Helena Bohle-Szacki Helena auf den Brücken

Helena Bohle-Szacka, portret
Helena Bohle-Szacka | © Pressematerial

Eine faszinierende Frau mit vielen Leben, vielen Identitäten, die in der Ausstellung „Helena Bohle-Szacki. Mosty/ Die Brücken“ enthüllt werden. Die Heldin der Ausstellung war eine außergewöhnliche Person: eine Modedesignerin, Künstlerin, Grafikerin und Kunstdozentin, aber auch eine Ikone der polnischen Emigration in West-Berlin. Die Tochter einer polnischen Jüdin und eines Deutschen wuchs im multikulturell  geprägten Białystok der Vorkriegszeit auf. Sie war gezeichnet von ihren traumatischen Erlebnissen im Konzentrationslager und doch gleichzeitig eine elanvolle und fröhliche Gastgeberin kultureller Salons in Łódź, Warschau und Berlin. Helena Bohle-Szacki, die von ihren Eltern und Freunden Lilka genannt wurde, verbrachte ihr gesamtes Leben „auf Brücken“ – in der Schwebe zwischen Orten, Ländern, Kulturen und historischen Kataklysmen. Die einzigen Fixpunkte in ihrem Leben waren die Kunst und ihre Freundschaften.
 
 

Helena Bohle-Szacki, 50./60. Jahre
© Pressematerialien
Helena Bohle-Szacki, 50./60. Jahre


Anna Sańczuk: Warum beschäftigst du dich als Modekritiker mit einer Künstlerin, für die für die Mode nur eine von vielen Facetten ihres Schaffens – und keineswegs die wichtigste – war?

Marcin Różyc: Die Initiatorin der Ausstellung, Katarzyna Siwerska von der Sleńdziński-Galerie in Białystok, kam mit diesem Projekt auf mich zu. Wir kennen uns seit Jahren, und sie weiß, dass ich interdisziplinär arbeite und auch, wenn ich mich mit Mode beschäftige, nicht ausschließlich über Mode schreibe. Ich habe meine berufliche Laufbahn als Kunstkurator begonnen und bin erst später zur Mode gekommen. Kleidung ist für mich immer ein Ansatzpunkt, um eine größere Geschichte zu erzählen. Ich habe auch eine große Leidenschaft für geschichtliche Themen und die Arbeit in Archiven – egal, ob es sich um Kleidung, Porzellan oder Bücher handelt.

Helena Bohle-Szacki, Lilka, war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Allein schon die Tatsache, dass sie einst in aller Munde war und heutzutage nahezu vergessen ist, macht einen neugierig. Jeder einzelne Satz, den man in Biografien im Internet über sie findet, weckt Interesse. Du liest, dass sie 1928 in Białystok geboren wurde, und die Vorkriegsgeschichte dieser eigentümlichen Stadt, die aus dem Mythos der Moderne geboren wurde, ist so faszinierend, dass sie eine nähere Untersuchung lohnt. Später dann ihre Kriegserfahrungen, als sie mit sechzehn Jahren in das Konzentrationslager Ravensbrück und anschließend nach Flossenbürg kam. Sie geht durch die Hölle, doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Ihr gesamtes späteres Leben zeugt von einer ungeheuren Liebe zu den Menschen und zum Leben. Nach dem Krieg, leitete sie die großen Modehäuser „Leda“ und „Telimena“. Ich habe ein Buch geschrieben, das zur Hälfte der Mode der Volksrepublik Polen gewidmet war, und ich hatte bis dahin nie etwas von ihr gehört. Wie ist das möglich?! 1968 emigrierte sie nach West-Berlin – nach Białystok der nächste hochinteressante Ort in ihrer Biografie.

