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Deutschland auf Polnisch
Ein Mann im Kindergarten

25 bis 30% der Erzieher in Berliner Kindertagesstätten sind Männer. Ein männlicher Erzieher auf dem Spielplatz ist keine Seltenheit mehr. Offensichtlich ist dies ein guter Beruf für Männer mit Familie. Und es macht auch Spaß. Mit Hubert Kopeć, einem Kita-Erzieher in Berlin, spricht Agnieszka Wójcińska.

Hubert Kopeć mit seinen Söhnen - Tymon und Radek Foto aus Privatsammlung

Agnieszka Wójcińska: Wie bist du nach Deutschland gekommen?

Hubert Kopeć: Aufgewachsen bin ich in Grodzisk Mazowiecki, aber studiert habe ich in Krakau. Dort habe ich Bettina kennengelernt. Bettina kam aus Berlin, wo sie Soziale Arbeit studiert hatte. Sie arbeitete im Rahmen eines Leonardo-Da-Vinci-Stipendiums im Krakauer Zentrum für Frauenrechte und schrieb nebenbei an ihrer Masterarbeit in Soziologie. Ich war damals gerade in eine Studentenbude in der Ulica Wygoda gezogen. Bettina wohnte in einer ähnlichen Wohnung nebenan, und ich wollte mir ein Sofa von ihr leihen.

Doch dann wurde mehr daraus?

Sie war bereits drei Monate in Krakau und sollte insgesamt ein Jahr bleiben. Kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, machten wir mit einer größeren Gruppe Urlaub in den Bieszczady. Danach begannen wir, uns regelmäßig zu treffen, und drei Jahre später zogen wir in eine gemeinsame Wohnung. Ich hatte inzwischen mein Lehramtsstudium in Polonistik abgeschlossen und angefangen, meine Doktorarbeit zu schreiben, aber das war irgendwie nicht mein Ding. Dann kam unser erster Sohn Tymon auf die Welt. Er war noch kein Jahr alt, als ich ein Angebot bekam, für die pädagogische Abteilung des Nationalmuseums in Krakau zu arbeiten. Das Problem war, dass wir 80 Prozent meines Einkommens für die Kosten für eine private Kinderbetreuung hätten aufwenden müssen, denn in einer öffentlichen Einrichtung bekamen wir keinen Platz. Bettina arbeitete als Sozialarbeiterin und verdiente auch nicht das große Geld. Also beschlossen wir, dass wir, um die Lebenshaltungskosten zu senken, ins Krakauer Umland ziehen würden. Oder nach Berlin. Nur so zur Probe, für ein, drei oder fünf Jahre.

Wir beschlossen, dass wir, um die Lebenshaltungskosten zu senken, ins Krakauer Umland ziehen würden. Oder nach Berlin. Nur so zur Probe, für ein, drei oder fünf Jahre.

Wie kamt ihr gerade auf Berlin?

Bettina stammt aus Bielefeld. Ihr Eltern hatten uns angeboten, dorthin zu ziehen und ihr Haus zu übernehmen, sie wären dann in eine kleinere Wohnung gezogen. Aber dann hätten wir nie wirklich auf eigenen Beinen gestanden. Außerdem war es mir zu weit weg. Berlin liegt fast genau in der Mitte zwischen Bielefeld und Grodzisk, näher an der polnischen Grenze, und ich dachte damals, ich würde anfangs in Polen arbeiten. Außerdem hatte Bettina eine Menge Freunde in Berlin, die sie während ihres Studiums kennengelernt hatte, und die ich auch bereits kannte. Die wohnten zwar alle in Neukölln, und wir landeten – halb durch Zufall und halb aus finanziellen Gründen – zwischen Moabit und Charlottenburg, aber immerhin.

Aus finanziellen Gründen? Ich dachte, das sei eher eine teure Wohngegend.

Es war 2010, damals war die Wohnungssituation in Berlin noch in Ordnung. Du konntest eine Wohnung mieten und dir sicher sein, dass die Miete nicht groß steigen und niemand dich rauswerfen würde. Unsere Miete betrug damals 600 Euro im Monat, die gleiche Wohnung unter uns wurde ein Jahr später für 850 Euro vermietet, und heute muss man 1200 Euro dafür zahlen.

Eine enorme Steigerung. Was ist da eigentlich passiert?

