Maker-Bewegung Einfach machen

FabLab Berlin
FabLab Berlin | Foto (Ausschnitt): © Stephan Pramme

Die Szene der sogenannten Maker ist in Deutschland stark gewachsen. Es gibt sogar erste Kooperationen mit Politik und Wirtschaft.

„Wrmm, wrmm, wrmm“, macht der 3-D-Drucker auf der Fensterbank. Vor einem Flipchart stehen drei junge Männer und diskutieren leise. Weiter hinten im Raum riecht es nach türkischem Döner Kebap – hier sitzt eine Arbeitsgruppe beim Mittagessen zusammen. Wer das Fab Lab betritt, eine offene Hightech-Werkstatt im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin, kann sie förmlich mit Händen greifen – diese spezielle Mischung aus Kreativität, Neugier, Engagement und kommunikativem Austausch. In den rund 200 Quadratmeter großen Arbeitsräumen herrscht eine konzentrierte und doch lebendige Atmosphäre. Sie ist typisch für die Maker-Szene.

Diese Bewegung, die man als digitale Spielart des Do-it-yourself-Trends bezeichnen kann, ist in den USA entstanden und von dort schnell nach Europa gelangt. In Italien – dem Herkunftsland des in der Szene sehr beliebten programmierbaren Mini-Computers Arduino – ist die Begeisterung besonders groß. Auch in Deutschland gibt es inzwischen Dutzende offene Werkstätten, sogenannte Maker Spaces oder Fab Labs (von „fabrication laboratory“, also in etwa „Herstellungslabor“). Jedes Jahr gibt es weitere Veranstaltungen, Konferenzen, Publikationen zum Thema. Die größten Treffen finden in München, Hannover und Berlin statt. „Mit mehr als 15 kleineren Maker-Messen im deutschsprachigen Raum präsentiert sich die Szene hier zudem besonders regional“, sagt Martin Laarmann, Geschäftsführer der Beratungsfirma Make Germany und einer der Organisatoren der Messe Make Munich.

Innovationen aus Textilien, Licht, Metall

Doch was genau machen Maker eigentlich? „Ich fasse den Begriff sehr weit“, sagt Laarmann. Maker sieht er überall da am Werk, wo Menschen selbst Hand anlegen. Auch „Repair Cafés“, in denen Nachbarn sich gegenseitig beim Reparieren von alten Elektrogeräten helfen, könne man durchaus als Teil der Bewegung sehen. Manche Maker interessieren sich für Mode und experimentieren mit Stoff, andere arbeiten mit Licht oder Metall. Wieder andere entwerfen Möbel oder Schmuckstücke. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Tüftler, die exzellent programmieren und konstruieren können. Sie stellen in den offenen Werkstätten Prototypen innovativer elektronischer Produkte oder Ersatzteile für ältere Modelle her. „Zwischen 20 und 30 Leute kommen täglich“, erzählt Sam Robinson, Manager im Fab Lab Berlin. Dort nutzen sie das Textillabor oder die Holzwerkstatt, bearbeiten Material an der Fräse oder drucken ihre Entwürfe an einem der zahlreichen 3-D-Drucker aus. 

Manchmal sind die Maker dabei einfallsreicher und kreativer als die Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen. Das macht die Szene auch für die Wirtschaft interessant. Viele Hightech-Firmen haben großes Interesse daran, mit den Makern in Kontakt zu kommen. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Potenzial für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland erkannt und fördert deshalb den Austausch zwischen Unternehmen und jungen Entwicklern. Vor allem das Thema Photonik, also Lichttechnologie, steht dabei im Fokus. In diesem Bereich hofft man besonders auf die Ideen und Impulse der freien Entwicklerszene. „Citizen Science“ heißt der Ansatz: Bürger können sich direkt und unmittelbar an Forschung und Produktentwicklung beteiligen.

Mehr als eine Wiege für vielversprechende Start-ups

Doch noch steht der Dialog zwischen der neuen Erfindergeneration und den Großunternehmen am Anfang. Gemessen an anderen europäischen Ländern sei die institutionelle Förderung in Deutschland recht überschaubar, so Laarmann. „Wir würden uns wünschen, dass die Politik noch mehr tut, um die Szene zu unterstützen.“ Denn Maker Spaces könnten viel mehr für das öffentliche Leben tun, als eine Wiege für vielversprechende Start-ups zu sein. Sie sind ein Treffpunkt, fördern den Dialog zwischen Hackern und Handwerkern, zwischen Älteren und Jüngeren, zwischen lokalen Unternehmen und dem Nachwuchs. „Selbst für kleinere Städte kann sich die Einrichtung eines Fab Lab daher absolut lohnen.“

Auch im Fab Lab Berlin wollen nicht alle Maker komplexe Prototypen entwickeln oder gleich eine eigene Firma gründen. Viele genießen einfach die angenehme Arbeitsatmosphäre – und freuen sich, dass sie für ihre Experimente gegen eine geringe Gebühr neueste Maschinen nutzen können. Die Demokratisierung der Produktion – auch das ist ein zentrales Motiv der Bewegung. „Manche wollen bloß individuelle Geschenke basteln“, sagt Sam Robinson. Und natürlich sind auch diese Maker jederzeit willkommen.