Wir sind ein Jahr lang regelmäßig nach Berlin gefahren, um dort Material zu sammeln. Es gibt heute in ganz Europa keinen spannenderen Ort als Berlin. Eine Stadt mit einer dunklen, vom menschlichen Bösen durchdrungenen Vergangenheit und gleichzeitig eine Stadt, in der sich zumindest zeitweise die Utopie der Freiheit in idealer Weise verwirklicht. So war einst West-Berlin und so ist heute Berlin – die offenste und kreativste Stadt in Europa. Denn die Geschichte Lilkas ist auch die Geschichte einer Frau, die sich 1968 angesichts der antisemitischen Hetze in Polen dazu entschließt, ihre Heimat zu verlassen und von West-Berlin die Chance erhält, frei zu leben und zu arbeiten. Das Paradoxe ist, dass sie dies tun konnte, weil sie von der deutschen Regierung eine Entschädigung für ihre Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs erhielt. Und wenn man heute aus Polen nach Berlin fährt, kommt man aus einem Land, das die Grenzen schließt, wieder in eine Stadt, in der Menschen wie Helena, nur eben aus Syrien oder Afrika, eine Chance bekommen. Ich wollte in der Ausstellung zeigen, wie sich die Vergangenheit in der Gegenwart spiegelt.

 
  • Helena Bohle-Szacka, 44 © Pressematerial
    Eine Zeichnung von Helena Bohle-Szacka
  • Helena Bohle-Szacka, dzieło sztuki © Pressematerial
    Eine Zeichnung von Helena Bohle-Szacka
  • Helena Bohle-Szacka, 39 © Pressematerial
    Eine Zeichnung von Helena Bohle-Szacka


Was ist das eigentlich für eine Ausstellung? Kann man sie überhaupt als biografisch bezeichnen? Schließlich verbindet sie die Darstellung des Lebens und Schaffens von Helena Bohle-Szacki mit Werken zeitgenössischer Künstler.

Ich habe versucht, eine gewisse Vielschichtigkeit zu erreichen. Einerseits schildert die Ausstellung bestimmte Ereignisse anhand von Dokumenten, Fotografien und Artefakten. Aber dazwischen gibt es zeitgenössische Kunstwerke von Künstlern wie Zuza Golińska, Daria Malicka, Janusz Noniewicz und Dominika Raczkowska sowie der Modedesignerin Dagmara Rosa. Ich habe Menschen eingeladen, die mich daran hindern sollten, eine klassische historische Ausstellung zu organisieren – indem sie Dinge hinterfragen, neue Interpretationen eröffnen und Zweifel säen. Man kann heutzutage keine monolithische historische Erzählung mehr erschaffen, weil sie eine Lüge wäre. Die Wahrheit findet sich in den Bruchstücken des Lebens. Deshalb ist ein Ohrclip, der einst unserer Protagonistin gehörte, ebenso ein Teil der Erzählung wie ihr deutscher Staatsangehörigkeitsausweis.
 
Warum tauchen die „Brücken“ im Titel der Ausstellung auf?


Der Begriff „Brücken“ tauchte im Zusammenhang mit der Biografie Helena Bohle-Szackis zum ersten Mal einem Text des Malers Henryk Waniek auf, der anlässlich der Vernissage einer Ausstellung mit Zeichnungen Lilkas verlesen wurde. Er sagte darin über Helena, sie sei ein Mensch, der ständig in einer Perspektive existiere, der das Leben immer wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachte und nie auf einen einzigen Ort festgelegt sei. Diese Metapher, die wir übernommen haben, macht deutlich, dass unsere Ausstellung ein Übergang ist. Der Besucher, der die Ausstellung betritt, soll sich weder in einem historischen Museum, noch in einer Galerie für zeitgenössische Kunst, noch in einem Kino, noch in einer Holzhütte, noch in einer Villa, noch in einer Boutique bewegen.