In letzter Zeit ziehen eine ganze Menge meiner Bekannten nach Berlin und haben große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Es ist am einfachsten, zunächst einmal eine Wohnung zur Untermiete zu finden und anzufangen zu arbeiten, bevor man wirklich auf Wohnungssuche geht. Die Flüchtlingskrise hat sicherlich auch viel damit zu tun, denn der Bedarf an Wohnraum ist deutlich gestiegen, und ein Teil der Wohnungen wird systematisch zugeteilt, aber es ist nicht nur das. Auch die Mentalität hat sich verändert. Früher kaufte man sich in Berlin keine Wohnung, sondern mietete sie für einige Jahre, das ist heute vorbei. Inzwischen kommen viele Deutsche aus den alten Bundesländern, zum Beispiel aus Schwaben, nach Berlin und kaufen hier Wohnungen. Das hat dazu geführt, dass die Preise gestiegen sind.

Aus Krakau nach Berlin

War der Unterschied zwischen den Lebenshaltungskosten in Krakau und Berlin damals wirklich so groß?

Wir haben das verglichen. In Krakau hatten wir beide gearbeitet, Bettina ganztags und ich auf Auftragsbasis. Und davon konnten wir gerade einmal die 1200 Złoty Miete für unsere Wohnung bezahlen und kamen kaum über die Runden. Nach unserem Umzug nach Berlin konnten wir von Bettinas Einkommen aus einer Dreiviertelstelle – ich hatte damals noch keine Arbeit – bequem die Miete bezahlen, leben und regelmäßig nach Polen fahren.

Und ihr habt sofort einen Platz in einer Kindertagesstätte bekommen?

Genau, es dauerte nur einen Monat, bis wir etwas gefunden hatten. Tymon kam mit einem Jahr gleich in den Kindergarten, denn in Deutschland gibt es, anders als in Polen, keine Unterscheidung zwischen Kinderkrippe und Kindergarten. Zufällig wohnten wir auch in dem Berliner Bezirk mit dem höchsten Altersdurchschnitt, es war also relativ einfach, etwas zu finden. Inzwischen muss man in manchen Bezirken drei Jahre auf einen Platz in einer Kindertagesstätte warten – wenn man überhaupt einen bekommt.

So stark ist die Zahl der Kinder gestiegen?

Das Land Berlin hat eine äußerst soziale Familienpolitik, wie man sie anderswo in Deutschland, sogar in den alten Bundesländern, vergeblich sucht. Es gibt Zuschüsse für die Betreuung in einer Kindertagesstätte, außerdem entstehen immer mehr Ganztagsschulen, in denen die Kinder nach dem Unterricht bis mindestens 16 Uhr pädagogisch betreut werden. Der Umfang der Kinderbetreuung orientiert sich an der beruflichen und häuslichen Situation der Eltern, von 5 oder 7 Stunden bis hin zu 9 Stunden oder auch mehr – es kommt vor, dass Kinder, die erst ein Jahr alt sind, von 7 bis 18 Uhr in der Kita bleiben. Es ist in Berlin völlig normal, dass Kinder bereits in diesem Alter in die Kita gehen. Nur polnische Eltern müssen sich vor anderen rechtfertigen, warum sie ihr Kind so früh in den Kindergarten geben. In Polen ist das nach wie vor gesellschaftlich geächtet: Es herrscht die Ansicht, dass ein Kind mindestens bis zum dritten Lebensjahr bei der Mutter bleiben sollte. In Berlin hat seit 2017 jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr Anspruch auf einen kostenlosen Kita-Platz. Das Problem ist nur, dass der Berliner Senat sich mit seinen Zusagen ein wenig vergaloppiert hat und es nicht geschafft hat, genügend Erzieher auszubilden, um die versprochene Anzahl von Betreuungsplätzen zu schaffen. Auch die Flüchtlingskrise hat etwas damit zu tun, denn auch die Kinder von Flüchtlingen haben, sobald sie in Deutschland registriert sind, Anspruch auf einen Schul- oder Kindergartenplatz. Zum Glück gibt es auch Zuschüsse für andere Formen der Betreuung, zum Beispiel durch eine Tagesmutter.

Bettina ist nach eurem Umzug in ihre alte Umgebung zurückgekehrt. Aber wie hast du dich als Pole in Berlin zurechtgefunden?

