Lernort Museum Sinnlich, experimentell und spielerisch

Das Museum kann Allgemeinbildung und Sprachförderung verbinden.
Das Museum kann Allgemeinbildung und Sprachförderung verbinden. | © Goethe-Institut Georgien

Das Museum sollte nicht nur wie der Zoo oder das Theater als allgemeines Klassenausflugsziel genutzt, sondern auch als Lernort für die Fremdsprachenkenntnisse wahrgenommen werden. Ideen zur Vor- und Nachbereitung von Museumsbesuchen im Deutschunterricht finden Sie hier.

Das Museum als Lernort für den Spracherwerb ist ein Ort, wo Lehrerinnen und Lehrer ihre Lernenden aktiv werden lassen können. Außerdem kann der Deutschunterricht im Museum als Motor für die Allgemeinbildung dienen und Kinder, aber auch junge Erwachsene, mit den kulturellen Angeboten in ihrer Stadt oder in ihrem örtlichen Umfeld vertraut machen. Auch Neubürgerinnen und -bürger in Deutschland können von so einem Angebot profitieren, weil es ihnen nicht nur ihre neue Lebensumgebung näherbringt, sondern sie auch sprachlich fördert. Die Lehrenden können ihren Unterricht im Museum praxisorientiert gestalten.

Der Fühlsack steigert besonders das Interesse der Kinder. Der Fühlsack steigert besonders das Interesse der Kinder. | Foto: © Goethe-Institut Georgien In den Materialien zur Ausstellung der Werke des Malers Pirosmani im georgischen Nationalmuseum erarbeiten sich die Lernenden den Wortschatz für Lebensmittel beispielweise über Riechdosen oder lernen die Namen der verschiedenen Früchte über einen Fühlsack. Konkrete Objekte dienen als Impulse für Sprechen, Diskutieren, Beurteilen und Vergleichen. Im Museum stehen sprachliche Aktivitäten, selbstentdeckendes Lernen und Selbstkontrolle der Lernerinnen und Lerner im Zentrum. Zum Beispiel verschaffen sich die Lernenden durch das Suchen nach bestimmten Werken selbstständig einen Überblick über die Ausstellung, bevor sie sich durch eine Bildbeschreibung näher mit einem einzelnen Werk auseinandersetzen. Die Lehrkraft übernimmt hier eine Moderationsfunktion (Gobiani et al 2012: 12).

Deutsch lernen im Museum

Die Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Georgien beteiligte sich durch das Projekt Deutsch lernen im Museum mit dem georgischen Nationalmuseum an dem Museumsprojekt der Kulturabteilung WHY MUSEUMS NOW. Deutschlehrerinnen entwickelten gemeinsam mit Fachleuten des Nationalmuseums und mit der Expertin für Museumsdidaktik Erika Jäggi Materialien für den Deutschunterricht im Museum. Sie didaktisierten zwei Dauerausstellungen in zwei Museen in Tbilissi, durch die sich die Lernenden mit typischen Lehrwerksthemen wie "Essen und Trinken", "Feste feiern" und "Statussymbole" beschäftigen. Inzwischen nutzen viele Deutschlehrkräfte mit ihren Klassen diese Materialangebote in den Museen. Das Projekt ist zum Selbstläufer geworden.

Inhaltlicher Bezug zum Unterricht

Für den Unterrichtsbesuch sollten die Lehrkräfte Dauerausstellungen auswählen, weil sie für längere Zeit verfügbar sind. Da die Lehrerinnen und Lehrer das Material wiederholt nutzen können, bleibt der Arbeitsaufwand für ihre Erstellung im Rahmen. Außerdem sollten sie sich für Ausstellungen entscheiden, die thematisch zum vorgegebenen Lehrstoff passen. Da die Lehrpersonen die Thematik kennen und sich nicht in ganz neue Inhalte einarbeiten müssen, erleichtert es ihnen den Zugang zu dieser Art von Unterricht. Allein der Lernortwechsel trägt dazu bei, dass die Neugier der Lernenden geweckt ist und sie motiviert sind, sich mit den Themen zu befassen.
Natürlich ist es notwendig, sich vorab mit dem Museum zu verständigen, ob Schul- oder andere Lernergruppen im Museum erwünscht sind. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, bieten Museen ausgezeichnete Gelegenheiten für einen modernen und handlungsorientierten Deutschunterricht.

Neue Vokabeln zum Thema Essen und Trinken bei der Bildbeschreibung lernen. Neue Vokabeln zum Thema Essen und Trinken bei der Bildbeschreibung lernen. | Foto: © Goethe-Institut Georgien

Wie verhalte ich mich im Museum? – Regeln festlegen

Neben der Beachtung der allgemeinen Vorschriften, die immer für den Unterricht außerhalb der Schule gelten, sollte sich die Lehrperson selbstverständlich vor dem Unterrichtsbesuch mit der Ausstellung vertraut machen. Wenn im Museum Materialien zur Verfügung stehen, sollte die Lehrkraft überprüfen, ob diese für ihre Lernergruppe geeignet sind.
Beim Eintritt ins Museum sollte sich die Lehrerin oder der Lehrer mit der Gruppe auf gemeinsame Verhaltensregeln verständigen. Im Folgenden befindet sich ein Dokument zum Herunterladen, das eine Diskussion darüber anstößt, was erlaubt und was verboten ist. Natürlich sind die Zuordnungen nicht eindeutig und manchmal für flexible Entscheidungen offen. Aber die Auseinandersetzung mit den Regeln hat sich als sehr fruchtbar erwiesen, um unangemessenes Verhalten im Museum zu vermeiden und andere Gäste sowie Gastgebende zufrieden zu stellen.

Nach dem Besuch Erfahrungen austauschen

Lehrkräfte sollten jeden Museumsbesuch in der Klasse aufgreifen, damit die Lernenden offengebliebene Fragen stellen und sich über ihre Erfahrungen austauschen können. Auch zur Festigung des Gelernten bieten sich Aktivitäten in der Klasse an. Dieses Dokument gibt Anregungen, wie die Nachbereitung ablaufen könnte. Große Lernergruppen im Museum locken auch andere Besucherinnen und Besucher an. So werden sie auch auf das Deutschlernen aufmerksam. Große Lernergruppen im Museum locken auch andere Besucherinnen und Besucher an. So werden sie auch auf das Deutschlernen aufmerksam. | Foto: © Goethe-Institut Georgien

Plädoyer für außerschulische Lernorte

Heutzutage braucht es gute Gründe, sich mit Deutsch zu befassen und vor allem bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse für Deutsch zu wecken. Außerschulische Lernorte, wie das Museum, wirken in diesem Zusammenhang in zwei Richtungen: Sie motivieren die Schülerinnen und Schüler und machen gleichzeitig eine breitere Öffentlichkeit auf das Deutschlernen und die Möglichkeiten des Deutschunterrichts aufmerksam.
 

Literatur

Bakanidze, Nino/Gamkrelidze, Ekaterina/Gobiani, Miranda/Meburishvili, Tinatin/Panjakidze, Makrine/Shalamberidze, Bella (2012): Deutsch lernen im Museum. Sein und Schein. Statusbestimmende Symbole früher und heute.