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Obdachlosigkeit in Berlin
Dieter kehrt zurück zum Bahnhof Zoo

Eine Darstellung des Projekts Querstadtein
Eine Darstellung des Projekts Querstadtein | Quelle: Flickr © Antje Kind; CC BY-NC-SA 2.0

Es gibt circa 30 000 Obdachlose in Berlin, ein Drittel von ihnen lebt auf der Straße. Das Projekt Querstadtein ermöglicht es uns, die Stadt aus ihrer Perspektive zu erleben.
 

„Wisst ihr, was man tun muss, wenn man ins Gefängnis kommen will? Nein? Sich achtmal beim Schwarzfahren erwischen lassen. Beim achten Mal ist es eine Straftat, die mit drei Monaten Gefängnis bestraft wird. Im Gefängnis ist es warm, was im Winter sehr wichtig für Obdachlose ist, und man kann sich von einem Arzt untersuchen lassen. Besonders, wenn man abgefrorene Gliedmaßen hat, die behandelt oder amputiert werden müssen“, erzählt Dieter, ein 49-jähriger Vollbartträger mit Lederjacke und Sonnenbrille, der von einer Gruppe junger Mädchen umringt wird. 

„Außerdem kann man im Gefängnis Geld verdienen. Draußen will niemand einen Obdachlosen beschäftigen, aber im Gefängnis kannst du arbeiten, wenn du es möchtest. Wenn du nach drei Monaten wieder entlassen wirst, hast du achthundert oder neunhundert Euro in der Tasche.“

Dieter führt die Mädchen durch den Bahnhof Zoo – den Ort, an dem er selbst die ersten Wochen als Obdachloser verbrachte. Heute hat er wieder ein Dach über dem Kopf und verdient sich etwas als Stadtführer dazu. „Obdachlose zeigen ihr Berlin“, heißt seine Tour. Für 13 Euro (ermäßigt 8,50 Euro) kann man erfahren, wie der Alltag von Menschen aussieht, die in Berlin auf der Straße leben.

Der Milchtrinker

Der Bahnhof Zoologischer Garten erinnert kaum noch an den Ort, den Christiane F. einst in ihrem Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo beschrieb. Er sieht aus wie die meisten anderen Berliner Bahnhöfe. Es riecht nach Chinapfanne und McDonalds, die Reisenden warten ungeduldig auf ihren verspäteten Regionalzug. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man, dass ein großer Teil der Menschen gar nicht hier ist, um zu reisen.

„Habt ihr das Lüftungsgitter neben dem Eingang gesehen?“, fragt Dieter. Die Mädchen schütteln den Kopf. „Dort sitzen immer irgendwelche Obdachlosen, besonders im Winter. Fast zwanzig Stunden am Tag strömt hier warme Luft aus dem U-Bahn-Schacht nach oben. Das Wachpersonal kam alle vier Stunden hier vorbei und hat uns vertrieben. Warum, weiß ich auch nicht. Ich weiß aber, warum der Präsident des Amtsgerichts“ – Dieter weist mit der Hand auf das pompöse Gebäude auf der anderen Straßenseite – „uns untersagt hat, uns auf dem Bürgersteig aufzuhalten. Weil er, wie er selbst sagte, seine Mitarbeiter während der Kaffeepause nicht mit der Armut konfrontieren wollte.“

Dieter podczas wycieczki w ramach projektu „Querstadtein“ Dieter podczas wycieczki w ramach projektu „Querstadtein“ | Foto: Kaja Puto Begleitet wird Dieter von Dominika, der Projektmanagerin des Vereins Stadtsichten, der das Projekt  „Querstadtein“ ins Leben gerufen hat. Die ersten Stadtführungen mit Obdachlosen fanden 2013 statt, seit 2016 werden auch Führungen mit Flüchtlingen angeboten.
 