Ich sprach damals bereits ein wenig Deutsch, konnte allein einkaufen und allein auf Ämter gehen, auch wenn es mir schwerfiel. Ich hatte es insofern einfacher, als wir eine deutsch-polnische Familie sind. Ich denke, dass eine polnische Familie oder ein polnisches Paar, das nach Deutschland kommt, es hier viel schwerer hat. Bettina hat mich überall allein hingeschickt, aber sie hat mich unterstützt, und sie wusste aus ihrer Zeit in Polen, was es bedeutet, in einem anderen Land zu leben. Ich wiederum kam schnell von der Idee ab, Zeit und Emotionen in der polnischen Gemeinde in Berlin zu investieren – polnische Gottesdienste zu besuchen, Fußball in einer polnischen Mannschaft zu spielen oder an anderen Aktivitäten teilzunehmen. Ich merkte schnell, dass dies nicht der richtig Weg ist, denn auf diese Weise legt man sich zu sehr fest und verschließt sich gegenüber dem Neuen.

Du kamst also in ein Berlin, das zwar deutsch, aber auch multikulturell ist.

Genau. Das beste Beispiel war mein Diplomstudium. Ich hatte angefangen, in einem polnischen Kindergarten zu arbeiten und benötigte eine entsprechende Qualifikation. Also machte ich eine berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher, bei der man halbtags arbeitet und nebenbei studiert. Das war meine erste Bewährungsprobe, auch in sprachlicher Hinsicht. Diese Ausbildung hat mir, vor allem auch in Hinsicht auf mein Leben in Berlin, sehr viel gegeben. Ich habe dort eine sehr repräsentative Mischung von Menschen kennengelernt, die in dieser Stadt leben: Menschen zwischen 18 und 60, aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Teilen Deutschlands, Studierte und Nichtstudierte. 

Und wie geht es euch heute, acht Jahre später, in Berlin?

Sobald man alles geregelt hat und eine Arbeit, eine Schule oder eine Kindertagesstätte gefunden hat, kann man hier als Familie sehr gut leben. Auch im Vergleich mit anderen Städten wie zum Beispiel Bielefeld. Dort holen die Eltern ihre Kinder um 12 Uhr aus dem Kindergarten ab, was für gewöhnlich bedeutet, dass die Frau nach der Geburt zu Hause bleibt. Man muss natürlich auch sagen, dass dort mehr verdient wird. Eine Familie kann dort bequem von einem einzigen Einkommen leben. Ich kenne eine Familie mit mehreren Kindern, die im Umland von Düsseldorf wohnt: Der Vater arbeitet für ein Düsseldorfer Unternehmen und verdient richtig gutes Geld, und die Mutter fährt ihre Kinder in die Schule und zu anderen Aktivitäten. Das ist gewissermaßen das amerikanische Modell, das in dieser Region wesentlich stärker verbreitet ist als in Berlin.

Männlicher erzieher

In Polen kenne ich einen Mann, der eine Zeit lang als Erzieher in einem Kindergarten arbeitete und damit allgemeine Belustigung hervorrief. Schließlich gab er diesen Beruf auf und wechselte in eine ganz andere Branche. Wie kamst du auf die Idee, in einer Kindertagesstätte zu arbeiten?

Ich hatte zuvor als unbezahlter Praktikant im Polnischen Institut gearbeitet und dort das Festival FilmPolska mitorganisiert. Das hat mir viel Spaß gemacht und ich habe in dieser Zeit viele interessante Bekanntschaften geschlossen, die bis heute anhalten. Aber es gab mir auch zu denken, denn ich saß dort und machte alle möglichen spannenden Sachen, bekam jedoch überhaupt kein Geld dafür. Und es ist gar nicht so einfach, wenn man zu Hause ein Kind hat und acht Stunden am Tag arbeitet. Es war also nicht so, dass ich dachte: Erzieher ist mein Traumberuf. Es ging mir eher darum, endlich irgendwo Fuß zu fassen und Geld zu verdienen. Ich dachte zunächst daran, Sprachunterricht zu geben. Und weil ich selbst ein Kind im Kindergartenalter hatte und mir dachte, dass es zum Einstieg vielleicht besser wäre, auf Polnisch zu arbeiten, rief ich einfach einen polnischen Kindergarten an. Dort stellte sich heraus, dass einer der Erzieher, ebenfalls ein Mann, gerade seine Stelle aufgab und sie auf der Suche nach einem Nachfolger waren. Kurz darauf begann ich, dort zu arbeiten, und dabei blieb es dann.

Ist es in Deutschland üblich, dass Männer als Erzieher arbeiten?

