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Multireligiöses Bethaus
Eine dringend benötigte Utopie

Drei Geistliche aus dem House of One
Drei Geistliche aus dem House of One | Foto © Klemens Renner

In Berlin wird das erste Bethaus für Christen, Muslime und Juden entstehen – das House of One. Drei Religionen unter ein Dach zu bringen ist aber eine Herausforderung. Ein Gespräch mit den Initiatoren von Urszula Jabłońska.

Von Urszula Jabłońska

Die Utopie steht auf einer Baustelle in Berlin-Mitte. Bisher hat sie die Form eines großen Würfels aus Holz und transparentem Kunststoff. Sie ist von einem Metallzaun umgeben, an dem Plakate mit der Aufschrift „The House of One. Drei Religionen. Ein Haus“ hängen. Wenn alles nach Plan läuft, soll an dieser Stelle bereits in wenigen Jahren ein hoch aufragendes Sakralgebäude mit drei separaten Gebetsräumen – einer Kirche, einer Synagoge und einer Moschee – entstehen, die durch einen zentralen Raum der Begegnung, den Kuppelsaal, miteinander verbunden sind. In diesem Raum sollen nicht nur Juden, Christen und Muslime einander begegnen, sondern auch Atheisten, Agnostiker und Anhänger anderer Religionen, wie Buddhisten und Hindus. Es sollen Vorlesungen, Begegnungen und Diskussionen stattfinden. Gekrönt wird das Gebäude von einer großen, unverglasten „Stadtloggia“, auf der die Besucher sich den Wind um die Nase wehen lassen können.

Bis es so weit ist, können wir lediglich den temporären Pavillon besuchen, ein Flugblatt mitnehmen und uns mit einem Vertreter einer der drei monotheistischen Weltreligionen über das Projekt und die mit ihm verbundenen Ziele und Träume unterhalten. Oder den Bau des House of One selbst unterstützen, indem wir einen symbolischen Ziegelstein für mindestens zehn Euro erwerben. Menschen aus über dreißig Ländern, sogar aus Saudi-Arabien und Tunesien, haben auf diese Weise bereits einen Beitrag geleistet, insgesamt sind über 8 Millionen Euro eingegangen. Doch es reicht noch nicht. Um die Utopie Wirklichkeit werden zu lassen, benötigen die Initiatoren insgesamt 43 Millionen Euro. „Mehr denn je brauchen wir heutzutage Projekte wie das House of One, die ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben in Vielfalt und den Austausch der Religionen setzen“, lese ich in dem Flugblatt.

Die Kirche

Bis vor Kurzem befand sich an dem Ort, an dem die Utopie entstehen soll, noch ein Parkplatz. Der Petriplatz liegt 800 Meter entfernt vom Roten Rathaus und 500 Meter vom Berliner Schloss. Der Parkplatz war in den Sechzigerjahren entstanden, nachdem die DDR-Führung die Reste der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neugotischen Petrikirche hatte abreißen lassen. Über vierzig Jahre später wurden im Rahmen von Revitalisierungsmaßnahmen die Fundamente der ältesten, um 1230 erbauten Petrikirche entdeckt. Daraufhin gab die Stadt das Gelände in den Besitz der Kirche zurück, genauer gesagt der Evangelischen Kirchengemeinde St.Petri-St.Marien, die von Pfarrer Gregor Hohberg geleitet wird. In seinem Kopf entstand die Utopie des House of One.

„Ich wollte an dieser Stelle nicht noch eine Kirche bauen“, erklärt Gregor Hohberg. Christen haben in dieser Gegend genügend Orte, an denen sie ihrem Glauben nachgehen können. In meiner Kirche finden tausend Menschen Platz, und in der Nähe gibt es noch eine weitere Kirche mit 500 Plätzen. Die Zeiten haben sich geändert. Heute leben in Berlin Menschen aus aller Welt, Menschen unterschiedlicher Religionen. Ich wollte, dass an dieser Stelle ein Ort des Dialogs entsteht.“

Pfarrer Gregor Hohberg kam auf die Idee, auf dem Petriplatz eine überdachte Tafel aufstellen zu lassen und einmal in der Woche Menschen unterschiedlicher Religionen, Menschen aus unterschiedlichen Berliner Stadtteilen und unterschiedlichen sozialen Schichten – und auch mit unterschiedlichen Ansichten – einzuladen, um mit ihnen gemeinsam zu essen und zu diskutieren. Schließlich kristallisierte sich die Vision eines multireligiösen Bet- und Lehrhauses heraus, das das friedliche Zusammenleben aller Religionen fördern sollte.