 
  • Helena Bohle-Szacka, moda Leda © Pressematerial
    Entwurf: Helena Bohle-Szacka für Leda
  • Helena Bohle-Szacka, moda, Berlin © Pressematerial
    Entwurf: Helena Bohle-Szacka
  • Helena Bohle-Szacka, moda Telimena © Pressematerial
    Entwurf: Helena Bohle-Szacka für Telimena
  • Helena Bohle-Szacka, moda Leda, foto © Pressematerial
    Entwurf: Helena Bohle-Szacka für Leda
 

Das Leben in einem ständigen Schwebezustand verbindet sich jedoch auch mit einer gewissen Tragödie. Helena hatte schließlich im Grunde ein äußerst tragisches Leben …

Ständig nahm man ihr irgendetwas weg: ihre Familie, ihre Freiheit, ihre Wurzeln, ihre Gesundheit, ihre Liebe. Die Politik, die Geschichte, der Terror, der Krieg waren dafür verantwortlich. Ihre Halbschwester wurde von den Nazis erschossen, weil sie nicht „arisch“ genug aussah, ihr Vater sprang (angeblich) aus dem Fenster, während er auf sein Verhör durch den polnischen Sicherheitsdienst wartete, und ihr letzter Lebensgefährte, der DDR-Flüchtling Werner Schendzielorz, beging Selbstmord. Es ist nicht immer gut, auf Brücken zu leben. Das menschliche Bedürfnis nach einem Zuhause bleibt dabei auf der Strecke. Helena hat sich selbst Zufluchten „gebaut“, doch man hat das Gefühl, als seien ihre Wurzeln nicht mit der Erde verwachsen, sondern als rankten sie sich vielmehr um ebenjene metaphorischen Brücken. Sie führte ein Leben im Bewusstsein, dass aus jeder Richtung plötzlich eine Armee einmarschieren und dir den Kopf abschlagen kann.
 
Am Anfang war Białystok und, wie Helena selbst sagte, ihr „multikulturelles polnisches Elternhaus“. Ebenso multikulturell wie ihr Elternhaus war damals die ganze Stadt. Die meisten Einwohner Białystoks waren Juden, dann kamen Polen, Deutsche, Russen, Weißrussen, Tataren … Helena Bohle-Szacki identifizierte sich, glaube ich, obwohl sie die Tochter eines Deutschen und einer polnischen Jüdin war, nie vollständig mit einer bestimmten Nationalität?


Białystok wurde im 19. Jahrhundert zu einem Provinzzentrum der Textilindustrie. Menschen aus aller Welt kamen in die Stadt, um dort ihre Fabriken zu bauen. Auf diese Weise entstand ein unkontrolliertes, kapitalistisches, multinationales Gebilde, in dem sich jeder auf eigene Faust seine Identität schuf. In vielen Fällen vermischten sich diese Identitäten und brachten Hybriden hervor. Helenas Eltern hatten sich bewusst für das Polentum entschieden. Und das ist heute für mich wichtig als Pole, wenn wir in diesem ganzen Mischmasch von Identitäten darüber nachdenken, wer wir sind, was es bedeutet, ein Pole zu sein. Helena hat einerseits seit den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts die deutsche Kultur und das deutsche Bildungssystem mitgeprägt, sie hat sich sehr schnell in West-Berlin zurechtgefunden, andererseits hat sie auch viele Jahre lang die polnische Emigration unterstützt: Intellektuelle und Künstler, einen Kreis, dem sie sich besonders verbunden fühlte. Übrigens unterstützte sie auch Flüchtlinge aus der UdSSR und der DDR.

 
  • Wystawa Heleny Bohle-Szackiej, Białystok, manekiny © Pressematerial
    Ausstellung von Helena Bohle-Szacka, Białystok
  • Wystawa Heleny Bohle-Szackiej, Białystok © Pressematerial
    Ausstellung von Helena Bohle-Szacka, Białystok
  • Wystawa „Helena Bohle-Szacka, Mosty/Die Brücken“ © Pressematerial
    Installation von Zuza Golińska, Ausstellung „Helena Bohle-Szacka, Mosty/Die Brücken“
  • Mural von Janusz Noniewicz und Barbara Raczkowska, Ausstellung „Helena Bohle-Szacka, Mosty/Die Brücken“ Foto: Barbara Kubska © Pressematerial
    Mural von Janusz Noniewicz und Barbara Raczkowska, Ausstellung „Helena Bohle-Szacka, Mosty/Die Brücken“
  • Installation von Dagmara Rosa, Ausstellung „Helena Bohle-Szacka, Mosty/Die Brücken“ © Pressematerial
    Installation von Dagmara Rosa, Ausstellung „Helena Bohle-Szacka, Mosty/Die Brücken“