„Wir begegnen täglich Obdachlosen auf unserem Weg zur Arbeit oder zur Schule, aber wir haben keine Gelegenheit, uns mit ihnen zu unterhalten – mit ihnen und nicht nur über sie“, erklärt Dominika. „Die Touren werden von Menschen geleitetet, die Diskriminierung erfahren und am Rande der Gesellschaft gelebt haben. Das Projekt Querstadtein gibt ihnen eine Gelegenheit, ihre ganz persönlichen Geschichten zu erzählen und ein anderes Gesicht von Berlin zu zeigen.“
 
An den Führungen nehmen Touristen, Politiker und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen teil. Oder – so wie heute – Schulklassen. Die Mädchen, die Dieters Erzählungen lauschen, sind aus Brüssel nach Berlin gekommen, gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin.
 
„Ich bin 2012 obdachlos geworden und habe zweieinhalb Monate auf der Straße gelebt“, erinnert sich Dieter. „Von den Mitgliedern meiner Gruppe – denn Obdachlose schließen sich aus Sicherheitsgründen oft in Gruppen zusammen – leben heute nur noch zwei. In meiner Gruppe waren Frauen und Männer, alle aus Osteuropa. Drei sind wegen Alkohol gestorben, einer wegen Methamphetamin, einer ist an einer Haltestelle erfroren und einer ist spurlos verschwunden. Außer mir lebt heute nur noch Boris, unser »Leibwächter«, ein Zwei-Meter-Mann und ehemaliger Boxer. Er ist heute fünfunddreißig Jahre alt, sieht aber aus wie siebzig, natürlich wegen des Alkohols.“
 
„Nach offiziellen Angaben leben in Deutschland 860 000 Obdachlose. In Wirklichkeit sind es mehr, ihre genaue Zahl lässt sich nur schwer schätzen“, sagt Dominika. „Ein großer Teil von ihnen lebt in entsprechenden Einrichtungen, bei Bekannten oder Verwandten, doch circa 52 000 Menschen leben auf der Straße – allein in Berlin etwa 10 000.“
 
„Und wisst ihr, warum Menschen auf der Straße landen? Wer es weiß, bitte die Hand heben. Richtig, weil sie kein Geld haben, weil sie Schulden gemacht haben, weil sie keine Familie haben, die ihnen hilft. Und warum noch? Weil sie keine Arbeit finden, das ist der Grund. Dazu kommen Alkohol, Drogen und geistige Probleme.“
 
„Es ist vor allem die Sucht, die es schwer macht, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen“, erklärt Dieter.
 
„Ich habe nicht getrunken und nicht gekifft, sondern nur ständig Milch getrunken, weswegen mich alle nur »Milchtrinker« genannt haben. Einmal habe ich LSD ausprobiert, aber damals war ich noch jung. Wenn ihr bis zum Ende durchhaltet, erzählte ich euch gerne davon.“

Der Professor 

„Gegenüber vom Bahnhof ist ein Ullrich-Markt, das Lieblingsgeschäft der Obdachlosen. Es gibt dort viermal so viele Kameras wie in normalen Geschäften, aber Hunger macht erfinderisch. Igor aus unserer Gruppe fehlte der linke Arm, also nähte er sich spezielle Taschen in den linken Ärmel, in denen er seine »Einkäufe« versteckte. Versteht mich nicht falsch“, wendet sich Dieter mit einem breiten Grinsen an die verunsicherten Mädchen, „ich will nicht sagen, dass Diebstahl etwas Gutes ist. Aber wir Obdachlosen romantisieren das: Wir betrachten uns als moderne Robin Hoods, die den Reichen nehmen, um den Armen zu geben.“
 
„Hinter dem Bahnhof, dort wo ihr die lange Schlange seht, befindet sich eine Ambulanz der Caritas. Dort kann man sich ärztlich untersuchen lassen und kostenlose Medikamente erhalten“, erzählt Dieter gestenreich, ohne sich dabei jedoch der Schlange zu nähern.
 