House of One - Visualisierung House of One - Visualisierung | © Architektenbüro Kuehn Malvezzi Gregor Hohberg ist überzeugt davon, dass die Religion ein Motor für mehr Demokratie und eine bessere Welt sein kann. Er hat es am eigenen Leib erfahren. Er wuchs in der ehemaligen DDR auf, seine Eltern waren beide Pfarrer und in der Opposition tätig. Hohberg erinnert sich an die Freiheitsgebete, Friedensdemonstration und Lichterketten. Sie hatten Erfolg: Die Berliner Mauer fiel ohne einen einzigen Schuss, zur Begleitung von Musik und Gebeten. Damals spürte Hohberg die verändernde Kraft der Religion. 1989 entschied er sich für ein Studium der Theologie.

Als die Utopie allmählich Gestalt annahm, begann Gregor Hohberg, nach Partnern für sein Projekt zu suchen. Er dachte darüber nach, welche Religionen die ältesten Verbindungen zu Berlin haben: Juden siedelten sich bereits vor 700 Jahren in Berlin an, und der erste Muslim wurde im 18. Jahrhundert registriert.

Einen jüdischen Partner zu finden, war kein Problem. Der Rabbiner Tovia Ben-Chorin von der liberalen Synagoge in der Pestalozzistraße war gerne bereit, das Projekt zu unterstützen. Die Suche nach einem muslimischen Partner gestaltete sich etwas schwieriger. Die muslimische Gemeinde in Berlin besteht aus zahlreichen kleinen Organisationen, die Muslime aus unterschiedlichen Herkunftsländern vertreten – zum Beispiel aus Pakistan, Bosnien oder der Türkei. „Wir haben mit verschiedenen Gruppen gesprochen“, erzählt Gregor Hohberg. „Einige von ihnen hatten überhaupt kein Interesse an unserem Projekt. Andere hielten es für eine großartige Idee, in der Berliner Innenstadt eine Moschee zu errichten, stellten jedoch die Bedingung, dass sie dort als die alleinigen Vertreter der muslimischen Gemeinde fungieren würden. Unser Bet- und Lehrhaus sollte jedoch offen für alle sein, auch für andere Gruppierungen innerhalb der einzelnen Religionen.“

Schließlich gelang es, den türkisch-muslimischen Verein „Forum Dialog“, der bereits viele Jahre Erfahrung im interreligiösen Dialog hat, für eine Zusammenarbeit zu gewinnen.

Mit der räumlichen Umsetzung der Utopie wurde das Architekturbüro Kuehn Malvezzi betraut. Die ersten Spenden wurden gesammelt. Im Januar 2018 wurde auf der Baustelle ein temporärer Pavillon aus Holz und transparentem Kunststoff eröffnet.

Die Moschee

Der House-of-One-Pavillon wird bereits rege genutzt. Ich schaue mir eine Übersicht über die geplanten Veranstaltungen an. Im Mai soll auf dem Petriplatz ein Friedenspfahl mit der Aufschrift „May Peace prevail on Earth“ in vier Sprachen aufgestellt werden, außerdem ist ein Experiment geplant, bei dem fremde Menschen sich gegenübersitzen und einander in die Augen blicken. Im März sprachen Vertreter der drei monotheistischen Weltreligionen über ihr Verhältnis zum Tod und zur Auferstehung, und im Februar fand eine Begegnung unter dem Motto „Wie viel Religion verträgt Europa?“ statt. Daneben werden regelmäßig Workshops zum Thema Religion für Berliner Schüler angeboten.