Absolut. In meiner Ausbildungsklasse gab es fünfundzwanzig Personen, und sieben davon waren Männer mit unterschiedlicher Ausbildung und Berufserfahrung. 25 bis 30 Prozent der Erzieher in Berliner Kindertagesstätten sind Männer. Im Westen Deutschlands ist dieser Anteil sicherlich geringer. Ich habe den Eindruck, dass in dieser Region und auch in Bayern eher noch die traditionelle Rollenverteilung herrscht – umso mehr, als die Männer dort sehr gut verdienen, wesentlich mehr als in Berlin, das im Vergleich mit dem Westen Deutschlands eher eine arme Stadt ist.

Und wie reagieren die Menschen, wenn sie einen männlichen Erzieher sehen?

Selbstverständlich haben mich meine polnischen Onkel zur Seite genommen und mir gewünscht, dass ich endlich einen richtigen Beruf finde. Aber in Deutschland hatte ich damit bisher überhaupt keine Probleme. Die Eltern hier haben alle sehr positiv auf mich reagiert. Außerdem wird in Deutschland sehr viel Wert auf die theoretische Ausbildung von Erziehern gelegt. Es gibt hier viele interessante pädagogische Konzepte und Methoden, Waldkindergärten und alternative Kitas. Meine Arbeit macht mir wirklich viel Spaß. Und inzwischen arbeite ich in einem deutsch-polnischen Kindergarten, der sich mit Immersion und anderen interessanten Methoden in Bezug auf Zweisprachigkeit und Multikulturalität beschäftigt.

Meine polnischen Onkel haben mich zur Seite genommen und mir gewünscht, dass ich endlich einen richtigen Beruf finde. Aber in Deutschland hatte ich damit bisher überhaupt keine Probleme.

Was waren das für Kinder in dem ersten Kindergarten, in dem du gearbeitet hast?

Das war sehr interessant. Für die Eltern dieser Kinder waren wir oft die erste Einrichtung, mit der sie nach ihrer Ankunft in Deutschland in Kontakt kamen. Die meisten von ihnen waren Transmigranten, die in Deutschland arbeiteten und an den Wochenenden nach Polen auf ihre Grundstücke fuhren, an ihren Häusern bauten oder ihre Gärten pflegten. Die Kinder sprachen nur über Polen, dass sie dort im Kino oder im Zirkus waren. Dort spielte sich ihr ganzes Leben ab. In Berlin gingen sie nicht einmal auf den Spielplatz, denn wenn sie sich hier mit jemandem stritten oder einem anderen Kind die Schaufel wegnahmen, war ihre Mama nicht einmal imstande, sich auf Deutsch zu entschuldigen. Es gibt hier viele Polen, die auf diese Weise leben: In der Regel sind es weniger gebildete Polen aus den grenznahen Regionen, die auf gut Glück hierherkommen, weil ihr Onkel bereits in Deutschland gearbeitet oder weil ihnen der Nachbar dazu geraten hat. Es kam vor, dass ein Kind nach zwei, drei Monaten plötzlich nicht mehr in den Kindergarten kam, weil die Eltern nach Polen zurückgekehrt waren. Aber ich habe auch Polen kennengelernt, die seit dreißig Jahren in Berlin leben und nie in Deutschland Urlaub gemacht haben, weil sie ständig in ihren polnischen Heimatort fahren, um dort den Rasen zu sprengen oder die Hecke zu schneiden. Und die auch in Deutschland ausschließlich polnische Radiosender hören und polnische Fernsehsender gucken – das ist wie ein Leben in einer Seifenblase.

Das war in dem polnischen Kindergarten. Und was hast du danach gemacht?