„Wir wollen uns nicht in das Leben der Obdachlosen drängeln“, sagt Dominika. „Unsere Stadtführer sind Menschen, denen es gelungen ist, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen, und die ihre eigene Geschichte erzählen. Sie können ihre Erfahrungen mit anderen teilen und ihnen zeigen, dass es sich lohnt, Obdachlosen eine Chance zu geben.“

 
Dieter auf einer Querstadtein-Führung Dieter auf einer Querstadtein-Führung | Foto: Kaja Puto Erst ganz am Ende der Führung trauen sich die Mädchen, Dieter  nach den Ursachen für seine Obdachlosigkeit zu fragen. Schuld war eine Verkettung unglücklicher Umstände. 2011, als alles begann, war Dieter arbeitslos (zuvor hatte er unterschiedliche Jobs gehabt, unter anderem als Straßenpflasterer und in einem Sexshop). Dann kündigte ihm seine Vermieterin den Mietvertrag. Eigentlich hätte er zwölf Monate Zeit gehabt, um sich nach einer Wohnung umzusehen, doch die Eigentümerin hatte es eilig, also sperrte sie ihm den Strom und das Gas ab und brach neue Fenster in die Wände, obwohl Dieter weiterhin pünktlich seine Miete zahlte.
 
„Dadurch bekam ich eine Lungenentzündung und landete im Krankenhaus. Ich fand keine andere Wohnung, weil niemand an Sozialhilfeempfänger vermieten will. Auf eine Sozialwohnung hätte ich in meiner alten Wohnung warten müssen, aber das war nicht möglich.“
 
Dieter hatte nur zweihundert Euro in der Tasche und niemanden, der ihm helfen konnte. Seine Frau und seine Mutter hatte er einige Jahre zuvor verloren. Er machte sich auf den Weg nach Leipzig (zu Fuß und per Anhalter) und schließlich nach Berlin. Zweieinhalb Monate lebte auf der Straße, dann schaffte er es in ein Obdachlosenprojekt. Heute lebt er in einer Mietwohnung, erhält Sozialhilfe, hat seine Schulden abbezahlt, arbeitet als Stadtführer und hilft in einem Obdachlosenquartier.
 
„Es ist nicht einfach, neue Stadtführer zu finden. Vor allem, weil es den Menschen schwerfällt, von ihren Erlebnissen zu berichten. Außer Dieter haben wir noch zwei weitere Obdachlose und neun Flüchtlinge in dem anderen Projekt. In Kürze wollen wir auch Stadtführungen mit Blinden ins Programm aufnehmen“, erzählt Dominika.


Dieter podczas wycieczki w ramach projektu „Querstadtein“ Dieter podczas wycieczki w ramach projektu „Querstadtein“ | Foto: Kaja Puto Der Spaziergang endet am Savignyplatz, einem grünen, gepflegten Platz neben einer Bahnunterführung.

„Wir haben diesen Platz als »Luxusplatz« bezeichnet, weil die Bänke hier mit Pergolen überdacht sind, die vor Wind, Regen und Schnee schützen. Außerdem sind sie sehr lang“, erklärt Dieter, „man kann sich also gut auf ihnen ausstrecken. Das Schlimmste am Obdachlosendasein ist es, dass einem von dem langen Herumsitzen und Schlafen auf der kalten Straße die Muskeln wehtun.“

Ist Berlin eine obdachlosenfreundliche Stadt?

„Eindeutig ja“, sagt Dieter. „Die Berliner sind von Natur aus offen und tolerant. Außerdem können Obdachlose hier auf staatliche Hilfe zählen: kostenlose Mahlzeiten, ärztliche Hilfe und Schlafstellen. Ich liebe diese Stadt und ihren Rhythmus, und ich mag die Menschen hier. Sie sind ein bisschen verrückt, jenseits der Norm. Genauso wie ich.“

Die Mädchen sind nach dem fast zweistündigen Spaziergang in der kalten Märzluft erschöpft und durchgefroren. Dieter macht sich über sie lustig und zeigt ihnen, dass er unter seiner Lederjacke nur ein kurzärmeliges Hemd trägt. Zum Schluss erzählt er noch ein paar Anekdoten, versucht, die Distanz zu überwinden. Dann verteilt er Buttons mit dem Projektlogo an die Mädchen und verabschiedet sich herzlich von ihnen.