Doch die Utopie hat auch ihre Tabuthemen. „Du stellt aber keine Fragen zur Politik?“, vergewissert sich der Imam Osman Örs, der heute im Pavillon als Gesprächspartner zur Verfügung steht. „In diesem Punkt sind wir sehr empfindlich. Solche Fragen beantworten wir nicht.“

Selbstverständlich wollte ich Fragen zur Politik stellen, wenn auch vielleicht nicht gleich. Das Forum Dialog, der muslimische Partner des House of One, ist mit dem Dachverband der türkischen Moscheegemeinden (DITIB) zerstritten. Es steht der Bewegung von Fethullah Gülen, des ehemaligen Verbündeten Erdoğans und heutigen Staatsfeinds Nummer eins, nahe. Die Gülen-Bewegung wird außerordentlich kontrovers diskutiert – der DITIB macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung ihr gegenüber.
„Ich habe gehört, dass eure Organisation im Gegensatz zu anderen offen für den interreligiösen Dialog ist“, sage ich.
„Das ist richtig“, bestätigt Örs. „Und manche unserer Gegner gehen sehr aggressiv vor, wir wollen uns nicht in einen Konflikt hineinziehen lassen. Der offene Dialog mit dem Rest der türkischen Gemeinschaft gestaltet sich schwierig. Manche Türen lassen sich nur schwer öffnen. Dafür stehen wir im Austausch mit anderen muslimischen Organisationen, zum Beispiel den arabischen. Wir wachsen langsam.“

Aus diesem Grund will Örs auch nicht über Unterschiede sprechen, sondern nur über Gemeinsamkeiten. Darüber, dass der Dialog zwischen den Religionen in der heutigen Zeit unbedingt notwendig sei. Es gebe viele Missverständnisse und Vorurteile, die aus Ignoranz und mangelnder Bildung entstehen. Vor allem, wenn es um den Islam geht, der oft mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht wird. Die Terroristen erklären immer wieder, dass sie im Namen des Islam handeln, also höre man in diesem Kontext sehr viel von ihnen. Es gelte, die Botschaft in die Welt zu senden, dass der Islam eine Religion des Friedens ist.
Johannes & Wilfried Kühn & Simona Malvezzi: House of One
© ARCHlab

Über das House of One erzählen Architekten, die es entworfen haben.

Osman Örs wurde in Bremen geboren, seine Eltern waren in den Siebzigerjahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Örs setzt sich seit vielen Jahren für den interreligiösen Dialog ein, um das durch die terroristischen Anschläge verzerrte Bild des Islam wieder zurechtzurücken. Als er vor zwei Jahren vom House of One hörte, zog er eigens nach Berlin, um das Projekt zu unterstützen.

Nach offiziellen Statistiken leben in Berlin rund 177 000 Türken, sie bilden die größte muslimische Gemeinschaft in der Stadt. Bisher sieht es so aus, als würden nur die wenigsten von ihnen das multireligiöse Bet- und Lehrhaus nach seiner Fertigstellung besuchen wollen, doch Örs ist optimistisch.

„Ich denke, dass es genügend Muslime gibt, die im House of One beten möchten“, versichert er. „Theologisch spricht nichts dagegen, dass man seine Gebete neben Andersgläubigen verrichtet. Es ist wichtig, dass jede Religion im House of One ihren eigenen Raum erhält, die Gläubigen werden sich also nicht vermischen, sondern miteinander koexistieren. In diesem Punkt sind wir alle sehr empfindlich“.

Die Synagoge

Einmal im Monat nimmt die Utopie menschliche Formen an. Dann findet im House-of-One-Pavillon eine gemeinsame, multireligiöse Andacht statt. Nebeneinander stehen: Rabbiner Andreas Nachama in einem schwarzen Gewand, mit Kippa und Tallit, Pfarrerin Corinna Zisselsberger in einem weißen Messgewand mit passender Stola, und Berrin Ileri, die Vizevorsitzende des Vereins Forum Dialog, in weltlicher Kleidung, mit einem rosafarbenen Kopftuch – andere religiöse Symbole gibt es hier nicht. Vor ihnen sind drei Mikrofone aufgebaut. Auf den bereitgestellten Plastikstühlen sitzen ungefähr fünfzehn Besucher, hauptsächlich Medienvertreter sowie Freunde und Mitarbeiter des House of One. Niemand muss knien oder sich verbeugen. Es genügt, zuzuhören.