In Gesprächen mit ihren Freunden taucht manchmal halb im Scherz der Begriff des „Berliner Hotels Szacki“ auf …

Ja, die Szackis [Helena und ihr dritter Ehemann Wiktor – Anm. A.S.] gaben jedem Besucher aus Polen ein Bett für die Nacht und etwas zu essen und vermittelten ihm Kontakte. In Zeiten, in denen man gerade einmal zehn Dollar mitnehmen durfte, wenn man in den Westen fuhr, war eine solche Hilfe von unschätzbarem Wert. Helena unterstützte die polnische antikommunistische Opposition, die Opfer des Oderhochwassers 1997 und die Polnische Multiple Sklerose Gesellschaft. Und gleichzeitig war sie Deutsche! So wie ihr Vater ein Deutscher war, der Juden rettete und den polnischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung unterstützte. Was bedeutet es also, Deutscher zu sein? Und was bedeutet es, Pole zu sein? Für Helena bedeutete es, den Menschen ihrer Gemeinschaft zu helfen.
 
War auch die Frage, was es bedeutet, eine Jüdin zu sein, für sie von Bedeutung?

Paradoxerweise spielte dies für sie kaum eine Rolle. Die Familie ihrer Mutter, die Familie Tobolski, war völlig säkularisiert. Ihre jüdische Abstammung wurde ihr lediglich durch so traumatische Ereignisse wie den Holocaust und die Vorfälle in Polen im März 1968 ins Bewusstsein gerufen.
 
Und doch war es dieser jüdische Teil ihrer Identität, der sie zum Opfer des nationalsozialistischen Vernichtungsapparats werden ließ. Ich spreche von ihrem Aufenthalt im Konzentrationslager. Über diese Zeit wissen wir nur, was sie selbst erzählt hat, und sie wollte nicht alles erzählen. Selbst engste Freunde wussten nichts von diesem Teil ihrer Vergangenheit.

Sie begann erst im Alter, darüber zu sprechen, als sie ihr Augenlicht verlor und nicht mehr arbeiten konnte. Dabei war die Kunst für sie der wichtigste Teil ihres Schaffens, nicht die Mode und nicht das Design. An viele Dinge konnte sie sich damals bereits nicht mehr erinnern und viele andere Dinge wurden kulturell verschwiegen – all dies werden wir sicherlich nie erfahren.
 
In ihrer Erzählung über Helena Bohle-Szacki spielen soziale Bindungen eine große Rolle. Es gab offensichtlich Menschen, die ihr dabei halfen, die Zeit im KZ zu überleben – ihre Freundschaften waren ihre Rettung. Hanna Rydlewska, die Autorin der Reportage „Plemię“, die im Begleitbuch zur Ausstellung abgedruckt ist, behauptet sogar, dass ihre Freunde ihr die eigenen Kinder ersetzten, die sie nach ihrem Aufenthalt im Konzentrationslager nicht mehr haben konnte.

Ich bin nie zuvor jemandem begegnet, der in unterschiedlichen Abschnitten seines Lebens so eng mit unterschiedlichen Menschen befreundet war. Es gab in ihrem Leben mehrere Gruppen von Menschen, die sie innig und vorbehaltlos liebten und denen sie ihre Hilfe angedeihen ließ. Nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch, indem sie ihnen ihre Aufmerksamkeit und ihre große Empathie schenkte. Das beginnt im Konzentrationslager, wo eine Gruppe miteinander befreundeter Frauen aus Łódź die jüngere Lilka unter ihre Fittiche nimmt. Später in Łódź, wo sich nach dem Krieg die gesamte polnische Kulturszene versammelt, weil Warschau völlig zerbombt ist und so gut wie nicht existiert. Dort wird Helena zur „Königin“ der Schauspieler des Neuen Theaters, und sie gründet ihren ersten künstlerischen Salon. Zu dieser Gruppe gehören Stars der damaligen polnischen Theater- und Filmszene wie Mieczysław Voit, Wiesława Mazurkiewicz, Gustaw Lutkiewicz, Barbara Horawianka und Eugenia Herman. Sie schenkt ihnen nicht nur ihre Freundschaft, sondern unterstützt sie auch materiell, denn ihre Mutter lebt damals bereits in Belgien und schickt ihr Geld. In den schweren Jahren der Nachkriegszeit richtet Lilka für ihre Freunde Festessen und Weihnachtsfeiern aus. Später führt sie weitere Salons in Warschau und später in West-Berlin. Nach all ihren Erfahrungen im Konzentrationslager entschied sich Helena für das Leben, auch wenn ich glaube, dass tief in ihr eine große Finsternis herrschte.
 