Als ich Dieter und Dominika zur S-Bahn-Station begleite, spricht mich Dieter auf die politische Situation in Polen an. Er sagt, er habe kürzlich einen beunruhigenden Bericht über die dortige Pressefreiheit gelesen.

Maciek 

Dieters Geschichte ist eine optimistische Success Story, genau richtig, um das Gewissen von Schulklassen aufzurütteln. Doch es gibt nicht viele dieser Geschichten: Es ist äußerst schwer, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen, sogar in einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland. Der Alltag von Obdachlosen ist wesentlich grausamer, als es aus Dieters freimütigen, jedoch zur Erinnerung verblassten Anekdoten hervorgeht.
 
„Das passt schon, dass die Obdachlosen sich um den Bahnhof Zoo herum aufhalten, schließlich benehmen sie sich selbst wie Tiere“, sagt der etwa zwanzigjährige Maciek, dem ich wenige Straßen weiter auf einem Platz begegne, unverblümt. Er kommt aus Polen und lebt seit einem halben Jahr in Berlin auf der Straße. Er ist schlank und von kleiner, leicht gebeugter Statur. Er stottert. Er bittet mich, ihn Maciek zu nennen, denn sein richtiger Name sei eher selten. Seine größte Angst ist es, dass seine Familie von seiner Obdachlosigkeit erfahren könnte.
 
„Der Alltag von Obdachlosen ist ein ständiger Kampf ums Überleben, um Essen, um Geld, um Alkohol. In letzter Zeit sind die Polen ganz vorne mit dabei, sie verhalten sich so aggressiv, dass angeblich sogar in den Zeitungen darüber berichtet wird.“
 
Es ist schwer zu sagen, wie viele von den Berliner Obdachlosen aus Osteuropa kommen: viele Polen, Rumänen und Bulgaren tauchen infolge des Wegfalls der Grenzkontrollen in den Statistiken gar nicht auf. Nach Angaben von Obdachlosenhelfern beträgt ihr Anteil bis zu dreißig Prozent. Die meisten von ihnen kommen aus Polen – allein schon wegen der geografischen Nähe zu Berlin.
 
„Ich begegne hier Polen, die auch in ihrer Heimat obdachlos waren. Sie kommen zum Beispiel nach Berlin, um hier den Winter zu verbringen, weil es in Polen nicht genügend Schlafquartiere gibt. Es ist hier leichter, an warme Kleidung oder eine kostenlose Mahlzeit zu kommen“, erklärt Maya, eine freiwillige Helferin, die aufgrund ihrer Polnischkenntnisse viel mit Polen arbeitet. „Aber es gibt auch viele, die nach Deutschland gekommen sind, um hier zu arbeiten, und dann übers Ohr gehauen wurden: Sie haben ihre Arbeit verloren, oder es stellte sich heraus, dass es überhaupt keine Arbeit für gab. Sie schämen sich, zu ihren Familien zurückzukehren, also leben sie auf der Straße.“


Dieter podczas wycieczki w ramach projektu „Querstadtein“ Dieter podczas wycieczki w ramach projektu „Querstadtein“ | Foto: Kaja Puto Maciek gehört zu der letzteren Gruppe. Ein Bekannter hatte ihn überredet, auf einer Berliner Baustelle zu arbeiten, doch nach einigen Wochen riss er sich Macieks Lohn unter den Nagel und sorgte dafür, dass er entlassen wurde. Mit seiner Familie, die im Osten Polens lebt, hat er sich zerstritten, er hat nichts, zu dem er zurückkehren könnte. Seine Eltern glauben, er käme hier wunderbar zurecht.

Macieks Alltag in Berlin sieht so ähnlich aus wie in den Beschreibungen Dieters: Er steht Schlange nach Essen und nach Medikamenten, dann macht er sich auf die Suche nach einer öffentlichen Toilette, aus der man ihn nicht verjagt. Seine Klamotten wäscht er nicht, weil er jederzeit neue bekommen kann. Er bettelt nur selten – einem jungen, gesunden Mann geben die Leute nur ungern etwas.