Die Messe beginnt. Zunächst spricht jeder der drei ein kurzes Friedensgebet. Es wird nicht zusammen gebetet, sondern nacheinander. Während der eine spricht, hören die anderen aufmerksam zu. Dann folgen drei individuelle Ansprachen. Corinna Zisselsberger spricht in ihrer Predigt darüber, dass man Liebe und Geduld tagtäglich wie ein Gewand anlegen müsse. Der wichtigste Teil des Gewands sei der Gürtel, also sollte die Liebe wie ein Gürtel unseren Alltag zusammenhalten. Sie nimmt mit ihrer Predigt Bezug auf aktuelle Ereignisse: Etwa zehn Tage zuvor wurden im Prenzlauer Berg zwei Kippa tragende Männer mit einem Gürtel attackiert. Sie waren keine gläubigen Juden. Die Kippa hatten sie von einem Freund in Israel als Geschenk erhalten. Einer von ihnen erzählte später, er habe die Kopfbedeckung nur aufgesetzt, um zu testen, ob es wirklich so gefährlich ist, in Berlin eine Kippa zu tragen, wie es ihr Freund behauptet hatte. Ein Video, das den Angriff dokumentiert, rief große Empörung hervor. Etwa zweitausend Menschen gingen wenige Tage später unter dem Motto „Berlin trägt Kippa“ auf die Straße, um gegen religiös motivierte Gewalt zu protestieren. Der Verdächtige ist ein Muslim, ein neunzehnjähriger Flüchtling aus Syrien. Vielleicht wiederholt Berrin Ileri aus diesem Grund im Verlauf der heutigen multireligiösen Messe mehrfach: „Keine Gewalt in meinem Namen und im Namen meiner Religion!“

Die Zeitungen schrieben, dass es allein in Berlin im vergangenen Jahr fast tausend antisemitische Übergriffe gegeben habe. Ich frage den Rabbiner Andreas Nachama, ob der Antisemitismus tatsächlich in letzter Zeit ein so großes Problem darstellt.

„In dieser Hinsicht hat sich nicht viel verändert“, erklärt Nachama. „Ich wurde sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in West-Berlin geboren. Meine Eltern haben mir nie erlaubt, mit der Kippa auf die Straße zu gehen. Und als ich erwachsen wurde, sah ich ein, dass sie Recht hatten. Die schwierige Geschichte der Juden hat niemals geendet. Über den Holocaust sprechen wir nicht mehr, das liegt hinter uns, aber der Hass ist immer ein Teil unserer Wirklichkeit. Die europäischen Gesellschaften sind nicht von Natur aus tolerant, man muss die Situation also im Auge behalten.“

Nachama betont jedoch gleich, dass dies nicht nur die Juden betrifft. Auch Muslime erleben Diskriminierung, vor allem Frauen, die eine Burka tragen. Er nennt auch das Beispiel eines mit ihm befreundeten katholischen Priesters, der, wenn er im überwiegend protestantischen Berlin mit seinem Priesterkragen durch die Straßen geht, beschimpft oder sogar angespuckt wird.

Sagen wir es, wie es ist: Wenn der Bau eines gemeinsamen Bet- und Lehrhauses eine so einfache Sache wäre, dann müssten wir es gar nicht bauen

Rabbiner Andreas Nachama



„Heutzutage sind Jeans und T-Shirts oder Anzüge die allgemein akzeptierte Kleidungsnorm. Wer religiöse Symbole trägt, muss mit Unannehmlichkeiten rechnen“, erklärt Nachama – auch wenn dies in einer Stadt, in der jeder Zweite Tattoos trägt oder gefärbte Haare hat, noch so seltsam klingt.

