Raritätensammlungen Museale Schätze, exzentrische Sammler

Kuriositätenmuseum in Lindlar
Kuriositätenmuseum in Lindlar | © www.lindlar.de

Die Zeiten, in denen Museen ein Synonym für Langeweile waren, sind vorbei. Wer bei diesem Begriff noch immer an angestaubte, von gelangweilten Schulklassen belagerte Ausstellungssäle denkt, sollte sich vielleicht auf eine Museumsreise begeben und sein Urteil revidieren – vielleicht ja entlang der Route, die Monika Salchert in 111 Museen in NRW, die man gesehen haben muss skizziert. Darin beschreibt die Autorin Sammlungen, die zwar nicht so umfangreich sind wie die der großen Nationalmuseen, sie in Sachen Originalität jedoch oft übertreffen. Wir wollen hier einige von ihnen vorstellen, die uns besonders gut gefallen haben.

Das Schokoladenformenmuseum

Diese außergewöhnliche Ausstellung kann nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Michael Lothar Wolf hat auf einer Fläche von 120 m² über 4000 Gießformen zur Herstellung von Schokoladenfiguren zusammengetragen. Die größte Gruppe von Exponaten stellen Formen zur Herstellung von Osterhasen dar, dahinter folgen Gießformen für Schokoladenweihnachtsmänner. Doch daneben finden sich auch röhrende Hirsche, Zwerge auf Tretrollern und freundliche Bärchen in unterschiedlichen Größen und Stellungen. Des Weiteren erfahren wir in der Ausstellung, dass sich auch ganze Genreszenen aus Schokolade gießen lassen, zum Beispiel eine Kutsche mit Hasengespann oder auch zwei Hasen auf einem Motorrad. Ein Film über die Herstellung von Schokolade sowie praktische Übungen im Schokoladegießen runden unseren Besuch ab. Lecker!
www.schokoladenformenmuseum.de

Das Kuriositätenmuseum

Über dem Eingang zu diesem privaten Museum hängt ein Schild mit der Aufschrift „Haus Safari“ – die richtige Einstimmung auf eine Reise in die Welt des Absurden. Es ist schwer zu sagen, welche Idee dieser Sammlung zugrunde lag, der einzige gemeinsame Nenner der Exponate ist ihre Ausgefallenheit. Sämtliche Ausstellungsstücke dürfen angefasst und sogar – sofern möglich – anprobiert werden. Was gibt es im Kuriositätenmuseum alles zu sehen? „Vor dem kleinen Knusperhäuschen stehen ein riesiger weißer Elefant und ein paar Monsterfiguren. Drinnen wartet eine wilde Mischung. Kanonenkugeln, Pistolen und Säbel liegen neben Karnevalsorden, Puppen, Masken und Musikinstrumenten“, schreibt Monika Salchert.

Musikfreunde werden von der Ausstellung begeistert sein: In einer geheimen Schublade findet sich ein Kaugummi, das angeblich von Elvis Presley persönlich gekaut wurde. Ein weiteres interessantes Exponat ist das Originalkorsett von Kaiserin Sissi. Der Besitzer dieser einzigartigen Sammlung ist Georg Herrmann. Er kennt die Geschichte jedes einzelnen Ausstellungsstücks. Die Bewertung der Glaubwürdigkeit von Herrmanns Geschichten überlässt Monika Salchert jedoch den Besuchern. Georg Herrmann wird ihr diese Skepsis mit Sicherheit nicht übel nehmen, schließlich betreibt er – wie er selbst sagt – ein „Museum der guten Laune”. Die Ausstellung kann nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.
Adresse: Schϋtzenstraße 26, 51789 Lindlar-Altenrath-Böhl, Tel. +49 02266/6839

Das Elvis Museum

Wem es nicht genügt, im Kuriositätenmuseum das vom „King of Rock 'n' Roll“ gekaute Kaugummi zu bewundern, der sollte dem Elvis Presley Museum in Düsseldorf einen Besuch abstatten. Das Museum besitzt nach eigenen Angaben die „weltweit größte private Sammlung von Besitzstücken des King of Rock'n'Roll aus den 50er, 60er und 70er Jahren außerhalb der USA“. Die drei Besitzer des Museums, die selbstverständlich eingefleischte Elvis-Fans sind, haben über 1500 Originalstücke aus Elvis Presleys persönlichem Besitz zusammengetragen: private Kleidungsstücke und Bühnenkostüme, Bücher, Schallplatten, Schmuckstücke, Armbanduhren, Sonnenbrillen, einen Fernseher und ein Fahrrad. Doch damit nicht genug: Sogar die Familienbibel von Elvis‘ Ururgroßvater hat einen Platz in der Sammlung! Besonders gut dokumentiert sind selbstverständlich die Jahre 1958 bis 1960, in denen Elvis Presley seinen Militärdienst in Deutschland absolvierte.
www.elvis-duesseldorf.de

Das Historische Gefängnismuseum Niederrhein

„Es ist erstaunlich, auf welche Ideen Menschen kommen, wenn Sie viel Zeit zum Nachdenken haben“, beschreibt Monika Salchert ihre Eindrücke vom Besuch des Historischen Gefängnismuseums. Der Einfallsreichtum von Strafgefangenen verdient in der Tat Respekt. In dem Museum im ehemaligen Direktorenhaus der JVA Willich wurden über 4000 Exponate zusammengetragen. Die Sammlung umfasst zahlreiche Geräte, die von Gefangenen mit minimalen Mitteln gebaut wurden: ein Lautsprecher aus einem alten Backgammon-Koffer, ein Tauchsieder, der aus Rasierklingen und einem Kugelschreiber improvisiert wurde, sowie selbstgebastelte UKW-Empfänger, Kochgeräte und Tätowiermaschinen. In der Bücherei des Museums finden sich Gefangenenzeitschriften und Gesetzbücher von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart. Außerdem präsentiert das Museum Gefängniszellen aus verschiedenen Epochen.
www.gefaengnismuseum.de

Das Duftmuseum

Schon Napoleon Bonaparte besprühte sich damit, später erlagen Thomas Mann, Marlene Dietrich und Indira Gandhi seinem Charme. Auch Bill Clinton hat eine Schwäche für den charakteristischen Duft nach Orangen, Zitronen und Bergamotte. Das „Kölnisch Wasser“ oder „Eau de Cologne“ wurde 1709 von Johann Maria Farina geschaffen, der uns auch – in Gestalt eines gepuderten Mannes mit Perücke – an der Eingangstür des Kölner Museums begrüßt. Das Duftmuseum entstand nach dem Ersten Weltkrieg unweit des Kölner Doms. Heute befindet sich die Ausstellung im Rathausbezirk, in den Originalräumen der Parfümmanufaktur aus dem 18. Jahrhundert. Wie kreiert man einen Duft und wie stellt man ihn her? Eines der Geheimnisse Farinas war es, sein „Kölnisch Wasser“ zwei Jahre in Zedernholzfässern zu lagern. Sie gehören ebenso zur Ausstellung wie die Original-Destillatoren des großen Parfümeurs. Außerdem erfahren wir etwas über die unterschiedlichen Methoden der Gewinnung von Duftstoffen. Polnische Besucher der Ausstellung seien daran erinnert, dass auch König Stanislaus II. August Poniatowski zu den Kunden Johann Maria Farinas gehörte.
www.farina-haus.de