„Ich kann ihnen ja schlecht erklären, dass ich täglich nach Arbeit suche, aber kaum jemand einen Obdachlosen beschäftigen will. Außerdem verstehe ich kein Deutsch, ich weiß also gar nicht, was sie mir alles an den Kopf werfen. Manchmal kann man etwas schwarzarbeiten – doch in einer Stadt wie Berlin, in der es viele Obdachlose gibt, ist auch die Konkurrenz entsprechend groß. Wenn sich nichts anderes ergibt, sammle ich Flaschen und lebe vom Pfand. Um die Flaschen kämpfen manche Obdachlose bis aufs Blut. Und um Alkohol.“

Von einer Mietwohnung kann Maciek nur träumen, selbst wenn er irgendwie das Geld dafür aufbringen würde. Berlin hat ein großes Wohnungsproblem, das nicht nur Obdachlose betrifft. Wer eine Wohnung zu einem vernünftigen Preis mieten will, muss dem Vermieter alle möglichen Dokumente vorlegen: von der Schuldenfreiheitsbescheinigung bis zum Einkommensnachweis (zum Beispiel in dreifacher Höhe der monatlichen Miete). Die touristische Entwicklung, insbesondere der Trend zur kurzzeitigen Vermietung von Wohnungen, hat die Situation in der ohnehin schon seit Jahren übervölkerten Stadt noch verschärft.

Obdachlose aus Osteuropa, von denen es in Berlin jedes Jahr mehr gibt, haben es noch schwerer als Deutsche – zumindest, sofern sie nicht eine Zeit lang legal in Deutschland gearbeitet haben. Sie haben keinen Anspruch auf Sozialhilfe, Sozialwohnungen, Obdachlosenprojekte etc.

„Aber es gibt trotzdem viel Unterstützung, also bleiben die Menschen hier, wenn sie einmal auf der Straße gelandet sind“, erklärt Maciek. „Es gibt in Berlin immer einen Ort, an dem man schlafen oder etwas zu essen bekommen kann, sogar im Krankenhaus nehmen sie dich auf, wenn du ernsthaft krank wirst. Man kann Flaschenpfand sammeln oder sich etwas Arbeit suchen. In Mülltonnen kann man Zwei-Gänge-Menüs und schicke Klamotten finden. Und die Polizei macht keinen Stress, wenn du im Park ein Bier trinkst. Ich habe mit vielen gesprochen, die sagen, dass es ihnen in Polen schlechter ging als hier. Sogar solchen, die Arbeit und ein Dach über dem Kopf hatten. Es ist sicherlich anders, wenn man etwas hat, zu dem man zurückkehren kann. Die meisten haben es nicht oder wollen es nicht.“

„Neben dem deutlichen Anstieg der Zahl von Obdachlosen aus Osteuropa lässt sich auch beobachten, dass Obdachlosigkeit nicht nur, wie die meisten glauben, ein Problem von alleinstehenden Männern ist“, erzählt Maya. „Ich sehe immer mehr obdachlose Frauen und sogar ganze Familien. Es gibt auch immer mehr Behinderte, auch wenn manche nur so tun, um Mitleid zu erregen. Der deutsche Staat kümmert sich um seine Bürger, er garantiert ihnen eine Wohnung, wenn sie in Not geraten, aber wer einmal, aus welchen Gründen auch immer, aus dem bürokratischen System gefallen bist, hat es schwer wieder hineinzukommen. In den meisten Fällen sind Schulden die Ursache.“

Während unseres Spaziergangs erzähle ich Maciek von Dieter. Was hält er davon? Können solche Projekte die Einstellung der Menschen gegenüber Obdachlosen verändern? 

Maciek zuckt mit den Schultern und lacht bitter.

„Wenn das dazu führt, dass die Menschen uns nicht mehr voller Verachtung ansehen, dann ist das selbstverständlich etwas Gutes“, sagt er schließlich. „Aber ehrlich gesagt ist Verachtung das Erste, mit dem du umzugehen lernst, wenn du auf der Straße lebst. Irgendwann wird es für dich ganz normal.“

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