Andreas Nachama ist der Sohn zweier Holocaust-Überlebender. Seine Mutter wurde in der Nazizeit von Mitgliedern der Bekennenden Kirche versteckt, sein Vater war in den Konzentrationslagern Auschwitz und Sachsenhausen inhaftiert und nahm an einem der berüchtigten Todesmärsche teil. Nach seiner Befreiung setzte er sich gemeinsam mit anderen Überlebenden für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Berlin ein und wurde Kantor in der in Synagoge Pestalozzistraße in Charlottenburg. Mit der Zeit erkannte Andreas Nachama, dass es auch seine Aufgabe war, das Wort Gottes zu verkünden. Er setzt sich bereits seit den Siebzigerjahren für den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen ein und freut sich darüber, dass dieser Dialog nun eine feste Heimstatt erhalten soll. Bis dahin beschränkte er sich für gewöhnlich auf Konferenzen, die höchstens eine Woche dauerten und nach denen jeder zu seiner Gemeinde zurückkehrte.

Andreas Nachama betont, dass das Potsdamer Abraham Geiger Kolleg, das Rabbiner aus Deutschland und ganz Europa ausbildet, das House of One intensiv unterstützt. Die nachfolgende Generation von Rabbinern werde also im Geiste des multireligiösen Dialogs erzogen. Dies ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass nicht alle Rabbiner in Berlin so offen für diesen Dialog sind. Es werde eine gewisse Herausforderung sein, sie von der Idee des House of One zu überzeugen.

„Sagen wir es, wie es ist: Wenn der Bau eines gemeinsamen Bet- und Lehrhauses eine so einfache Sache wäre, dann müssten wir es gar nicht bauen“, erklärt Nachama. „Doch wir schaffen auf diese Weise zumindest ein Fundament, auf dem die nachfolgende Generation aufbauen kann.“

Der Raum der Begegnung

Die Konstrukteure der Utopie müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Im heutigen Berlin leben in erster Linie Atheisten. Inzwischen wird die Stadt sogar als die „atheistische Hauptstadt Europas“ bezeichnet, denn 64 Prozent ihrer Einwohner fühlen sich keiner Religion zugehörig. Ungefähr 16 Prozent sind Christen, 8 Prozent Muslime und 1 Prozent Juden.

„In Wirklichkeit befinden wir uns im House of One alle in einer ähnlichen Situation“, sagt Gregor Hohberg. „Die Gläubigen sind in dieser Stadt in der Minderheit. Und die Atheisten verbinden jede Art von Religion zunehmend mit Konflikten, Kriegen und Terrorismus. Sie wissen nur wenig über dieses Thema und sie haben keinen Ort, an dem sie sich informieren können – der Religionsunterricht ist in Berlin kein ordentliches Lehrfach. Das House of One soll auch ein Ort für Atheisten sein, ein Ort, an dem sie Informationen aus erster Hand erhalten und sich mit Pfarrern, Imamen und Rabbinern unterhalten können.“

Im Anschluss an die Messe erhebt sich Sakhino, eine Frau mittleren Alters in einem eleganten, geblümten Kleid, von ihrem Plastikstuhl. Sie sagt, sie sei zur Messe gekommen, um die Atmosphäre eines gemeinsamen Gebets zu spüren. Es habe ihr sehr gefallen, dass jeder auf seine eigene Weise gebetet habe und die anderen ihm respektvoll zuhörten. Sie selbst gehöre keiner Kirche an, doch sie unterstütze das House of One und die Idee des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, die von entscheidender Bedeutung für den Weltfrieden sei.
„Wir müssen anfangen, einander zuzuhören, einander zu begegnen und unsere Vielfalt miteinander zu teilen“, erklärt sie. „Ich wuchs in einer katholischen Familie auf, trat aber später aus der Kirche aus, weil ich die Überzeugung nicht ertragen konnte, der katholische Glaube sei der einzig richtige Weg und alle anderen seien falsch. Ich bin ein spiritueller Mensch, ich fühle mich mit einer höheren Macht verbunden, aber nicht durch eine Religion. Ich bete allein, tief in meinem Herzen. Wenn das House of One entstehen und tatsächlich ein Ort werden sollte, der für alle offen ist, werde ich hierherkommen, um zu beten ...“

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