Neben ihren Freundschaften war die Kunst für sie das Wichtigste in ihrem Leben – ihre bevorzugte Ausdrucksform war das Zeichnen. Den größten Erfolg hatte sie jedoch in der Modebranche.

Sie beginnt gegen Ende der Fünfzigerjahre, in der Modebranche zu arbeiten, und tut dies bis 1968. In dieser Zeit des sogenannten Tauwetters meldet sich eine neue Generation zu Wort, wie übrigens überall auf der Welt. Das, was Helena tut, erinnert stark an das, was z. B. in London während der Studentenrevolte geschieht. In dieser Zeit entwirft sie die erste „junge Kollektion“ für das Modehaus Moda Polska. Sie kreiert das Bild der modernen polnischen Nachkriegsfrau – mit Minirock, Kurzhaarfrisur, eine Art „polnische Twiggy“. Sie war auch die erste polnische Modeschöpferin, die ihre Kreationen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, in West-Berlin, präsentierte. Und kein anderer polnischer Modeschöpfer fand jemals, weder zuvor nach danach, ein solches Echo in der weltweiten Presse wie sie damals! Außerdem arbeitete sie als Grafikdesignerin und entwarf zahlreiche Logotypen und Buchcover.

Helena Bohle-Szacki beeindruckt nicht nur durch die Vielschichtigkeit ihres Schaffens, sondern auch durch die Vielzahl der Epochen, mit denen sie in Berührung kam. Von der großen Inspiration, die von ihr ausging, zeugen die speziell für diese Ausstellung entstandenen Kunstwerke, die sich mit ihrem Leben und Schaffen auseinandersetzen. Ich hoffe sehr, dass unserer Ausstellung schon bald eine weitere Ausstellung in Berlin und eine Biografie über Helena Bohle-Szacki folgen werden.

 

HELENA BOHLE-SZACKI. MOSTY/DIE BRüCKEN 

24.06.2017-03.09.2017
Galeria im. Sleńdzińskich, Legionowa 2, Białystok
Kurator: Marcin Różyc

 

Helena Bohle-SzackI

(geb. 1928 in Białystok, gest. 2011 in Berlin) war Modedesignerin, Künstlerin, Grafikerin, Kunstkuratorin und Kunstdozentin in Łódź und Berlin. Tochter der polnischen Jüdin Fanny Maria Tobolska und des deutschstämmigen Textilingenieurs, Aleksander Bohle. 1944 wurde sie von der SS verhaftet und in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Flossenbürg interniert. Nach dem Krieg studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste in Łódź unter der Leitung des legendären Avantgarde-Künstlers Władysław Strzemiński. 1957 übernahm sie die künstlerische Leitung des Modehauses Telimena. In den Sechzigerjahren arbeitete sie in Warschau für das Modehaus Moda Polska und als künstlerische Leiterin der Firma Leda. 1968 emigrierte sie infolge der damaligen antisemitischen Hetze in Polen mit ihrem dritten Mann, dem Wissenschaftler Wiktor Szacki, nach West-Berlin. In Deutschland arbeitete sie als Modedesignerin und Dozentin in der Berliner Lette-Schule und setzte auch ihre künstlerische Karriere fort: Ihre Arbeiten wurden auf über vierzig Ausstellungen präsentiert, u. a. in Berlin, Paris und London. Für ihren Beitrag zur Förderung und Verbreitung der polnischen Kultur im Ausland wurde sie mit dem Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta ausgezeichnet.