Anschließend habe ich in einem Kindergarten in Berlin-Moabit gearbeitet, der genauso multikulturell war wie der gesamte Bezirk. In einer Gruppe hatten wir zwanzig Kinder, die sechzehn verschiedene Sprachen sprachen. Beim Frühstück unterhielten sie sich über Religionen und kulturelle Bräuche. Danach wollte ich eigentlich in einem Behinderten- oder Jugendwohnheim arbeiten. Das ist ein weiterer Unterschied zwischen Deutschland und Polen: Hier werden Erzieher für die Arbeit mit Menschen von null bis siebenundzwanzig Jahren ausgebildet. Ich kann mit meiner Ausbildung als Erzieher in einem Kindergarten, als Hilfslehrer in einer Schule oder als Betreuer in einem Hort arbeiten, aber auch in einem Kulturzentrum oder eben in Einrichtungen für Jugendliche oder Behinderte. Mein Plan scheiterte schließlich an den Arbeitszeiten, denn in diesem Bereich muss man viel an Nachmittagen und an Wochenenden arbeiten, und ich habe kleine Kinder. Also nahm ich eine Stelle in einem neuen deutsch-polnischen Kindergarten an, der von einer großen Organisation getragen wird, die neun Kindergärten und mehrere Kulturzentren betreibt und ein wenig wie eine große Firma funktioniert. Ich nehme an Schulungen und Fortbildungen teil und lerne ständig etwas Neues. Das hat Vor- und Nachteile, denn jede neue Idee muss lange bürokratische Entscheidungswege durchlaufen. Ich kann nicht einfach mal so entscheiden, dass wir in den nächsten Wochen jeden Mittwoch zum Flughafen fahren, um Flugzeuge zu beobachten. Aber ich bin zufrieden mit meiner Arbeit, habe ein geregeltes Einkommen und Arbeitszeiten, die es mir erlauben, Zeit mit meiner Familie zu verbringen und meinen Leidenschaften nachzugehen. Und ich bleibe in Kontakt mit der polnischen Sprache.

Was gehört alles zu deinen Aufgaben?

Für das Wohl der Kinder zu sorgen, optimale Bedingungen für ihre Entwicklung zu schaffen und sie vor Gefahren zu schützen. Ich soll ihr Begleiter und Wegbereiter sein und dafür sorgen, dass sie eine angenehme Zeit im Kindergarten verbringen, gemeinsam mit den anderen Kindern und den anderen Erziehern. Außerdem ist es meine Aufgabe, die Kinder in ihrer Entwicklung zu beobachten und im Falle von Entwicklungsverzögerungen einzuschreiten und einen Spezialisten zu konsultieren. Inzwischen bin ich selbst ein Spezialist in diesem Bereich geworden, denn ich habe eine Ausbildung zum Integrationserzieher absolviert und arbeite mit diversen externen Institutionen zusammen: mit Psychologen, Logopäden oder auch mit dem Jugendamt, das in akuten Fällen eingreift und Druck auf die Eltern ausübt, wenn sie eine Gefährdung für das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes erkennen. Da in Deutschland viele Zuwanderer aus anderen Kulturen und Religionen legen, ist dem Staat sehr daran gelegen, diese Familien möglichst schnell einzugliedern, damit sie besser in die hiesige Gesellschaft und die hiesige Arbeitswelt passen: Die Eltern sollen Sprachkurse besuchen, und die Kinder sollen so früh wie möglich in den Kindergarten oder in die Schule gehen.

Du hast selbst zwei Söhne und begegnest auch bei deiner Arbeit vielen Vätern. Gibt es so etwas wie den typischen Berliner Vater? Ich frage nur, weil du gesagt hast, im Westen Deutschlands herrsche eher noch die traditionelle Rollenverteilung.

Es gibt sicherlich mehrere Varianten. Es hängt stark davon ab, womit sich jemand beruflich beschäftigt und wie seine Zeiteinteilung aussieht, sicherlich auch vom jeweiligen Stadtteil, der bestimmte finanzielle und kulturelle Unterschiede definiert. In Prenzlauer Berg ist es anders als in Charlottenburg und anders als in Neukölln, wo die Männer oft stundenlang im Café sitzen und sich unterhalten, während die Frauen mit den Kindern unterwegs sind. In muslimischen Familien, selbst bei Migranten der dritten Generation, sind die Rollen nach wie vor streng verteilt, und wenn ein Vater seinen Sohn irgendwohin mitnimmt, dann nur zu typisch männlichen Aktivitäten, also zum Beispiel zum Fußball. In anderen Stadtteilen sieht man auch Väter, die am Wochenende etwas mit ihren Kindern oder gemeinsam mit der ganzen Familie unternehmen. Es gibt auch Väter, die sich im Alltag engagieren, die zum Beispiel an unseren Aktivitäten im Kindergarten teilnehmen oder ihre Kinder regelmäßig nachmittags abholen. Auch in unserem Bekanntenkreis gibt es viele Paare, bei denen die Aufgaben gleichmäßig verteilt sind und bei denen sich auch die Väter aktiv an der Erziehung der Kinder beteiligen. Aber andererseits kenne ich auch eine Menge Väter in Krakau oder Warschau, die sich sehr um ihre Kinder kümmern, das ist also wohl kein reines Berliner Phänomen.
 

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