seiner Kamera einbricht. Unbedingt ist auch Kaspars Gobas dem Thema der Homophobie gewidmeter Film „homo@LV” (2010), der präzise die aufgeheizte Situation in Lettland dargestellt und international Resonanz gefunden hat. Der Film wurde auf dem internationalen Kinofestival in Berlin gezeigt.

Die Handschrift der Regisseure

„Fähre”, 1994, Regisseurin: Laila Pakalniņa „Fähre”, 1994, Regisseurin: Laila Pakalniņa; © Nationales Filmzentrum Lettlands

Doch der lettische Dokumentarfilm stellt nicht nur provokative sozialpolitische Themen dar. Die Dokumentarfilmszene der letzten zwanzig Jahre wäre ohne Laila Pakalniņa nicht vorstellbar. Sie ist eine der meist beachteten und weltweit am häufigsten ausgezeichneten lettischen Regisseurinnen. Die Einzige, deren Filme im Trio der A-Klasse-Festivals von Cannes, Berlin und Venedig und auch auf anderen bedeutenden Filmfestspielen in den Wettbewerb aufgenommen wurden. Für ihre langsamen, die Dauer der Zeit betonenden Filmen sind Ironie und eine präzise Gesellschaftsbeobachtung charakteristisch. Ihre Filmografie ist achtbar, besonders sticht die Trilogie „Wäsche” („Veļa”, 1991), „Fähre” („Prāmis”, 1994), „Post” („Pasts”, 1995) heraus. Die Filme von Pakalniņa weisen Ähnlichkeiten mit der poetischen Kinoschule der 1960 Jahre auf, denn auch ihr Blick sucht – in ausgesprochen langen Einstellungen – das Poetische an alltäglichen Orten und Tätigkeiten: in Krankenhäusern, in heruntergekommenen Vorstadtsiedlungen, auf Müllhalden und am Stadtrand.

Der Kinoregisseur und Theoretiker Dāvis Sīmanis arbeitet konsequent an intellektuell anspruchsvollen, formal experimentellen Filmen, die reich an kulturhistorischen Bezügen sind – „Version. LNO” („Versija. LNO”, 2006), „Der Zeichner” („Zīmētājs”, 2007), „Valkyrie Limited” (2009), „Pa-saules skaņa” („Sounds Under the Sun”, 2010); im Moment dreht Sīmanis einen von wahren Ereignissen inspirierten Film über zwei Genies von Weltgeltung, die in Riga geboren wurden – über die Leben des Regisseurs Sergej Eisenstein und des Philosophen Sir Isaiah Berlin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.